Ker­ber schei­tert

Se­re­na Wil­li­ams be­haup­tet sich im Wim­ble­don-Fi­na­le mit 7:5 und 6:3

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Ul­ri­ke Wein­rich und Cai-Simon Preu­ten

An­ge­li­que Ker­ber hat den Wim­ble­donTi­tel ver­passt. Sie ver­lor ges­tern das End­spiel ge­gen die Welt­rang­lis­ten-Ers­te Se­re­na Wil­li­ams aus den USA mit 5:7, 3:6. Nach 1:21 St­un­den Spiel­zeit ver­wan­del­te Wil­li­ams auf dem Cent­re Court in Lon­don ih­ren ers­ten Match­ball. Ker­ber hat­te En­de Ja­nu­ar sen­sa­tio­nell die Aus­tra­li­an Open ge­won­nen. Ker­ber er­hält für den Fi­nal-Ein­zug in Wim­ble­don ein Preis­geld von gut 1,15 Mil­lio­nen Eu­ro. Se­re­na Wil­li­ams ge­wann da­mit wie im Vor­jahr das be­deu­tends­te Ten­nis­tur­nier welt­weit und stell­te ei­nen Re­kord von St­ef­fi Graf ein. Wie Graf hat die 34 Jah­re al­te Ame­ri­ka­ne­rin nun 22 Grand-Slam-Ti­tel ge­holt.

Als An­ge­li­que Ker­ber un­ter dem Ju­bel der Fans auf dem hei­li­gen Ra­sen den Trost­preis ent­ge­gen­nahm, hielt Mut­ter Bea­te den Mo­ment stolz mit dem Smart­pho­ne fest. Die Ent­täu­schung nach dem 5:7, 3:6 in ei­nem hoch­klas­si­gen Wim­ble­don-Fi­na­le ge­gen die gro­ße Se­re­na Wil­li­ams war bei Ker­ber schnell ver­flo­gen. „Ich hat­te die tolls­ten zwei Wo­chen hier. Es ist im­mer ei­ne Eh­re, ge­gen Se­re­na zu spie­len“, sag­te Ker­ber – dann schos­sen ihr 161 Ta­ge nach ih­rem Aus­tra­li­anOpen-Coup Trä­nen in die Au­gen. Das schöns­te Kom­pli­ment kam nach dem be­mer­kens­wer­ten 81-mi­nü­ti­gen Schlag­ab­tausch aber von der frisch ge­ba­cke­nen sie­ben­ma­li­gen Wim­ble­don­sie­ge­rin Wil­li­ams, die mit ih­rem 22. Grand-Slam-Coup die Best­mar­ke von St­ef­fi Graf ega­li­sier­te. „Ich lie­be es, ge­gen An­gie zu spie­len. Sie holt im­mer das bes­te aus mir her­aus und ist auch ab­seits des Courts ei­ne wun­der­vol­le Per­son“, sag­te Wil­li­ams und blick­te er­leich­tert auf die Ve­nus- die ihr der Du­ke of Kent zu­vor über­reicht hat­te. Trotz ei­ner star­ken Leis­tung konn­te Ker­ber beim be­deu­tends­ten Tur­nier (noch) nicht in die Fuß­stap­fen von Graf tre­ten. Die Iko­ne hat­te 1996 als letz­ter deutscher Pro­fi im All En­g­land Ten­nis Club tri­um­phiert. Die top­ge­setz­te Wil­li­ams ver­wan­del­te auf dem ge­schichts­träch­ti­gen Cent­re Court ih­ren ers­ten Match­ball ge­gen Ker­ber und ließ sich dann rück­lings fal­len. Da­mit nahm die Num­mer eins er­folg­reich Re­van­che für das ver­lo­re­ne Mel­bourne-End­spiel En­de Ja­nu­ar. Für ih­ren Er­folg kas­sier­te Wil­li­ams ein Preis­geld von 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro. Ker­ber (28) in­des blieb gut fünf Mo­na­te nach ih­rer Stern­stun­de Down Un­der ein wei­te­res High­light auf der ganz gro­ßen Büh­ne ver­wehrt. Die Fed-Cup-Spie­le­rin, die in der Welt­rang­lis­te vom vier­ten wie­der auf den zwei­ten Platz vor­rückt, kann sich mit et­wa 1,15 Mil­lio­nen Eu­ro trös­ten. Vor 14 979 Zu­schau­ern – dar­un­ter auch Ker­bers ei­gens aus Po­len an­ge­reis­te Oma Ma­ria – muss­te die Links­hän­de­rin gleich in ih­rem ers­ten Auf­schlag­spiel drei Break­chan­cen von Wil­li­ams ab­weh­ren. Doch in ei­ner Par­tie auf höchs­tem Ni­veau tat Ker­ber dies im Sti­le ei­nes Cham­pi­ons. Über­haupt agier­te die Links­hän­de­rin mu­tig und ließ sich im­mer wie­der auf in­ten­si­ve Grund­li­ni­en­du­el­le mit der Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin ein. Nicht sel­ten mit dem bes­se­ren En­de für die Mel­bourne-Sie­ge­rin, die auf ihr Win­kel­spiel setz­te, wäh­rend WilRo­se­wa­ter-Tro­phäe, li­ams im­mer wie­der den Weg ans Netz such­te. Die Welt­rang­lis­ten­ers­te war bei ih­rem ei­ge­nen Ser­vice sta­bil. Bei ei­ner 6:5-Füh­rung nutz­te Wil­li­ams ih­ren zwei­ten Satz­ball. Ihr ge­lan­gen im ers­ten Durch­gang 24 di­rek­te Ge­winn­schlä­ge (Ker­ber 6). Doch auch da­nach blieb die von den Zu­schau­ern an­ge­feu­er­te Ker­ber dran und ver­lang­te Wil­li­ams al­les ab. Bes­ter Be­weis: Die Ame­ri­ka­ne­rin be­glei­te­te fast je­den ih­rer Ham­mer­schlä­ge mit ei­nem Ur­schrei. In der Roy­al Box ap­plau­dier­ten di­ver­se Ade­li­ge im­mer wie­der be­geis­tert. Ker­bers ers­te und ein­zi­ge Break­chan­ce beim Stand von 3:3 im zwei­ten Satz wehr­te Wil­li­ams mit ih­rem zwölf­ten Ass ab. Das ent­schei­den­de Break ge­lang ihr dann zum 5:3. Die Mas­sen al­ler­dings hat­te das Fi­na­le im Vor­feld nicht ge­ra­de elek­tri­siert. Die alt­ehr­wür­di­ge Ti­mes hat­te dem Du­ell zwi­schen der Deut­schen und Wil­li­ams ges­tern nur ei­ne ein­zi­ge Sei­te ein­ge­räumt.

Fo­to: AFP

Kla­re Ver­hält­nis­se: Se­re­na Wil­li­ams (links) hat­te nur im ers­ten Satz Pro­ble­me mit An­ge­li­que Ker­ber – im zwei­ten Durch­gang mach­te sie dann ih­ren sieb­ten Tri­umph auf dem „hei­li­gen Ra­sen“per­fekt und zog da­mit mit der bis­he­ri­gen Re­kord­hal­te­rin St­ef­fi Graf gleich. Ker­ber bleibt aber als „klei­ner“Trost für die Nie­der­la­ge noch ein Scheck über rund 1,15 Mil­lio­nen Eu­ro.

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