Die vie­len Ge­sich­ter des Er­leuch­te­ten

Gro­ße Bud­dha-Schau im Welt­kul­tur­er­be Völk­lin­ger Hüt­te / Der Da­lai La­ma ist Schirm­herr

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Freizeit & Ausflüge - Bir­git Rei­chert

Sie sind al­le Bud­dhas, und doch se­hen sie al­le an­ders aus: Sie sind braun, gol­den oder bunt. Sie sit­zen, lie­gen, ste­hen – oder leh­ren. Und sie sind mi­ni oder me­ter­groß. Rund 230 Ex­po­na­te bud­dhis­ti­scher Kunst aus vie­len Län­dern Asi­ens sind für ei­ne gro­ße Bud­dha-Aus­stel­lung im Welt­kul­tur­er­be Völk­lin­ger Hüt­te im Saar­land zu­sam­men­ge­tra­gen wor­den. „Es ist vom Um­fang her die größ­te Aus­stel­lung, die es zur bud­dhis­ti­schen Kunst je ge­ge­ben hat“, sagt der Ge­ne­ral­di­rek­tor des Welt­kul­tur­er­bes Völk­lin­ger Hüt­te, Mein­rad Ma­ria Gre­we­nig. „Die Ex­po­na­te stam­men aus Pri­vat­samm­lun­gen aus al­ler Welt“, er­zählt Gre­we­nig. In dem frü­he­ren Ei­sen­werk sind die Bud­dhas und Bodhi­satt­vas zwi­schen gi­gan­ti­schen Ge­blä­se­ma­schi­nen ih­re Vi­tri­nen zu se­hen. Zu­sam­men ge­ben sie ei­nen Über­blick über bud­dhis­ti­sche Kunst aus rund 2000 Jah­ren: vom ers­ten Jahr­hun­dert vor Chris­tus bis En­de des 18. Jahr­hun­derts. Die Aus­stel­lung auf rund 6 000 Qua­drat­me­tern ma­che „ei­ne Be­geg­nung mit der Kul­tur und der Welt­sicht des Bud­dhis­mus“mög­lich, sagt Gre­we­nig. Auch Me­di­ta­ti­on steht im Fo­kus: In ei­nem bud­dhis­ti­schen Me­di­ta­ti­ons­raum, der ei­nem Tem­pel nach­ge­bil­det ist, ste­hen klei­ne Ge­bets­bänk­chen be­reit. „Die Kul­tur bud­dhis­ti­scher Me­dia­ti­on ist für vie­le von uns fremd“, sagt der Kunst­his­to­ri­ker. Schirm­herr der Aus­stel­lung, die bis zum 19. Fe­bru­ar 2017 läuft, ist das re­li­giö­se Ober­haupt der Ti­be­ter: der Da­lai La­ma. Da­her gibt es auch ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit dem Ti­bet­haus Deutsch­land in Frankfurt. Mis­sio­nie­ren wol­le hier aber kei­ner, be­tont Gre­we­nig. „Wir sind glück­lich, dass der Da­lai La­ma un­ser Schirm­herr ist, aber die Aus­stel­lung stellt die bud­dhis­ti­sche Kunst in Asi­en ins Zen­trum.“Im Sep­tem­ber kom­me der Da­lai La­ma nach Eu­ro­pa. Die Aus­stel­lung nimmt Be­su­cher auf ei­ne Rei­se von den ers­ten Bil­dern von Bud­dha bis zu sei­nem Bild­nis in der Neu­zeit. Zwar taucht das klas­si­sche Bild Bud­dhas mit sei­nen wei­chen Ge­sichts­zü­gen, me­di­ta­tiv halb ge­schlos­se­nen Au­gen und Lo­cken­fri­sur über die Jahr­hun­der­te im­mer wie­der auf – da­ne­ben steht aber ei­ne Viel­falt an an­de­ren Bild­nis­sen: Mit elf Köp­fen und acht Ar­men, auf ei­nem Lo­tus- oder Lö­wen­thron – aus Bron­ze, Berg­kris­tall, Gold oder auch Holz. Die Stü­cke stam­men un­ter an­de­rem aus In­di­en, Chi­na, Ja­pan, Kam­bo­dscha, Thai­land, Ne­pal und Ti­bet. Ein Bud­dha ist im Bud­dhis­mus ein „Er­wach­ter“oder „Er­leuch­te­ter“. Der his­to­ri­sche Bud­dha – al­so das Vor­bild der Bud­dhis­ten –war Sid­dhar­tha Gaut­ama, der vor rund 2500 Jah­ren in In­di­en leb­te. Der Bud­dhis­mus zählt welt­weit 350 Mil­lio­nen bis 500 Mil­lio­nen An­hän­ger. Bud­dhas wer­den meist in me­di­ta­ti­ver Hal­tung dar­ge­stellt. Die Fi­gu­ren er­in­nern an die in­ne­re Zen­trie­rung, aus der man Kraft, Weis­heit und Lie­be schöp­fen kann. „In der Aus­stel­lung sind groß­ar­ti­ge Ex­po­na­te“, be­stä­tigt der Lei­ter der Asi­en­Ab­tei­lung am Mu­se­um An­ge­wand­te Kunst in Frankfurt, Ste­phan Graf von der Schu­len­burg. Sie lie­fe­re „ei­ne sehr her­aus­ra­gen­de und qua­li­täts­vol­le Über­sicht über bud­dhis­ti­sche Kunst in Asi­en.“Ei­ne Aus­stel­lung „in die­ser Art und in die­sem Um­fang“ha­be es zu­vor nicht ge­ge­ben, meint auch er. Mit der Bud­dha-Aus­stel­lung wid­met sich die Welt­kul­tur­er­be­stät­te erst­mals Asi­en. Die Völk­lin­ger Hüt­te selbst ist das welt­weit ein­zig er­hal­te­ne Ei­sen­werk aus dem In­dus­trie­zeit­al­ter. Sie war 1986 nach rund 100 Jah­ren still­ge­legt und 1994 zum Welt­kul­tur­er­be er­klärt wor­den.

Bud­dha hat vie­le Ge­sich­ter. Im saar­län­di­schen Völk­lin­gen ist das Bild des „Er­wach­ten“gleich zig­fach zu se­hen. Pri­va­te Samm­ler aus al­ler Welt ha­ben da­für ih­re Schatz­kam­mern ge­öff­net. Fo­to: avs

Über die größ­te Aus­stel­lung, die es in Deutsch­land bis­lang zu bud­dhis­ti­schen Kunst gab, freut sich Mein­rad Ma­ria Gre­we­nig, der Ge­ne­ral­di­rek­tor des Welt­kul­tur­er­bes Völk­lin­ger Hüt­te. Fo­to: avs

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