EM-Fi­na­le: Pe­pe wie­der fit

Vor EM-Fi­na­le An­toi­ne Griez­mann und Cris­tia­no Ro­nal­do im Fo­kus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Alex­an­der Sar­ter

Por­tu­gal kann im heu­ti­gen EM-Fi­na­le (21 Uhr/ARD) im Sta­de de Fran­ce ge­gen Gast­geber Frank­reich auf Ab­wehr­chef Pe­pe zu­rück­grei­fen. Das Halb­fi­na­le ge­gen Wa­les (2:0) hat­te Pe­pe ver­passt. „Das End­spiel ist das wich­tigs­te Spiel mei­ner Kar­rie­re“, sag­te der 33-Jäh­ri­ge: „Wir wol­len un­se­re Na­men in die Ge­schichts­bü­cher schrei­ben.“

Na­tio­nal­held ge­gen Su­per­star, Deutsch­land-Schreck ge­gen „Dra­chen­tö­ter“, „Gri­zou“ge­gen CR7. Das fi­na­le Du­ell zwi­schen An­toi­ne Griez­mann und Cris­tia­no Ro­nal­do elek­tri­siert ganz Eu­ro­pa – so­gar die Prot­ago­nis­ten selbst. „Ich zäh­le schon die St­un­den“, ließ Ro­nal­do kurz vor dem heu­ti­gen Fi­na­le der Fuß­bal­lEM zwi­schen Gast­geber Frank­reich und Por­tu­gal im Sta­de de Fran­ce (21 Uhr/ARD) via Twit­ter wis­sen. Auch er wuss­te na­tür­lich ganz ge­nau: Es geht um Ro­nal­do ge­gen Griez­mann – al­le an­de­ren The­men sind nur noch Ran­das­pek­te. So mach­ten sich die TV-Sen­der nicht ein­mal mehr die Mü­he, auf wei­te­re Spie­ler, die Trai­ner oder die sport­li­che Aus­gangs­la­ge ein­zu­ge­hen. Für das End­spiel wird al­le fünf Mi­nu­ten mit ei­nem Spot ge­wor­ben, der aus­schließ­lich die bes­ten EM-Sze­nen von Griez­mann und Ro­nal­do zeigt. Rund 300 Mil­lio­nen Fern­seh­Zu­schau­er er­war­tet die Eu­ro­päi­sche Fuß­bal­lU­ni­on (Ue­fa) welt­weit – das Auf­ein­an­der­tref­fen der EU­RO-Stars ist für die Quo­te si­cher nicht ab­träg­lich. Auch die Zei­tun­gen re­du­zie­ren das Fi­na­le weit­ge­hend auf das ul­ti­ma­ti­ve Du­ell. „Es herrscht Waf­fen­gleich­heit“, schrieb die L ’Equi­pe ges­tern über ihr ganz­sei­ti­ges Ti­tel­bild, auf dem na­tür­lich nur Griez­mann und Ro­nal­do zu se­hen sind. Schließ­lich ga­ran­tie­ren die bei­den die bes­ten Ge­schich­ten – nicht nur, weil Griez­manns Fa­mi­lie aus­ge­rech­net por­tu­gie­si­sche Wur­zeln hat. Der ei­ne (Griez­mann) spielt für At­le­ti­co Ma­drid, der an­de­re (Ro­nal­do) für den Stadt­ri­va­len Re­al. Bei­de stan­den sich be­reits En­de Mai im Fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen­über – und Griez­mann hat auf­grund der Nie­der­la­ge samt ver­schos­se­nem Straf­stoß et­was gut­zu­ma­chen. Doch für Griez­mann, der Welt­meis­ter Deutsch­land mit sei­nen bei­den To­ren im Halb­fi­na­le (45.+2, Hand­elf­me­ter/ 72.) fast im Al­lein­gang aus dem Tur­nier ge­wor­fen hat, wä­re der Ti­tel­ge­winn viel mehr als nur ei­ne per­sön­li­che Ge­nug­tu­ung. Der An­grei­fer will den an­vi­sier­ten Tri­umph der gan­zen Na­ti­on wid­men. „Es war un­se­re Pflicht, den Fran­zo­sen bei die­ser EM Freu­de zu be­rei­ten, um sie von den Ge­dan­ken an den Ter­ror ab­zu­len­ken“, sag­te der 25-Jäh­ri­ge, der mit sechs Tref­fern schon so gut wie si­cher als Tor­schüt­zen­kö­nig fest­steht: „Ich hof­fe, wir kön­nen die­ses Fi­na­le für al­le Fran­zo­sen ge­win­nen.“Es wä­re nach 1984 (EM) und 1998 (WM) der drit­te fran­zö­si­sche Ti­tel­ge­winn bei der drit­ten End­run­de im ei­ge­nen Land. Die Me­di­en fle­hen den ins­ge­samt vier­ten Tri­umph der Blau­en, die auch bei der EM 2000 er­folg­reich wa­ren, ge­ra­de­zu her­bei. „Der Fuß­ball macht uns ganz ver­rückt“, ti­tel­te das Bou­le­vard­blatt Le Pa­ri­si­en. Ka­pi­tän Hu­go Llo­ris schür­te die Hoff­nun­gen. „Wir sind be­reit für die nächs­te Schlacht. Wir ha­ben das gro­ße

