Steil­la­gen und schma­le Pfa­de

Dank Eh­ren­amt­li­chen ist der En­gels­berg heu­te ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Ka­trin Kö­nig

Ru­di Kar­cher ist in sei­nem Ele­ment. Er steht an der Büh­ler­tä­ler Tou­rist-Info, um­ringt von Men­schen, und hat ei­nen Ruck­korb vor sich, der noch vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten für das Trans­por­tie­ren von Las­ten dien­te. Kar­cher de­mons­triert, wie pfif­fig der Korb kon­stru­iert wur­de. Er wird ihn wäh­rend sei­ner be­vor­ste­hen­den Füh­rung am En­gels­berg stets auf dem Rü­cken tra­gen – al­ler­dings leer, und das ist an die­sen Steil­hän­gen mit ih­ren schma­len Pfa­den schon an­stren­gend ge­nug. Was heu­te nur noch ein sym­pa­thi­scher Fin­ger­zeig auf die His­to­rie ist, ge­hör­te einst zum All­tag: Da­mals, als die Ein­hei­mi­schen das un­weg­sa­me Ge­län­de noch in­ten­siv be­wirt­schaf­te­ten und die Trau­ben für ih­ren Wein un­ter wid­rigs­ten Be­din­gun­gen ern­te­ten. Seit 800 Jah­ren ha­be man hier Re­ben ge­zo­gen, ins­be­son­de­re Spät­bur­gun­der und Tra­mi­ner, er­zählt Kar­cher: „Der Berg bie­tet we­gen sei­ner Steil­la­ge viel Po­ten­zi­al für Spit­zen­wei­ne.“Zwar be­wirt­schaf­te der För­der­ver­ein En­gels­berg hier in­zwi­schen wie­der ei­ni­ge Flä­chen, das sei aber eher ei­ne hob­by­mä­ßi­ge Ne­ben­be­schäf­ti­gung: „Aus öko­no­mi­scher Sicht ist das nicht ren­ta­bel.“Der in­ten­si­ve Wein­an­bau en­de­te et­wa An­fang des 20. Jahr­hun­derts. Es folg­te ei­ne zu­neh­men­de Ver­bu­schung und Ver­wil­de­rung des „Büh­ler­tä­ler Haus­bergs“, der den Na­men „En­gels­berg“ei­nem Fel­sen in der Gestalt ei­nes En­gels ver­dankt. Heu­te ist das Ge­biet ein be­lieb­tes, gut ge­pfleg­tes Aus­flugs­ziel mit ei­nem wun­der­ba­ren (wenn auch an­stren­gen­den), an His­to­rie und Na­tur­schutz an­knüp­fen­den Wan­der­pfad. Was ist ge­sche­hen? 2009 war es, als ei­ni­ge Büh­ler­tä­ler rund um den Sohn von Ru­di Kar­cher - Andre­as - be­schlos­sen, den En­gels­berg vor dem kul­tu­rel­len Ver­fall zu be­wah­ren, sei­ne na­tur­schutz­fach­li­chen Wer­te zu er­hal­ten und zu­gleich das Orts­bild auf­zu­wer­ten. Un­ter Andre­as Kar­chers Vor­sitz wur­de der „För­der­ver­ein En­gels­berg“ins Le­ben ge­ru­fen, der schnell auf et­wa 70 Mit­glie­der an­wuchs. Seit­her er­griff der Ver­ein, weit­ge­hend auf eh­ren­amt­li­cher Ba­sis, Maß­nah­men, um die Kul­tur­land­schaft der ex­trem stei­len Wein­an­bau­flä­che wie­der­her­zu­stel­len. Da­zu zähl­ten die Sa­nie­rung von Tro­cken­mau­ern und die Be­sei­ti­gung von Bü­schen eben­so wie die Ein­rich­tung ei­nes Wan­der­wegs, des En­gel­steigs, kon­zi­piert als DreiThe­men-Wan­der­weg „Wein – Gra­nit – Holz“. Im Früh­jahr 2014 wur­de er er­öff­net. „Un­ter­stützt wur­den wir bei der Um­set­zung des Pro­jekts von der Ge­mein­de, dem Na­tur­park Schwarz­wald Mit­te/Nord und dem Land­rats­amt“, so Kar­cher. In­zwi­schen sei der Weg über ei­nen Klet­ter­steig er­wei­tert wor­den, der bis zu ei­ner Aus­sichts­platt­form füh­re. „Der Berg be­sitzt auf­grund sei­ner Bio­topund Struk­tur­viel­falt mit Tro­cken­mau­ern, Bö­schun­gen, Ter­ras­sen, Steil­la­gen-Par­zel­len so­wie un­be­fes­tig­ten We­gen und Fel­sen ei­nen sehr ho­hen land­schaft­li­chen und so­mit auch tou­ris­ti­schen Reiz“, be­tont er. Auf die­sen hat sich der Ver­ein fo­kus­siert: Vor al­lem ei­ne Rent­ner­grup­pe, die auch re­gel­mä­ßi­ge Ar­beits­ein­sät­ze über­nimmt, bie­tet hier Füh­run­gen an; er­läu­tert wer­den be­sag­te drei The­men­schwer­punk­te, aber auch Be­son­der­hei­ten des Bergs wie die his­to­ri­schen Ein­zel­stock­re­ben oder das so­ge­nann­te „Re­be lie­chen“. „Es kom­men auch vie­le Schul­klas­sen. Das ist ei­ne Art Hei­mat­kun­de-Un­ter­richt, der für den Berg und sei­ne Ge­ge­ben­hei­ten sen­si­bi­li­siert und ins Be­wusst­sein rückt, wie an­stren­gend die Be­wirt­schaf­tung frü­her war.“Auch der Na­bu oder der Na­tur­park (seit Jah­res­be­ginn be­fin­det sich die Na­tur­park- Ge­schäfts­stel­le qua­si ge­gen­über vom Berg) wid­men sich dem Berg mit ei­ge­nen Füh­run­gen, bei de­nen et­wa Flo­ra und Fau­na im Vor­der­grund ste­hen. Wer den En­gels­berg al­lein „er­wan­dern“möch­te und Hin­ter­grund­wis­sen sucht, fin­det das auf Info-Ta­feln am We­ges­rand. Gro­ßer Be­liebt­heit er­freut sich üb­ri­gens die En­gels­hüt­te an der Grün­win­kel­stra­ße: Von hier reicht der Blick bis weit in die Rhein­ebe­ne. Der Ort kann auch für Ve­sper­pau­sen, Wein­pro­ben und nächt­li­che La­ter­nen­wan­de­run­gen ge­bucht wer­den. Der Ver­ein bie­tet zu­dem die Op­ti­on, Reb­stock-Pa­ten­schaf­ten zu er­wer­ben: Da­für er­hält der Pa­te am Berg ei­ne Holz­ta­fel mit sei­nem Na­men. Die dau­er­haf­te Pfle­ge des Bergs sei enorm wich­tig, da­mit er frei zu­gäng­lich blei­ben kön­ne, re­sü­miert Ru­di Kar­cher: Nur wer dort, in­mit­ten der Na­tur, mit al­len Sin­nen die Be­son­der­hei­ten und die Steil­heit des Bergs wahr­neh­me, wer­de sich von dem „Ju­wel“be­geis­tern las­sen. Er zi­tiert ei­nen Satz von Al­fons Duff­ner im Hei­mat­buch der Ge­mein­de Büh­ler­tal: „Man kann nur lie­ben, was man kennt.“

„Po­ten­zi­al für Spit­zen­wei­ne“

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