Das Sys­tem Ur­laubs­tag-Klau

Wie sich Rei­sen­de weh­ren kön­nen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Hans-Wer­ner Ro­dri­an Mir­jam Ha­ckels­ber­ger

Die­ser Rei­se­som­mer macht ein­fach nur Är­ger: Weil viel we­ni­ger Ur­lau­ber als er­war­tet Fe­ri­en in der Tür­kei, in Ägyp­ten und Tu­ne­si­en bu­chen, zü­cken die be­trof­fe­nen Rei­se­un­ter­neh­men rou­ti­niert den Rot­stift. Meh­re­re Fe­ri­en­flü­ge wer­den auf ei­nen Ter­min zu­sam­men­ge­legt, kom­plet­te Kreuz­fahr­ten ab­ge­sagt oder neu ge­rou­tet. Die Dum­men sind in sol­chen Fäl­len die Früh­bu­cher: Sie hat­ten ih­ren ver­meint­li­chen Traum­ur­laub be­reits vor Mo­na­ten re­ser­viert und wer­den jetzt nach­träg­lich um­di­ri­giert, ver­scho­ben, ver­är­gert. Doch sie müs­sen sich nicht al­les ge­fal­len las­sen. Be­son­ders är­ger­lich ist das „Sys­tem Ur­laubs­tag­klau“: Statt wie ge­bucht mor­gens in die Fe­ri­en zu star­ten und schon am Vor­mit­tag im Pool zu schwim­men, er­fährt der Gast kurz vor der Rei­se, dass sein Flug erst abends star­tet und die Fa­mi­lie nicht vor Mit­ter­nacht im Ho­tel an­kommt. Zu­rück geht es dann um­ge­kehrt: An­stel­le des er­war­te­ten Abend­heim­flugs heißt es be­reits mor­gens um zwei Uhr früh auf­ste­hen und da­durch den letz­ten Ur­laubs­tag ver­lie­ren. Der Ur­lau­ber steht nun mit bis zu zwei Strand­ta­gen we­ni­ger da. Das frei­lich muss der Ur­lau­ber nicht wi­der­spruchs­los hin­neh­men. Rei­se­rechts­ex­per­ten wie der Würz­bur­ger Spe­zi­al­an­walt Kay Ro­de­gra hal­ten ge­ra­de noch Flug­zeitVer­schie­bun­gen von ein bis zwei St­un­den für ak­zep­ta­bel. Ei­ne Ver­le­gung vom frü­hen Mor­gen auf den Abend oder um­ge­kehrt sei je­den­falls nicht hin­nehm­bar. Das recht­fer­ti­ge ei­ne Preis­min­de­rung. Wer zwei vol­le Ur­laubs­ta­ge von ei­ner Wo­chen­rei­se ein­büßt, der kann zwei Sieb­tel des Rei­se­prei­ses zu­rück­for­dern. Da­mit be­wegt sich der Fach­an­walt auf ei­ner Li­nie mit dem Ober­lan­des­ge­richt Cel­le. Das hat be­reits vor drei Jah­ren den Rei­se­kon­zern TUI an­ge­wie­sen, sei­ne bis da­hin üb­li­che Klau­sel zu strei­chen, wo­nach die An­ga­ben über die Flug­zeit im Ka­ta­log oder Rei­se­bü­ro nur „un­ver­bind­lich“sei (Az. 11 U 82/12). Schon zu­vor hat­te das Land­ge­richt Han­no­ver der TUI und par­al­lel da­zu auch das Düs­sel­dor­fer Land­ge­richt den Ver­an­stal­tern All­tours und Schau­ins­land auf­er­legt, ein­mal ge­nann­te Rei­se­zei­ten nur noch dann zu än­dern, wenn ein trif­ti­ger Grund vor­liegt (Az. 12 O 223/11, Az. 12 O 224/11, Az. 18 O 79/11). Ähn­lich sieht es bei Kreuz­fahrt-Um­rou­tun­gen aus. Ei­ne ge­än­der­te Rou­te we­gen ei­ner „schwie­ri­gen Si­cher­heits­la­ge“muss der Gast nicht ak­zep­tie­ren, so­lan­ge kei­ne Rei­se­war­nung vom Aus­wär­ti­gen Amt aus­ge­spro­chen ist, meint Rei­se­rechts­ex­per­te Ro­de­gra. Ur­lau­ber müs­sen ei­ner neu­en Stre­cken­füh­rung nicht zu­stim­men, sie kön­nen die Kreuz­fahrt kün­di­gen und Scha­den­er­satz we­gen ent­gan­ge­ner Ur­laubs­freu­den for­dern. 50 Pro­zent des Rei­se­prei­ses sind nach An­sicht von Ro­de­gra „durch­aus drin“. Wich­tig ist, schnell zu wi­der­spre­chen. Wer durch ver­än­der­te Flug­zei­ten wert­vol­le Ur­laubs­zeit ver­liert oder gar von ei­nem an­de­ren Flug­ha­fen abf lie­gen soll, der tut gut dar­an, dem Rei­se­ver­an­stal­ter (nicht dem Rei­se­bü­ro!) un­ver­züg­lich deut­lich zu ma­chen, dass er sei­ne Rei­se nur un­ter Vor­be­halt an­tritt und ei­ne Rei­se­preis­min­de­rung gel­tend macht. Da­bei sind kla­re For­de­run­gen wich­tig, al­so bei­spiels­wei­se 200 Euro Rei­se­preis­min­de­rung we­gen Ver­lust ei­nes Ur­laubs­tags. Gern bie­ten Ver­an­stal­ter in sol­chen Fäl­len Gut­schei­ne statt Bar­geld an. Das Ge­setz sieht aber ei­nen Geld­an­spruch vor.

