Die Ma­ra­thon-Pre­mie­re gleich ver­gol­det

Cath­rin Dürr tri­um­phiert im Ca­na­di­er bei Eu­ro­pa­meis­ter­schaft / Ope­ra­ti­on ver­hin­dert Ti­tel­ver­tei­di­gung bei der DM

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Mar­ti­na Am­rein

Die vier­fa­che deut­sche Meis­te­rin im Ca­na­di­er-Ei­ner, Cath­rin Dürr, er­lebt in die­sem Jahr ih­re mit Ab­stand er­folg­reichs­te Sai­son und muss die­se aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nun frü­her als ge­plant be­en­den. Ei­ne er­neu­te Ti­tel­ver­tei­di­gung bei den na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fen ist da­mit na­tür­lich aus­ge­schlos­sen. In die Er­folgs­spur kam Dürr mit der Teil­nah­me am World­cup im por­tu­gie­si­schen Mon­temor-O-Veh­lo. Ein Ort, an dem die „Rhein­schwes­ter“ih­ren bis da­to größ­ten Er­folg fei­er­te, den Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter­ti­tel im C1 über 200 Me­ter in der U-23-Al­ters­klas­se. Nun, vier Jah­re spä­ter, soll­te sich ge­nau die­se Re­gat­ta-Stre­cke für die Di­plomBio­in­ge­nieu­rin am KIT er­neut als Glücks­fall er­wei­sen. Zu­sam­men mit Zwei­er­part­ne­rin Jo­han­na Hand­rick (Leipzig) si­cher­te sie sich mit ei­nem ful­mi­nan­ten End­spurt den Sieg beim World­cup vor den fa­vo­ri­sier­ten Po­lin­nen. Und dies trotz star­kem Wind und da­mit schwie­rigs­ten Be­din­gun­gen für ein Ca­na­di­erBoot, das oh­ne Steu­er ge­fah­ren wird.

