Ei­ne gu­te Sa­che: Das Dorf der Kin­der­rech­te

... den­noch müs­sen sich Leh­rer und El­tern nicht al­les von ih­nen ge­fal­len las­sen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tan­ja Ka­sisch­ke

Zwei Mil­li­ar­den Men­schen auf der Welt sind Kin­der, das heißt, sie sind jün­ger als 18 Jah­re. Für sie gilt die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen. So heißt ein Ver­trag, in dem seit 1989 die wich­tigs­ten Rech­te für Kin­der fest­ge­schrie­ben sind. Dar­auf ha­ben sich die Mit­glieds­staa­ten der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­ei­nigt. Fast al­le Län­der der Welt ma­chen mit. An­ders als die Er­klä­rung der Men­schen­rech­te, von der die meis­ten schon ein­mal ge­hört ha­ben, ist die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on we­ni­ger be­kannt. Dem ös­ter­rei­chi­schen Fo­to­gra­fen Lu­kas Hül­ler fiel das auf, des­halb be­schloss er, Kin­der­rech­te be­kann­ter zu ma­chen. Lu­kas Hül­ler ist gut dar­in, Wim­mel­bil­der zu fo­to­gra­fie­ren, in de­nen ganz vie­le Kin­der vor­kom­men. Mit 500 Schü­lern aus der Nä­he von Inns­bruck in Ös­ter­reich bau­te und fo­to­gra­fier­te der 47-Jäh­ri­ge ein Dorf der Kin­der­rech­te. Zehn Häu­ser kenn­zeich­ne­ten die wich­tigs­ten Kin­der­rech­te. Ins­ge­samt hat die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen 54 Ar­ti­kel! Da­zu zählt, dass Kin­der das Recht ha­ben, ge­walt­frei er­zo­gen zu wer­den. Das gilt so­wohl zu Hau­se als auch in der Schu­le. Leh­rer und El­tern müs­sen sich trotz­dem nicht al­les von ih­ren Schü­lern, Söh­nen und Töch­tern ge­fal­len las­sen. Wer frech ist, Mist baut oder an­de­re mobbt, ver­stößt schließ­lich ge­gen die Re­geln ei­ner Ge­mein­schaft. Das ist un­fair! Auf­ga­be der Er­wach­se­nen ist es, ein Pro­blem nicht durch Ge­walt zu lö­sen, son­dern an­ders. Um ge­sund auf­zu­wach­sen, be­nö­ti­gen Kin­der zu­dem Zeit zum Spie­len. Kin­der­ar­beit ist ver­bo­ten. Da­zu zählt al­ler­dings nicht, dass man zu Hau­se nicht mal die Spül­ma­schi­ne aus­räumt, Wä­sche auf­hängt oder den Müll run­ter­bringt. Dass je­des Kind in die Schu­le ge­hen muss, re­gelt wie­der­um das Recht auf Bil­dung. Die Re­gie­rung un­ter­stützt Fa­mi­li­en da­bei, ih­re Kin­der zu ver­sor­gen, in­dem sie Schu­len und Ki­tas baut. Po­li­ti­ker sind in der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on auf­ge­for­dert, die Mei­nung von Kin­dern stär­ker zu be­rück­sich­ti­gen. In ih­ren Fa­mi­li­en be­stim­men Söh­ne und Töch­ter schließ­lich auch mit und ge­stal­ten den All­tag. Auch dies­mal gibt es Aus­nah­men: Dass ein Kind selbst ent­schei­det, wann es abends ins Bett geht, ge­hört nicht mehr zur Mit­be­stim­mung. Das le­gen die El­tern fest, weil sie da­für ver­ant­wort­lich sind, dass ih­re Kin­der am fol­gen­den Mor­gen wie­der fit sind für die Schu­le. Zu den El­tern­pflich­ten ge­hört dar­über hin­aus, dass Mut­ter und Va­ter ih­re Kin­der gut ver­sor­gen. Kin­der brau­chen Klei­dung, Es­sen und ein Zu­hau­se. Das be­deu­tet nicht un­be­dingt ein ei­ge­nes Zim­mer, aber ei­nen ei­ge­nen Be­reich in der Woh­nung, wo­hin sich das Kind zu­rück­zie­hen kann, wenn es für sich sein will, spielt oder Haus­auf­ga­ben macht. Kin­der ha­ben ein Recht auf Pri­vat­le­ben. Auch, dass El­tern oder Ge­schwis­ter ih­re E-Mails oder im Ta­ge­buch le­sen, geht nicht. Kin­der ha­ben das Recht, ih­re Mei­nung zu sa­gen. Des­halb dür­fen sie Me­di­en nut­zen, Fern­se­hen oder im In­ter­net sur­fen. Doch die El­tern ent­schei­den, wann Com­pu­ter oder Fern­se­her wie­der aus­ge­macht wer­den. Et­wa wenn Sen­dun­gen oder Sei­ten für Kin­der ge­fähr­lich sind, oder wenn ge­nug ge­zockt ist. Dar­um, dass Kin­der­rech­te welt­weit von mög­lichst al­len Men­schen be­folgt wer­den, küm­mert sich das Kin­der­hilfs­werk Unicef, das 2016 70 Jah­re alt wird. Sein Na­me ist ur­sprüng­lich die Ab­kür­zung für Uni­ted Na­ti­ons In­ter­na­tio­nal Child­rens’ Emer­gen­cy Fund. In­zwi­schen wur­de der Na­me ver­kürzt auf Uni­ted Na­ti­ons Child­rens’ Fund. Über­setzt heißt das: Kin­der­fonds der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Ge­meint ist Geld, das die Ver­ein­ten Na­tio­nen da­für ein­set­zen, Kin­dern in Not zu hel­fen. Unicef baut Schu­len, Ki­tas und Kran­ken­häu­ser in Afri­ka, Latein­ame­ri­ka oder Asi­en. Bei der Grün­dung der Or­ga­ni­sa­ti­on en­ga­gier­te sich Unicef stär­ker für Kin­der in Eu­ro­pa, die nach En­de des Zwei­ten Welt­kriegs hun­ger­ten, kein Zu­hau­se mehr hat­ten, kei­ne Schu­le, in die sie ge­hen konn­ten, oder die auf sich ge­stellt wa­ren, weil ein El­tern­teil oder bei­de El­tern im Krieg ge­stor­ben wa­ren. Mitt­ler­wei­le geht es Eu­ro­pas Kin­dern re­la­tiv gut, weil Frie­den herrscht. Auch das ist ein Kin­der­recht, das Recht auf Frie­den. Für vie­le Jun­gen und Mäd­chen auf an­de­ren Kon­ti­nen­ten sind Krieg oder Hun­ger aber noch im­mer trau­ri­ger All­tag. Zum Wei­ter­le­sen: Aus den Wim­mel­bild-Fo­tos des Ös­ter­rei­chers Lu­kas Hül­ler ist das Sachbuch „Kin­der, das sind eu­re Rech­te“ge­wor­den, er­schie­nen im Ga­b­ri­el-Ver­lag (96 Sei­ten ge­bun­den, 14,99 Eu­ro), ab 10 Jah­re. Es do­ku­men­tiert, wie Kin­der über ih­re Rech­te den­ken, und was sie ver­bes­sern wür­den, da­mit Kin­der­rech­te welt­weit ver­wirk­licht sind. Die Ant­wor­ten hat Au­to­rin An­ne-Ka­trin Scha­de aus­for­mu­liert.

