Sport­kom­men­tar

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Frank­reich steht heu­te im Fi­na­le der Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft ge­gen Por­tu­gal – die Spie­ler der deut­schen Na­ti­onal­mann­schaft sind da­ge­gen al­le schon auf dem Weg in den Ur­laub. Das Aus im EMHalb­fi­na­le ge­gen die Elf des Gast­ge­bers – es war bit­ter. Und es war ei­gent­lich un­nö­tig. Die ins­ge­samt gu­te Leis­tung von Schwein­stei­ger und Co wur­de nicht be­lohnt. Und die Su­che nach dem Grund für die 0:2-Nie­der­la­ge könn­te man im Prin­zip auf ei­nen ein­zi­gen Na­men re­du­zie­ren: An­toi­ne Griez­mann. Der Links­fuß mach­te den gro­ßen Un­ter­schied zwi­schen do­mi­nan­ten Deut­schen und de­fen­si­ven Fran­zo­sen aus. Denn „Gri­zou“, wie man ihn in Frank­reich nennt, kom­pri­miert sein gan­zes Spiel auf ein ein­zi­ges Ziel: To­re schie­ßen. Griez­mann ist schlicht und er­grei­fend heiß auf das, was je­des Team braucht, um ein Spiel zu ge­win­nen. Zwar gibt es auch im deut­schen Team we­nigs­tens zwei Ak­teu­re, die mit der glei­chen Mo­ti­va­ti­on in je­de Par­tie ge­hen, doch der ei­ne (Ma­rio Go­mez) fiel ver­letzt im Halb­fi­na­le aus. Und der an­de­re (Tho­mas Mül­ler) lief ihm gan­zen Tur­nier ver­geb­lich ei­nem per­sön­li­chen Er­folgs­er­leb­nis hin­ter­her. Der Bay­ern-Star ver­krampf­te im­mer mehr und war Wel­ten von der Form ent­fernt, die ihn bei sei­nem Club so wert­voll und un­ent­behr­lich ma­chen. Der Rest des Teams schob sich Spiel für Spiel nur den Ball und da­mit auch die Ver­ant­wor­tung zu. Und es klingt fast schon wie Hohn, wenn ein TV-Re­por­ter kurz nach der Halb­fi­nal-Nie­der­la­ge ge­gen Frank­reich im In­ter­view aus­ge­rech­net To­ni Kroos zu ei­nem über­ra­gen­den Tur­nier gra­tu­liert. Denn das darf man durch­aus auch an­ders se­hen – weil Kroos zwei­fel­los ein deut­lich grö­ße­res Po­ten­zi­al hat, als er es bei der EM zeig­te. Auch Me­sut Özil muss sich die­sen Schuh an­zie­hen. Wie­der ein­mal er­war­te­ten die Fans der DFB-Elf den Durch­bruch des Spiel­ge­stal­ters – wie­der ein­mal ließ er den gro­ßen Hoff­nun­gen, die in ihn ge­setzt wur­den, kei­ne gro­ßen Ta­ten fol­gen. Özil, bei Ar­senal Lon­don si­cher ein her­aus­ra­gen­der Pro­fi, konn­te dem deut­schen Spiel sel­ten bis nie Im­pul­se ge­ben. Die „Ge­nia­li­tät“, die ihm ZDF-Mann Be­la Re­thy at­tes­tier­te, war de­fi­ni­tiv nicht zu se­hen. Was nutzt es da, wenn Neu­er, Hum­mels und Boateng bril­lier­ten, Go­mez Aus­ru­fe­zei­chen setz­te und Kim­mich und Hec­tor fast im­mer über­zeug­ten. Die EM soll­te zur gro­ßen Büh­ne von Kroos, Özil und Mül­ler wer­den – doch de­ren un­strit­ti­ge Welt­klas­se war nicht zu se­hen. Ein An­toi­ne Griez­mann fehl­te im deut­schen Team. Denn Ball­be­sitz und Do­mi­nanz sind eben ein­fach kein Er­satz für feh­len­de To­re.

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