Gu­te Per­spek­ti­ven für Olym­pia 2020 in To­kio

Nach die­sem World­cup-Tri­umph folg­te prompt die Bit­te der Ma­ra­thon-Ab­tei­lung des Deut­schen Ka­nu-Ver­bands an die 27-Jäh­ri­ge, bei der EM im spa­ni­schen Pon­te­ve­dra an­zu­tre­ten. Die in der Ka­nu-Sze­ne als ex­zel­len­te Aus­dau­er- und Kraft­spe­zia­lis­tin be­kann­te Dürr sag­te zu. In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Karls­ru­her Ca­na­di­er-Trai­ner Hen­na­dyi Vo­ro­bo­yov und ih­rem lang­jäh­ri­gen Heim­trai­ner Ralf St­raub ar­bei­te­te sie in­ten­siv dar­an, gut vor­be­rei­tet zu die­ser Wett­kampf­pre­mie­re zu rei­sen. Für Cath­rin Dürr war es das ers­te Mal, dass sie ei­ne 19 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke im Ca­na­di­er zu­rück­le­gen soll­te. Da­zu kam noch die Her­aus­for­de­rung, die im Ma­ra­thon be­rüch­tig­ten Lauf-Por­ta­gen zu ab­sol­vie­ren. Auf Dürr war­te­ten fünf gro­ße Run­den à 3,6 Ki­lo­me­ter, vier Lauf-Por­ta­gen und ei­ne ab­schlie­ßen­de klei­ne Run­de von ei­nem Ki­lo­me­ter. Be­reits nach der ers­ten Run­de hat­te sie sich ei­nen deut­li­chen Vor­sprung vor den Ver­fol­ge­rin­nen, an­ge­führt von der Fran­zö­sin Pau­li­ne Mar­tin und der Spa­nie­rin Raquel Ro­d­ri­guez ver­schafft, so dass sie den Aus­stieg, die 200 Me­ter Lauf­stre­cke und das Wie­der­ein­set­zen ins Was­ser et­was kon­trol­lier­ter an­ge­hen konn­te. „Nach den Por­ta­gen wei­ter­zu­pad­deln, das war im­mer rich­tig krass“, gab die Karls­ru­he­rin of­fen zu. Am En­de sieg­te die Aus­dau­er­spe­zia­lis­tin über­le­gen mit sechs Mi­nu­ten Vor­sprung vor der ab­ge­schla­ge­nen Kon­kur­renz und si­cher­te sich da­mit ih­ren ers­ten Eu­ro­pa­meis­ter­ti­tel. Über­glück­lich zog sie im An­schluss des Wett­kampfs Bi­lanz: „Es hat su­per viel Spaß ge­macht und ich hät­te nie ge­dacht, dass ich mit solch ei­nem Ab­stand ge­win­nen wür­de. Das war ei­ne echt gu­te Er­fah­rung: Zu se­hen, zu wel­chen Leis­tun­gen der Kör­per fä­hig ist, auch wenn in der letz­ten Run­de al­les nur noch weh­ge­tan hat.“Seit An­fang des Jah­res plag­ten Dürr gro­ße Schmer­zen im Be­cken, die sie im­mer wie­der in der Pforz­hei­mer Ar­cus-Kli­nik und durch die Phy­sio­the­ra­peu­ten vom AZR (Am­bu­lan­tes Zen­trum für Re­ha­bi­li­ta­ti­on und Prä­ven­ti­on am En­ten­fang) be­han­deln ließ. Und dies im­mer mit dem Wis­sen, dass sie vor­aus­sicht­lich ei­ne Ope­ra­ti­on nicht ver­mei­den kann. Be­reits vor der Ma­ra­thon-EM hat­te sie sich auf­grund der im­mer grö­ßer wer­den­den Schmer­zen, ge­mein­sam mit den Trai­nern und Ärz­ten, zu ei­nem ope­ra­ti­ven Ein­griff ent­schie­den, der am Mitt­woch nach der Ma­ra­thon-EM durch­ge­führt wur­de. Dies be­deu­tet al­ler­dings, dass die er­folg­rei­che Sai­son vor dem na­tio­na­len Hö­he­punkt, den deut­schen Meis­ter­schaft En­de Au­gust, be­en­det ist. Heim­trai­ner Det­lef Hof­mann fin­det für sei­ne Ca­na­di­er-Spe­zia­lis­tin auf­mun­tern­de und an­er­ken­nen­de Wor­te: „Ca­thy hat sich mit den Er­fol­gen in die­sem Jahr selbst be­schenkt und sie hat ge­se­hen, zu was sie in der La­ge ist. Nun hof­fen wir, dass der Ein­griff und die Re­ha­bi­li­ta­ti­on gut ver­lau­fen und ich ver­spre­che mir nach der dann fol­gen­den Trai­nings­pau­se viel­leicht so­gar den Ef­fekt, dass man im tech­ni­schen Be­reich noch­mals deut­li­che Fort­schrit­te er­zie­len kann.“In To­kio, al­so 2020, ge­hört der Frau­en-Ca­na­di­er zu den olym­pi­schen Dis­zi­pli­nen. Und nach den Er­fol­gen in die­sem Jahr will sich die 27-Jäh­ri­ge dies als Fern­ziel auf al­le Fäl­le of­fen hal­ten. „Wenn es uns ge­lingt, im Tech­nik­be­reich ent­schei­den­de Ak­zen­te zu set­zen, ist Cath­rin auf al­le Fäl­le ei­ne aus­sichts­rei­che Kan­di­da­tin in Rich­tung To­kio. Es gibt in ganz Deutsch­land kei­ne Sport­le­rin, die im kon­di­tio­nel­len Be­reich und im Kraft-Last-Ver­hält­nis bes­ser auf­ge­stellt ist“, so die Ein­schät­zung von Hof­mann.

Auch im neu­en Me­tier er­folg­reich: Cath­rin Dürr (Rhein­brü­der Karls­ru­he; hier ein Bild vom Trai­ning im Rhein­ha­fen) wag­te sich erst­mals im Ca­na­di­er an die Ma­ra­thon-Dis­tanz und wur­de da­für am En­de mit Gold be­lohnt. Bei den Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten in Spanien hol­te sie sich in Pon­te­ve­dra den Ti­tel ganz sou­ve­rän mit sechs Mi­nu­ten Vor­sprung vor der weit ab­ge­schla­ge­nen Kon­kur­renz. Fo­to: GES / Prang

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