Die­se drei Mäd­chen ha­ben sich je ein Kin­der­recht ins Ge­sicht ge­schminkt. Von links: Kin­der ha­ben das Recht auf Gleich­be­hand­lung, egal ob Jun­ge oder Mäd­chen, Kin­der ha­ben das Recht auf me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung, wenn sie mal krank sind, und das Recht auf ei­ne lie­be­vol­le, ge­walt­freie Er­zie­hung. Fo­tos (4): Lu­kas Hül­ler / Ga­b­ri­el-Ver­lag

Der ös­ter­rei­chi­sche Fo­to­graf Lu­kas Hül­ler hat mit Schü­lern aus Inns­bruck ein Dorf der Kin­der­rech­te ge­baut und die zehn wich­tigs­ten Kin­der­rech­te als klei­ne Häu­ser nach­ge­stellt. Ins­ge­samt hat die Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on, so heißt der welt­weit gel­ten­de Ver­trag der Ver­ein­ten Na­tio­nen über die Kin­der­rech­te, 54 Ar­ti­kel. Es gibt sie seit 1989.

Die­ser Jun­ge ge­stal­tet ein Haus für das Dorf der Kin­der­rech­te bei Inns­bruck in Ös­ter­reich. Im Hin­ter­grund steht schon das fer­ti­ge Dach.

Da­vid wünscht sich, dass auch ar­me Kin­der et­was Gu­tes zu es­sen be­kom­men.

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