Nor­bert Ha­ber: Der Chef vom Au­gus­ten­berg

Nor­bert Ha­ber | Di­rek­tor des Land­wirt­schaf­li­chen Tech­no­lo­gie­zen­trums

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Wenn der re­gel­mä­ßi­ge Kirch­gän­ger Nor­bert Ha­ber heu­te aufs Feld geht, dann macht er das, oh­ne ei­ne an­ge­mes­se­ne Sonn­tags­ru­he zu ver­let­zen. Er be­ar­bei­tet nicht selbst den Acker, son­dern be­stellt das Feld der Öf­fent­lich­keits­ar­beit. Der Di­rek­tor des Land­wirt­schaft­li­chen Tech­no­lo­gie­zen­trums Au­gus­ten­berg (LTZ) ist mit da­bei, wenn in des­sen Au­ßen­stel­le Forch­heim heu­te Neu­gie­ri­ge ei­ni­ges über Pflan­zen­bau, Pflan­zen­schutz oder Ma­schi­nen­ein­satz er­fah­ren kön­nen. (Oder auch fest­stel­len, dass in Rhein­stet­ten nicht mehr staat­lich ge­raucht wird; die Ta­bak­for­schung ist pri­va­ti­siert.) Von 10 bis 17 Uhr ist im Sil­ber­strei­fen (Kut­schen­weg 20) ein Tag der of­fe­nen Tür mit vie­len In­for­ma­tio­nen und Ak­tio­nen rund um Land­wirt­schaft, ins­be­son­de­re Acker­bau. Wo frü­her die Lan­des­an­stalt für Pflan­zen­bau an­ge­sie­delt war, kann man auf dem Trak­tor mit­fah­ren, wird über nach­wach­sen­de Roh­stof­fe in­for­miert „und zei­gen wir un­se­re Fel­der mit Blühpf lan­zen für Bie­nen und an­de­re In­sek­ten“, stellt Nor­bert Ha­ber ein sicht­ba­res For­schungs­feld sei­ner Be­hör­de her­aus: „Wir tes­ten, wel­che Wild­kräu­ter und Kul­tur­pflan­zen be­son­ders hilf­reich für die Bi­o­di­ver­si­tät sind, aber sich gleich­zei­tig gut in die Nut­zung der Fel­der ein­fü­gen.“Der aus dem Main­hard­ter Wald stam­men­de Agrar-In­ge­nieur lei­tet seit 2007 ei­ne neu struk­tu­rier­te, 270 Mit­ar­bei­ter um­fas­sen­de Fach­be­hör­de für ganz Ba­den-Würt­tem­berg. Ha­bers Di­enst­sitz liegt in be­son­de­rer La­ge. Ihm und sei­nen Mit­ar­bei­tern blüht ganz schön was – vor al­lem im Früh­jahr. 20 000 Obst­bäu­me sor­gen auf dem „Pass“zwi­schen Dur­lach und Gröt­zin­gen für ein­zig­ar­ti­ges Flair rund um teil­wei­se denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­de. „Wir ma­chen hier An­bau­ver­su­che mit 20 Ob­star­ten und 500 Sor­ten. Vie­les von die­ser Ern­te ver­kau­fen wir im ei­ge­nen Obst­hof und be­kom­men so gleich­zei­tig ei­ne Rück­mel­dung, ob die neu­en Sor­ten dem Kun­den­ge­schmack ent­spre­chen“, be­rich­tet Ha­ber. Als Nor­bert Ha­ber auf den Au­gus­ten­berg kam, muss­te er mit ru­hi­ger Ma­na­ger­hand die bis­lang selbst­stän­di­gen „Ein­zel­tei­le“aus Stutt­gart, Rhein­stet­ten, Müll­heim, Do­nau­eschin­gen und eben Karls­ru­he zu­sam­men­füh­ren. „Prak­ti­sche Um­set­zung von Wis­sen­schaft für Land­wir­te, vor­beu­gen­der Ver­brau­cher- und Um­welt­schutz so­wie Po­li­tik­be­ra­tung“, be­zeich­net Ha­ber als Grund­satz­auf­ga­ben. Er selbst wuchs in länd­li­cher Um­ge­bung mit viel Ne­ben­er­werbs­land­wirt­schaft auf, so fand er In­ter­es­se am Agrar­stu­di­um, das ihn wie­der­um in die staat­li­che Ver­wal­tung führ­te. „Zeit für pri­va­ten Pflan­zen­bau ha­be ich lei­der nicht ge­nug und un­ser Gar­ten reicht ge­ra­de für ei­ni­ge To­ma­ten, ei­nen Ap­fel­baum und Blu­men“, meint der seit lan­gem in Ras­tatt woh­nen­de evan­ge­li­sche LTZ-Chef schmun­zelnd. In sei­ner Frei­zeit be­schäf­tigt er sich noch mit his­to­ri­schen Ge­bäu­den im länd­li­chen Raum. Der Ar­chi­tek­tur von Schwarz­wald­häu­sern, Müh­len und Sä­ge­wer­ken gilt sein In­ter­es­se. Und am heu­ti­gen Sonntag na­tür­lich ei­nem re­gen Be­such in der LTZ-Au­ßen­stel­le Forch­heim.

Im For­schungs­feld, um­ge­ben von Senf­pflan­zen: Nor­bert Ha­ber ist der Chef auf dem Au­gus­ten­berg Karls­ru­he, wo un­ter an­de­rem über bie­nen­freund­li­che Wild­kräu­ter auf Acker­flä­chen ge­forscht wird. Fo­to: Alà­b­i­so

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