Heu­te, 21 Uhr, ARD: Frank­reich – Por­tu­gal

Ver­lan­gen nach dem Ti­tel“, sag­te der Kee­per ges­tern. Und Trai­ner Di­dier De­schamps, der Griez­mann na­tür­lich auch noch ein­mal lob­te („Er bringt das gan­ze Team vor­an“), ver­riet so­gar sein Er­folgs­re­zept. Sei­ne Spie­ler sol­len „so ent­spannt wie mög­lich und so kon­zen­triert wie nö­tig“in das Fi­na­le ge­se­hen. Auch wenn laut De­schamps noch nie­mand auf der Welt den ul­ti­ma­ti­ven „An­tiRo­nal­do-Plan“ent­wi­ckelt hat. Im Ge­gen­satz zu Frank­reich steht bei den Por­tu­gie­sen, die wahr­schein­lich auf ih­ren an­ge­schla­ge­nen Ab­wehr­chef Pe­pe zu­rück­grei­fen kön­nen, noch kein Tri­umph zu­bu­che. Das ver­lo­re­ne EM-Fi­na­le von 2004 im ei­ge­nen Land ge­gen Grie­chen­land (0:1) schmerzt noch ge­nau­so wie die Nie­der­la­ge mit dem­sel­ben Er­geb­nis im WM-Halb­fi­na­le 2006 ge­gen den heu­ti­gen Geg­ner. Doch Ro­nal­do, der die Ro­ten Dra­chen aus Wa­les mit ei­nem Tor und ei­ner Vor­la­ge im Halb­fi­na­le eli­mi­niert hat­te, will al­les dar­an set­zen, die­se Wun­den zu hei­len. „Es wür­de mir so viel be­deu­ten, end­lich et­was mit Por­tu­gal zu ge­win­nen“, sag­te der drei­ma­li­ge Welt­fuß­bal­ler, der sei­ne glanz­vol­le Kar­rie­re krö­nen möch­te: „Ich ha­be an­sons­ten al­les ge­won­nen. Ganz Por­tu­gal glaubt dar­an. Und ich glau­be auch dar­an, dass Por­tu­gal zum ers­ten Mal ei­nen wich­ti­gen Ti­tel ge­winnt.“

Fo­to: avs

Der strah­len­de Held der Por­tu­gie­sen: Auf Cris­tia­no Ro­nal­do ru­hen vie­le Hoff­nun­gen. Er soll heu­te den ent­schei­den­den Bei­trag da­zu leis­ten, dass die por­tu­gie­si­sche Na­tio­nal­elf end­lich ei­nen Ti­tel ge­winnt.

Zwei Trümp­fe der Equi­pe tri­co­lo­re: Tor­jä­ger An­toi­ne Griez­mann (rechts) und An­dré-Pier­re Gignac. Griez­mann hat bei die­ser EM be­reits sechs Tref­fer er­zielt. Fo­to: AFP

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