Wich­tig ist: früh­zei­tig wi­der­spre­chen

Das rie­si­ge Denk­mal des Her­mann, die his­to­ri­sche Va­rus-Schlacht oder das Unesco-Wel­ter­be Schloss Cor­vey – der Teu­to­bur­ger Wald ist vor al­lem be­kannt durch sei­ne Ge­schich­te. Doch nicht min­der be­ein­dru­ckend ist die Na­tur: Die mys­ti­schen Ex­tern­stei­ne, üp­pi­ge Wie­sen, tie­fe Wäl­der und na­tür­li­che Heil­mit­tel wie Moor, So­le und reins­te Qu­el­len ma­chen die Re­gi­on zu ei­nem per­fek­ten Ziel für Ak­tiv- und Well­ness­ur­lau­ber. Ge­nuss­tou­ren an We­ser, Lip­pe und Ems oder sport­li­che Fahr­ten zu den Aus­sichts­punk­ten der Mit­tel­ge­birgs­käm­me: Der Teu­to­bur­ger Wald ge­hört zu den Spit­zen­des­ti­na­tio­nen für Ge­nuss­rad­ler. Bei ei­ner Klos­ter­gar­ten­Rou­te er­le­ben Rad­ler die schöns­ten Gär­ten der Re­gi­on und pil­gern so­zu­sa­gen auf zwei Rä­dern. Be­son­ders kom­for­ta­bel geht es hier mit dem Elek­tro­rad vor­an: Den ein­ge­bau­ten Rü­cken­wind gibt es an rund 40 „Mo­ve­lo“Sta­tio­nen, an de­nen die E-Bi­kes aus­ge­lie­hen wer­den kön­nen. Prak­tisch ist die Tret­un­ter­stüt­zung zum Bei­spiel beim Ra­deln auf der „Klos­ter-Gar­ten-Rou­te“im Sü­den des Teu­to­bur­ger Walds. Die rund 190 Ki­lo­me­ter lan­ge, land­schaft­lich ab­wechs­lungs­rei­che Tour ver­bin­det sie­ben ver­schie­de­ne Klos­ter­gär­ten mit­ein­an­der. Die Rö­mer-Lip­pe-Rou­te da­ge­gen be­ginnt am Her­manns­denk­mal in Det­mold, be­glei­tet die Lip­pe von der Qu­el­le bis zur Mün­dung in den Rhein und ver­bin­det bis zu ih­rem Ziel­punkt in Xan­ten span­nen­de Rö­mer­stät­ten mit wohl­tu­end grü­nen Au­en­land­schaf­ten und his­to­risch reiz­vol­len In­nen­städ­ten auf rund 295 Ki­lo­me­tern. Ein Top Trail of Ger­ma­ny, fünf Qua­li­täts­we­ge „Wan­der­ba­res Deutsch­land“, ar­ten­rei­che Mi­sch­wäl­der, Moor und Hei­de, Bach­läu­fe und his­to­ri­sche Or­te – all das macht Wan­dern im Teu­to­bur­ger Wald so span­nend. Das „Land des Her­mann“ist nach Her­mann dem Che­rus­ker be­nannt und ist Teil des Teu­to­bur­ger Wal­des. Für die Frei­zeit- und Sport­wan­de­rer gibt es mehr als 100 Wan­der­we­ge, die zur Er­kun­dung der Re­gi­on ein­la­den. Vor al­lem für Fa­mi­li­en ist die leich­te Tour zur Ad­ler­war­te Ber­le­beck und dem Vo­gel­park Hei­li­gen­kir­chen ein idea­ler Aus­flug. Ein Weg für Ge­nie­ßer führt Wan­de­rer an 34 Kirch­tür­men und zahl­rei­chen al­ten Müh­len vor­bei. Und Ge­schichts­in­ter­es­sier­te fin­den Fach­werk satt auf der Rund­wan­de- rung, die in Det­mold star­tet. Wer da­nach Aus­span­nen will, kann zwi­schen sie­ben Heil­bä­dern, neun Luft­kur­or­ten und elf Er­ho­lungs­or­ten wäh­len. Und zwi­schen zahl­rei­chen Ther­men. Ein Stück In­do­ne­si­en bie­tet bei­spiels­wei­se die be­kann­te Ba­liTher­me in Bad Oeyn­hau­sen. Be­tö­ren­de Düf­te, war­me Far­ben, ed­le Höl­zer und kost­ba­re Schnit­ze­rei­en ent­füh­ren Gäs­te nach Asi­en, in ei­ne Oa­se mit Lo­tus­blü­ten-Sau­na, Krei­de­an­wen­dun­gen, Scho­ko-Spa und Va­nil­le-Zu­cker-Pee­lings.

Wahr­zei­chen des Teu­to­bur­ger Wal­des: Das Her­manns­denk­mal süd­west­lich von Det­mold ist mit ei­ner Ge­samt­hö­he von fast 54 Me­tern die höchs­te Sta­tue Deutsch­lands. Die Fi­gur des Che­rus­ker­fürs­ten Ar­mi­ni­us misst über 26 Me­ter. Fo­to: Münch

Är­ger um Ur­laubs­flug. Nicht je­de Flug­ver­schie­bung ist ge­recht­fer­tigt. Fo­to: Fra­port

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