Die be­rühm­tes­te Zi­gar­re der Welt

Als Zep­pe­line die Luft be­herrsch­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Ca­ros Opa ist Nicht­rau­cher, trotz­dem schwärmt er von den „Zi­gar­ren“sei­ner Kind­heit. Ge­meint sind Zep­pe­line! Die wuch­ti­gen Luft­schif­fe be­herrsch­ten bis vor rund 75 Jah­ren den Him­mel, als es noch kei­ne Pas­sa­gier­flug­zeu­ge gab. Ei­nes flog so­gar um die Welt, die „Graf Zep­pe­lin“, be­nannt nach dem Er­fin­der der Zep­pe­line, Fer­di­nand Graf von Zep­pe­lin. Er stamm­te – wie Ca­ros Opa – vom Bo­den­see. Das er­klärt, war­um es in Fried­richs­ha­fen das Zep­pe­lin-Mu­se­um gibt. Es do­ku­men­tiert die Ge­schich­te der Luft­schiff­fahrt. In Fried­richs­ha­fen star­te­ten die Luft­schif­fe am 2. Ju­li 1900 ih­ren Hö­hen­flug. Da­mals stieg der ers­te Zep­pe­lin über dem Bo­den­see auf – vor den Au­gen Tau­sen­der Zu­schau­er. Der Flug dau­er­te nur 18 Mi­nu­ten und war trotz­dem ei­ne Sen­sa­ti­on. Fer­di­nand Graf von Zep­pe­lin, zu die­sem Zeit­punkt 71 Jah­re alt, hat­te sich schon als klei­ner Jun­ge für Luft­fahrt be­geis­tert. Seit der Be­ob­ach­tung ei­nes Heiß­luft­bal­lons mach­te er sich Ge­dan­ken dar­über, wie man ein sol­ches schwe­ben­des „Fahr­zeug“steu­ern muss­te, da­mit es von der Wind­rich­tung un­ab­hän­gig vor­an­kam. Sei­ne Idee war ein mo­tor­be­trie­be­nes Pro­pel­ler­luft­schiff in Form ei­ner Zi­gar­re. Von Zep­pe­lins Ent­wurf bis zum Bau des ers­ten, so ge­nann­ten Starr­luft­schiffs, ver­gin­gen fast 20 Jah­re! Der gel­be Ur-Zep­pe­lin hieß LZ1: Luft­schiff Zep­pe­lin 1. Sein 128 Me­ter lan­ger Kör­per wur­de mit Was­ser­stoff ge­füllt, ei­nem Gas, das leich­ter ist als Luft. Da­durch konn­te das Luft­schiff schwe­ben. Das Gas, auch das hat­te der cle­ve­re Fer­di­nand be­dacht, ließ er nicht un­ge­hin­dert ins In­ne­re des Luft­schiffs strö­men, son­dern kon­stru­ier­te mit sei­nen In­ge­nieu­ren spe­zi­el­le, von­ein­an­der ab­ge­trenn­te Kam­mern: die Trag­gas­zel­len. Sie mach­ten das Luft­schiff ei­ner Rei­he hin­ter­ein­an­der ge­bun­de­ner Bal­lons ver­gleich­bar. Ih­re Hül­le war so dicht, dass das Gas nicht ent­wei­chen konn­te. Das war nö­tig, denn Was­ser­stoff re­agiert mit Sau­er­stoff – der uns um­ge­ben­den Luft – und fängt die­ses Ge­misch Feu­er, gibt es ei­ne Ex­plo­si­on! He­li­um, eben­falls ein Gas das leich­ter als Luft ist, war un­ge­fähr­lich, ent­wich aber leich­ter durch die Zep­pe­l­in­hül­le. Da­durch ver­lor das Luft­schiff an Auf­trieb, wie bei ei­nem He­li­um-Luft­bal­lon, der lang­sam ab­sinkt, wenn er das Gas ver­liert. Zwi­schen 1900 und 1938 wur­den 130 Zep­pe­line ge­baut. Zu den be­kann­tes­ten ehör­te die „Graf Zep­pe­lin“, be­nannt nach dem Luft­schiff-Er­fin­der. Sie war 236,6 Me­ter lang. Zum Ver­gleich: Die Rhein­brü­cke, die von Kehl nach Straß­burg führt, misst 238,4 Me­ter. Am 11. Ok­to­ber 1928 ge­lang der „Graf Zep­pe­lin“der ers­te Trans­at­lan­ti­kFlug. Sie flog oh­ne Zwi­schen­lan­dung von Fried­richs­ha­fen nach New York in den USA. Fünf Ta­ge lang war das Luft­schiff un­ter­wegs. Ein Jahr spä­ter flog es in 35 Ta­gen ein­mal um die Welt. Der Zep­pe­lin „Hin­den­burg“war mit 245 Me­tern Län­ge der größ­te, der je ge­baut wur­de. Wie die „Graf Zep­pe­lin“kam er auf der Flug­rou­te Deutsch­land-Ame­ri­ka zum Ein­satz. 63-mal über­quer­te die „Hin­den­burg“den At­lan­tik und schaff­te ei­ne Spit­zen­rei­se­zeit von 47 St­un­den. Ihr letz­ter Flug en­de­te am 6. Mai 1937 in ei­ner Ka­ta­stro­phe, kurz vor der Lan­dung in New York ging sie in Flam­men auf. 34 Pas­sa­gie­re und Be­sat­zungs­mit­glie­der star­ben, das war fast die Hälf­te der 72 Men­schen an Bord. Mit dem Un­fall en­de­te das Zeit­al­ter der Luft­schif­fe, 20 Jah­re nach dem Tod ih­res Er­fin­ders, Fer­di­nand Graf von Zep­pe­lin.

Von der Kom­man­do­gon­del aus steu­er­te der Ka­pi­tän den Zep­pe­lin. Die Zep­pe­line er­reich­ten in den 1930er Jah­ren ei­ne Rei­se­flug­hö­he von 300 bis 500 Me­tern.

Im In­nern des Luft­schiffs gab es Kam­mern, die mit Was­ser­stoff ge­füllt wur­den. Das Gas war leich­ter als Luft und brach­te den Zep­pe­lin zum Schwe­ben.

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