„Ihm ge­hört die Zu­kunft“

Jo­han­nes Vet­ter ein Kan­di­dat für Rio

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Wäh­rend an­de­re noch um ihr Olym­pia-Ti­cket ban­gen müs­sen, kann Jo­han­nes Vet­ter ei­gent­lich schon die Kof­fer für Rio pa­cken. Of­fi­zi­ell darf und will Speer­wurf-Bun­des­trai­ner Bo­ris Obergföll zwar nicht sa­gen, ob der 22-jäh­ri­ge Sach­se, des­sen neue Hei­mat die Or­ten­au ist, auf sei­ner No­mi­nie­rungs­lis­te steht, doch sein de­zen­ter Hin­weis („Se­hen Sie sich doch ein­fach mal die Welt­jah­res­bes­ten­lis­te an, die ist ziem­lich ein­deu­tig“) lässt nur we­nig Zwei­fel dar­an, dass Vet­ter ein si­che­rer Kan­di­dat für das deut­sche Olym­pia-Team ist. Ent­sprechend lo­cker trat er auch die Fahrt zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Ams­ter­dam an. „We­gen Olym­pia ma­che ich mir kei­nen Stress bei der EM. Ich möch­te schö­ne Wür­fe zei­gen, mich wei­ter sta­bi­li­sie­ren und die Speer­wurf-Grö­ßen aus der Re­ser­ve lo­cken“, for­mu­liert der Sport­sol­dat selbst­be­wusst aber oh­ne Spur von Ar­ro­ganz sein per­sön­li­ches EM-Ziel, das er aber mit dem Schei­tern in der Qua­li­fi­ka­ti­on deut­lich ver­pass­te (sie­he auch: EM in Ams­ter­dam – ei­ne ent­täu­schen­de „Ge­ne­ral­pro­be). Der emp­foh­le­ne Blick auf die IAAF-Welt­jah­res­bes­ten­lis­te ist auf je­den Fall ein­deu­tig: Von den zehn wei­tes­ten Wür­fen in die­sem Jahr wur­den sie­ben von deut­schen Wer­fern er­zielt: Tho­mas Röh­ler (4), Jo­han­nes Vet­ter (2) und Ste­fan We­ber (1). Der Thü­rin­ger Röh­ler ist mit Blick auf Olym­pia mo­men­tan ei­ne Klas­se für sich. Mit 91,28 und 89,30 Me­ter hat Aus­ru­fe­zei­chen ge­setzt. Der dritt­bes­te Wurf welt­weit ging auf das Kon­to von Vet­ter (88,23 Me­ter). Kein Wun­der, dass Bun­des­trai­ner Obergföll ziem­lich stolz auf sei­nen Schütz­ling ist: „Jo­han­nes ist ex­trem flei­ßig, hat enor­mes Ta­lent und will un­be­dingt da­zu­ler­nen. Das sind bes­te Vor­aus­set­zun­gen, um ir­gend­wann ein si­che­rer Me­dail­len­kan­di­dat zu sein.“Oder noch deut­li­cher: „Ihm ge­hört die Zu­kunft.“Obergföll muss es wis­sen. Bis zu sei­ner Hoch­zeit mit Chris­ti­na Obergföll ge­hör­te er un­ter dem Na­men Bo­ris Hen­ry im Speer­wurf zur Welt­klas­se. Sei­ne Best­wei­te: 90,44 Me­ter. Sei­ne größ­ten Er­fol­ge: Zwei WM-Bron­ze­me­dail­len (1995 und 2003). Heu­te ist er nicht nur Speer­wurf-Bun­des­trai­ner, son­dern auch Heim­trai­ner von Vet­ter bei der LG Offenburg. Und als St­abs­feld­we­bel auch noch des­sen Vor­ge­setz­ter bei der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr in Mainz. Um mit Bo­ris Obergföll zu­sam­menarbei­ten zu kön­nen, ist Jo­han­nes Vet­ter 2014 um­ge­zo­gen – von Dres­den nach Ebers­wei­er. Ein gro­ßer Schritt für ihn, doch ein rich­ti­ger, wie er selbst sagt: „Ich ha­be ei­nen stress­frei­en Raum ge­sucht. Und idea­le Trai­nings­be­din­gun­gen. Die ha­be ich ge­fun­den. Ich ha­be hier ein per­fek­tes Um­feld, ha­be in­zwi­schen ei­ne ba­di­sche Freun­din und füh­le mich ein­fach wohl in Ba­den. Man hat es mir auch sehr leicht ge­macht und ich kom­me mit dem Men­schen­schlag hier wun­der­bar klar. Das Ri­si­ko hat sich ge­lohnt.“Auch der Wech­sel von der Lan­des­po­li­zei Sach­sen zur Bun­des­wehr ge­hör­te mit zum Ta­pe­ten­wech­sel des Ath­le­ten. Der hat sich aus­ge­zahlt, das do­ku­men­tie­ren auch sei­ne Wei­ten. „Ich ha­be mich in zwei Jah­ren um fast neun Me­ter ge­stei­gert. Das ha­be ich der Trai­nings­phi­lo­so­phie von Bo­ris zu ver­dan­ken. Ich ma­che jetzt zwar 30 Pro­zent we­ni­ger Trai­ning als in Dres­den, doch da­für ist die Qua­li­tät deut­lich hö­her und mein Ver­let­zungs­ri­si­ko klei­ner ge­wor­den. Da­durch kann ich viel mehr Wett­kämp­fe be­strei­ten.“Und an sei­nem gro­ßen Ziel ar­bei­ten: „Die 90 Me­ter, da will ich hin.“Und na­tür­lich auch nach Rio. Am liebs­ten mit Trai­nings­part­ne­rin Chris­ti­na Obergföll, denn: „Sie ist für mich ei­ne gu­te An­sprech­part­ne­rin.“Zur Trai­nings­grup­pe ge­hört auch Trai­ner Wer­ner Da­ni­els, der mit­hilft, dass Vet­ter schafft, was ihm Tho­mas Röh­ler vor­aus hat: „Er wirft kon­stant gro­ße Wei­ten, die man braucht, um Me­dail­len zu ge­win­nen. Ge­nau da will ich auch hin­kom­men.“

Per­fek­tes Um­feld in der Or­ten­au ge­fun­den

Ak­tu­ell ei­ner der bes­ten Speer­wer­fer der Welt: Jo­han­nes Vet­ter ist vor zwei Jah­ren aus Dres­den in die Or­ten­au ge­zo­gen, um ge­mein­sam mit Chris­ti­na und Bo­ris Obergföll zu trai­nie­ren. Fo­to: imago

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