Rei­se­pass: Manch­mal sind zwei bes­ser

Län­der­stem­pel kön­nen Grund für gro­ßen Är­ger ge­ben – und Äm­ter ver­lan­gen gu­te Grün­de

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Beim Blät­tern durch den Rei­se­pass wer­den Er­in­ne­run­gen wach: Die­ser Stem­pel ruft die wun­der­vol­le Rei­se in den Iran ins Ge­dächt­nis, bei je­nem fällt ei­nem so­fort der Son­nen­un­ter­gang über Je­ru­sa­lems Tem­pel­berg ein. Sol­che Stem­pel kön­nen aber auch Grund für gro­ßen Är­ger sein: dann näm­lich, wenn die Gren­zer im nächs­ten Rei­se­land die Ein­rei­se ver­wei­gern. Es gibt Tricks, um das zu ver­hin­dern. Ei­gent­lich ha­ben die Deut­schen es gut: Laut „Vi­sa Re­stric­tions In­dex“las­sen sich mit dem deut­schen Rei­se­pass 177 Län­der vi­sa­frei be­rei­sen, so vie­le wie mit kei­nem an­de­ren Rei­se­aus­weis der Welt. Ei­nen Stem­pel als „Sou­ve­nir“hin­ter­las­sen trotz­dem zahl­rei­che Län­der. Und das kann är­ger­lich wer­den. So ver­wei­gern zahl­rei­che ara­bi­sche Staa­ten die Ein­rei­se, wenn man schon ei­nen is­rae­li­schen Stem­pel im Pass hat. Be­son­ders streng sind da­bei Iran, Ku­wait und Li­ba­non. Um­ge­kehrt ha­ben die USA ih­re Ein­rei­se­vor­schrif­ten für Be­su­cher ver­schärft, die zu­vor in ei­nem ara­bi­schen Land wa­ren. Wer nach Mai 2011 im Irak oder Iran, in Je­men, Su­dan, Sy­ri­en, Li­ba­non oder So­ma­lia ge­we­sen ist, für den ist die nor­ma­le On­li­ne-Re­gis­trie­rung vor USA-Rei­sen nicht mehr aus­rei­chend – er be­nö­tigt ein „rich­ti­ges“Vi­sum. Nun wis­sen Viel­rei­sen­de, wie man sich mit klei­nen Tricks be­hilft: In Is­ra­el bit­ten sie den Gren­zer, sei­nen Ein­rei­ses­tem­pel nur auf ein ein­ge­leg­tes Blatt Pa­pier zu set­zen und nicht in den Pass selbst. Und die US-Bot­schaft er­teilt für Rei­sen­de, die glaub­haft ma­chen, dass sie ge­schäft­lich in Iran oder Irak wa­ren, ge­le­gent­lich Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen. Es gibt aber noch ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit, Grenz­är­ger zu ver­mei­den: ei­nen zwei­ten Pass. So ein zu­sätz­li­ches Aus­weis­pa­pier wird zwar of­fi­zi­ell nur in Aus­nah­me­fäl­len be­wil­ligt. Doch bei den Pas­säm­tern ver­geht kaum ein Tag oh­ne ei­nen sol­chen An­trag. Nur um da­mit vor Freun­den an­ge­ben zu kön­nen, wird der Dop­pel-Pass al­ler­dings nicht aus­ge­stellt. Oh­ne aus­führ­li­che schrift­li­che Be­grün­dung geht nichts. Da das Aus­stel­len von Rei­se­do­ku­men­ten in Deutsch­land Sa­che der Kom­mu­nen ist, liegt es im Er­mes­sen des zu­stän­di­gen Be­am­ten, ob er der Be­grün­dung glaubt oder nicht. Zwei Grün­de wer­den ge­wöhn­lich ak­zep­tiert. Ent­we­der man hat im ers­ten Pass be­reits ei­ni­ge „fal­sche“Stem­pel. Oder man reist so viel, dass ein Pass nicht aus­reicht, um recht­zei­tig al­le nö­ti­gen Vi­sa zu er­hal­ten. So sind et­wa für ein per Post be­an­trag­tes Chi­na-Vi­sum zwei Wo­chen, für In­di­en drei Wo­chen Be­ar­bei­tungs­zeit an­zu­set­zen. Auch bei den Bot­schaf­ten von Sau­di-Ara­bi­en und den Nach­fol­ge­län­dern der So­wjet­uni­on wer­den Päs­se oft für Wo­chen ein­be­hal­ten. Ein zwei­ter Rei­se­pass un­ter­schei­det sich nicht vom ers­ten und kos­tet eben­falls 59 Eu­ro. Al­ler­dings ist sei­ne Gül­tig­keit auf fünf Jah­re be­grenzt. Of­fi­zi­ell müss­te das müh­sam er­kämpf­te Do­ku­ment auch wie­der zu­rück­ge­ge­ben wer­den, so­bald der Grund für den Dop­pel­pass nicht mehr be­steht. Aber das gilt eher theo­re­tisch, denn die Pas­säm­ter ha­ben gar kei­ne Ka­pa­zi­tä­ten, um der Sa­che nach­zu­ge­hen.

Be­gehr­ter Zweit­pass: Weil Län­der­stem­pel für gro­ßen Är­ger sor­gen kön­nen – bei­spiels­wei­se bei der Ein­rei­se in die USA oder in ara­bi­sche Län­der –, las­sen sich im­mer mehr Bun­des­bür­ger ei­nen Zweit­pass aus­stel­len. Fo­to: eye­tro­nic-fo­to­lia.de

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