Ma­ri­lyn Mon­roe ei­nen Korb ge­ge­ben

Hol­ly­woods gol­de­nes Zeit­al­ter lebt fort – in ei­ner Se­nio­ren­re­si­denz bei Los Angeles

Der Sonntag (Mittelbaden) - - TIPPS & THEMEN - Jo­ce­ly­ne Za­b­lit

Ein Be­woh­ner er­in­nert sich weh­mü­tig dar­an, dass er einst ein Ren­dez­vous mit Ma­ri­lyn Mon­roe sau­sen ließ. Ein an­de­rer schwärmt da­von, was für ein lie­bens­wer­ter Mann Mar­lon Bran­do ge­we­sen sei. Und ei­ne 103-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin hat Ge­schich­ten von Frank Si­na­tra zu er­zäh­len, mit dem sie einst zu­sam­men­ar­bei­te­te. An die­sem Ort, das wird schnell klar, lebt das Gol­de­ne Zeit­al­ter Hol­ly­woods fort – es ist ei­ne Re­si­denz nörd­lich von Los Angeles, in der frü­he­re Grö­ßen der Film­bran­che ih­ren Le­bens­abend ver­brin­gen. Die Se­nio­ren­re­si­denz, in der der pen­sio­nier­te John­ny Weiss­mül­ler einst wäh­rend sei­ner Spa­zier­gän­ge sei­nen be­rühm­ten Tar­zanSchrei aus­ge­sto­ßen ha­ben soll, ist ein fas­zi­nie­ren­der Ort für Hol­ly­wood-Nost­al­gi­ker. „Die Leu­te hier ha­ben je­den denk­ba­ren Job für Film und Fern­se­hen aus­ge­übt“, sagt Bob Beit­cher, der Chef der ge­mein­nüt­zi­gen Stif­tung Mo­ti­on Pic­tu­re and Te­le­vi­si­on Fund (MPTF). In der Re­si­denz woh­nen nach sei­nen Wor­ten Re­gis­seu­re, Schau­spie­ler, Dreh­buch­schrei­ber, Trick­film­zeich­ner, Ko­s­tü­maus­stat­ter, Haar­sty­lis­ten und Ma­ke-Up-Ar­tis­ten. Die MPTF be­treibt die weit­läu­fi­ge An­la­ge in Wood­land Hills. Die spen­den­fi­nan­zier­te Or­ga­ni­sa­ti­on wur­de 1921 von Hol­ly­wood­pio­nie­ren wie Char­lie Chap­lin und Dou­glas Fair­banks ge­grün­det und küm­mert sich bis heu­te um Film­schaf­fen­de mit Geld­pro­ble­men. Et­wa die Hälf­te der 165 Be­woh­ner zahlt al­ler­dings sel­ber für ih­re Un­ter­brin­gung, für die an­de­re Hälf­te über­nimmt die Stif­tung die Kos­ten. Ei­ni­ge der Be­woh­ner sind in der Film­bran­che bis heu­te be­kannt, an­de­re wirk­ten zu ih­rer Zeit hin­ter den Ku­lis­sen. Zu den Be­woh­nern ge­hört Ste­ven Koh­ler, der als De­ko­ra­teur mit vie­len Welt­stars zu tun hat­te. „Oh ja, die Cr­ew saß manch­mal wäh­rend der Drehs zum Mit­tag­es­sen zu­sam­men“, er­in­nert sich der 87-Jäh­ri­ge an sei­ne Ar­bei­ten für „Dok­tor Schi­wa­go“(1965) mit den Haupt­dar­stel­lern Omar Sha­rif and Ju­lie Chris­tie. Mar­lon Bran­do, des­sen Be­kannt­schaft er wäh­rend der Ar­beit an „Meu­te­rei auf der Boun­ty“(1962) mach­te, war nach sei­ner Schil­de­rung ein Mann mit gro­ßem Herz – wo­mit Koh­ler dem Rü­pel-Image der Film­le­gen­de wi­der­spricht: „Bran­do war sehr groß­zü­gig. Er half Men­schen, oh­ne dass je­mand da­von er­fuhr.“Se­ni­or Ro­bert Mi­risch, des­sen Fa­mi­lie einst ei­ne der größ­ten un­ab­hän­gi­gen Film­pro­duk­ti­ons­fir­men be­trieb, er­zählt be­son­ders gern von Ma­ri­lyn Mon­roe. Er hat­te die Schau­spie­le­rin wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten zu „Man­che mö­gen’s heiß“(1959) ken­nen­ge­lernt, und sie lud ihn ein, sie zu ei­ner Film­pre­mie­re in New York zu be­glei­ten. Doch Mi­risch sag­te höf­lich ab, denn er woll­te sei­nen kran­ken Va­ter be­su­chen. „Ich bin al­so der Kerl, der ein Ren­dez­vous mit Ma­ri­lyn Mon­roe ab­ge­sagt hat – und mein Va­ter war so frech, da­nach noch vie­le Jah­re wei­ter­zu­le­ben“, scherzt der 77-Jäh­ri­ge. Doch das Le­ben in der Re­si­denz be­steht nicht nur da­rin, von den al­ten Zei­ten zu er­zäh­len, Po­ker zu spie­len oder Run­den in dem – von Jo­die Fos­ter ge­stif­te­ten – Pool zu dre­hen. Ei­ni­ge Pen­sio­nä­re ste­cken ih­re krea­ti­ven Ener­gi­en in ei­nen haus­in­ter­nen Fern­seh­ka­nal, für den sie ei­ge­ne Sen­dun­gen pro­du­zie­ren, ei­ne Come­dy-Se­rie et­wa, Do­ku­men­ta­tio­nen und Spiel­shows. Aber auch Hol­ly­wood­fil­me wer­den in dem Ka­nal ge­zeigt. Und ei­ni­ge der Be­woh­ner sind be­ruf­lich noch im­mer ak­tiv – et­wa die 103-jäh­ri­ge Con­nie Sa­wy­er. Sie spiel­te in dut­zen­den Fil­men und Fern­seh­se­ri­en mit, dar­un­ter an der Sei­te von Frank Si­na­tra in der Ko­mö­die „Ei­ne Num­mer zu groß“(1959). Im ver­gan­ge­nen Jahr trat sie in ei­nem Wer­be­spot auf, der wäh­rend des Foot­ball-Fi­na­les „Su­per Bowl“aus­ge­strahlt wur­de. Und vor kur­zem spiel­te sie für ei­ne Rol­le in ei­nem Hor­ror­film vor. Al­ler­dings sei es in­zwi­schen schwie­rig, Ar­beit zu fin­den, „da nicht vie­le Rol­len für äl­te­re Frau­en ge­schrie­ben wer­den“, sagt Con­nie Sa­wy­er.

Jo­die Fos­ter hat den Swim­ming­pool ge­stif­tet

Con­nie Sa­wy­er spiel­te einst an der Sei­te von Frank Si­na­tra – mit 103 ist sie be­ruf­lich im­mer noch ak­tiv.

Ste­ven Koh­ler lern­te 1962 bei der Ar­beit als De­ko­ra­teur Mar­lon Bran­do ken­nen. Fo­tos: AFP

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