Ge­met­zel in Ban­gla­desh

20 To­te Gei­seln: An­grei­fer brach­ten of­fen­bar ge­zielt Aus­län­der um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Be­waff­ne­te An­grei­fer ha­ben in ei­nem west­lich ge­präg­ten Ca­fé in Ban­gla­deschs Haupt­stadt Dha­ka 20 Aus­län­der ge­tö­tet, un­ter ih­nen neun Ita­lie­ner – fünf Frau­en und vier Män­ner. Die ita­lie­ni­sche Fuß­ball­mann­schaft trat ges­tern Abend beim Vier­tel­fi­nal­spiel der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ge­gen Deutsch­land mit schwar­zen Arm­bin­den an. Be­stä­tigt wur­den bis Re­dak­ti­ons­schluss des SONNTAG zu­dem der Tod von sie­ben Ja­pa­nern, ei­ner 19-jäh­ri­gen in­di­schen Stu­den­tin so­wie ei­nes US-Bür­gers. Mut­maß­li­che An­hän­ger der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­scher Staat (IS) dran­gen am Frei­tag­abend in das Ca­fé ein und hiel­ten stun­den­lang dut­zen­de Men­schen fest, be­vor Si­che­rin heits­kräf­te ges­tern das Lo­kal stürm­ten und sechs An­grei­fer er­schos­sen. Auch zwei Po­li­zis­ten ka­men im Ku­gel­ha­gel ums Le­ben. Zu der Tat be­kann­te sich der IS. Die An­grei­fer stürm­ten das bei Aus­län­dern be­lieb­te Ca­fé „Ho­ley Ar­ti­san Ba­ke­ry“im Di­plo­ma­ten­vier­tel Guls­han am Frei­tag­abend, rie­fen „Al­la­hu Ak­bar“(Gott ist groß) und zün­de­ten Spreng­sät­ze. Die An­grei­fer hat­ten zeit­wei­se bis zu 40 Men­schen in ih­re Ge­walt. 13 Gei­seln wur­den nach of­fi­zi­el­len An­ga­ben bei der Be­frei­ungs­ak­ti­on ge­ret­tet. Die Ar­mee zähl­te 20 ge­tö­te­te Zi­vi­lis­ten. Vie­le der Op­fer sei­en mit Ma­che­ten um­ge­bracht wor­den. Der Va­ter ei­nes Über­le­ben­den, Re­zaul Ka­rim, sag­te, die An­grei­fer hät­ten die Gei­seln In- und Aus­län­der ge­trennt. Die Aus­län­der sei­en in den ers­ten Stock ge­bracht wor­den, die Ban­gla­de­scher sei­en um ei­nen Tisch her­um fest­ge­hal­ten wor­den. Der ar­gen­ti­ni­sche Koch Die­go Ros­si­ni, der in ein Nach­bar­ge­bäu­de flie­hen konn­te, be­rich­te­te von ei­ner „schreck­li­chen Nacht“. Die An­grei­fer hät­ten „au­to­ma­ti­sche Waf­fen und Bom­ben“ge­habt, sag­te er im ar­gen­ti­ni­schen Fern­se­hen. Er ha­be so viel Angst ge­habt wie nie zu­vor in sei­nem Le­ben. Aus dem Au­ßen­mi­nis­te­ri­um in Rom ver­lau­te­te, dass elf Ita­lie­ner in dem Lo­kal wa­ren und nur ei­ner von ih­nen ent­kom­men konn­te. Ban­gla­deschs Re­gie­rungs­che­fin Sheikh Ha­si­na ver­ur­teil­te die „ab­scheu­li­che Tat“. Ih­re Re­gie­rung sei „ent­schlos­sen, den Ter­ro­ris­mus und die Mi­li­tanz in Ban­gla­desch aus­zu­rot­ten“, sag­te sie. Das mehr­heit­lich mus­li­mi­sche Ban­gla­desch wird seit Wo­chen von blu­ti­gen An­grif­fen auf sä­ku­la­re Ak­ti­vis­ten, Blog­ger und Jour­na­lis­ten so­wie An­ge­hö­ri­ge re­li­giö­ser Min­der­hei­ten er­schüt­tert. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on und die deut­sche Bun­des­re­gie­rung rie­fen zu ei­nem ver­stärk­ten Kampf ge­gen den is­la­mis­ti­schen Ter­ror auf. „Nur mit dem ge­mein­sa­men und be­harr­li­chen Ein­satz der Völ­ker­ge­mein­schaft wird es ge­lin­gen, den is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus und sei­ne to­des­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie Stück für Stück zu­rück­zu­drän­gen“, sag­te Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) ges­tern.

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