In­klu­si­on in Rui­nen

An­ge­bo­te für Men­schen mit Han­di­cap im Hei­del­ber­ger Schloss

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Mt

Un­ebe­ne We­ge­pflas­ter, st­ei­ner­ne Tür­schwel­len, ver­win­kel­te Gän­ge und schma­le Pfor­ten: Was Rui­nen, Bur­gen und Schlös­ser für vie­le Be­su­cher erst rich­tig reiz­voll macht, wird für mo­bi­li­täts­ein­ge­schränk­te Men­schen oft zum K.o.-Kri­te­ri­um. Doch das The­ma „In­klu­si­on“macht vor den his­to­ri­schen Mo­nu­men­ten des Lan­des Ba­den-Würt­tem­berg nicht halt – und die Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten (SSG) ste­hen in der Pflicht, Be­hin­der­ten so weit als mög­lich die Teil­ha­be zu er­mög­li­chen. Da­bei stellt die be­rühm­tes­te Rui­ne des Lan­des – Schloss Hei­del­berg mit jähr­lich rund ei­ner Mil­li­on Be­su­chern – ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung dar. Das geht schon mit der La­ge auf Ter­ras­sen am stei­len Neckar­hang los. „In ei­nem his­to­ri­schen Mo­nu­ment das Ziel der Bar­rie­re­frei­heit an­zu­stre­ben, ist ab­so­lu­te De­tail­ar­beit“, sagt SSG-Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Hörr­mann. „Von der Stan­ge“ge­be es nichts – al­lein die Viel­zahl un­ter­schied­li­cher Bo­den­be­lä­ge zwingt zu in­di­vi­du­el­len Lö­sun­gen. Seit Kur­zem ist im Hei­del­ber­ger Schloss ei­ne trag­ba­re Ram­pe aus leich­tem Car­bon­chen Ma­te­ri­al im Ein­satz: Die Schloss­füh­rer kön­nen sie fle­xi­bel ein­set­zen, wenn Roll­stuhl­fah­rer in der Grup­pe sind. Stu­fen bis zu 25 Zen­ti­me­ter kön­nen da­mit über­wun­den wer­den. „Da­mit las­sen sich erst­mals Tei­le des nor­ma­len Füh­rungs­we­ges im Schloss auch für Roll­stuhl­fah­rer er­schlie­ßen“, er­läu­tert Micha­el Bös, der Lei­ter der Schloss­ver­wal­tung. Für Grup­pen, die hö­her ge­le­ge­ne Tei­le des Schlos­ses nicht er­rei­chen kön­nen, gibt es Fo­to­map­pen, die ei­nen Ein­druck von die­sen Tei­len des Mo­nu­men­tes ver­mit­teln. Auch zwei Roll­stüh­le ste­hen zur Ver­fü­gung. Als nächs­ten Schritt sol­len mo­bi­le Steh­hil­fen an­ge­schafft wer­den, die es vor al­lem äl­te­ren Men­schen leich­ter ma­chen, sich bei Füh­run­gen zwi­schen­durch mal aus­zu­ru­hen. Seit der Er­öff­nung des Be­su­cher­zen­trums des Hei­del­ber­ger Schlos­ses 2012 ste­hen dort roll­stuhl­ge­rech­te Toi­let­ten­an­la­gen zur Ver­fü­gung. Da es sich um ei­nen Neu­bau han­del­te, bot sich die Mög­lich­keit, al­le ak­tu­el­len Stan­dards um­zu­set­zen – „Die­se Mög­lich­keit gibt es in den his­to­ri­schen Schloss­mau­ern nicht über­all“, sagt Hörr­mann. Die Staat­li- Schlös­ser und Gär­ten set­zen da­her vor al­lem beim Füh­rungs­an­ge­bot an: Für Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät gibt es „Ea­sy-Go­ing-Tou­ren“, die wahl­wei­se in den Gar­ten füh­ren, ins Schloss oder als Kom­bi­na­ti­on an­ge­bo­ten wer­den. Be­reits seit län­ge­rem ge­hö­ren zu­dem Füh­run­gen für Seh­be­hin­der­te und Blin­de zum Pro­gramm. Re­la­tiv neu sind in Hei­del­berg Füh­run­gen in leich­ter Spra­che. Sie wen­den sich an Schloss­gäs­te, die kom­pli­zier­ten Sät­zen nicht gut fol­gen kön­nen. „Das kön­nen so­wohl Men­schen mit ei­ner Be­hin­de­rung sein als auch Be­su­cher, die nur ge­rin­ge Deutsch­kennt­nis­se ha­ben“, er­läu­tert Eli­sa­beth Krö­ger vom Ser­vice­cen­ter im Schloss. Auch Tech­nik kommt zum Ein­satz. So ha­ben die SSG Hör­hil­fen an­ge­schafft – Emp­fän­ger, die auf die Fre­quenz von Hör­ge­rä­ten ein­ge­stellt sind und ver­stär­ken, was bei der Schloss­füh­rung er­zählt wird.

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