Der Traum von Olym­pia wird wahr

Kus­te­rer in Rio da­bei

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - In­ter­view: Ha­rald Lin­der

Dass sich aus­ge­rech­net Sa­bi­ne Kus­te­rer für die Olym­pi­schen Spie­le in Bra­si­li­en qua­li­fi­zie­ren wür­de, dar­auf hät­te vor we­ni­gen Wo­chen wohl nie­mand ei­ne Wet­te ab­ge­schlos­sen. Aber am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de schaff­te die Ge­wicht­he­be­rin vom KSV Dur­lach beim „Gro­ßen Preis von Deutsch­land“in Hei­del­berg die ge­for­der­te Norm von 202 Ki­lo­gramm in der Klas­se bis 58 Ki­lo­gramm und si­cher­te sich da­mit das Ti­cket für Rio. Be­vor sich die 25-Jäh­ri­ge auf den Weg zur Olym­pia-Ein­klei­dung und da­nach ins Trai­nings­la­ger nach Ki­en­baum ver­ab­schie­de­te, sprach der SONN­TAG mit Kus­te­rer über das „Mär­chen“Rio. Frau Kus­te­rer, herz­li­chen Glück­wunsch zur Olym­pia-Qua­li­fi­ka­ti­on. Hät­ten Sie sich vor ei­nem hal­ben Jahr vor­stel­len kön­nen, über­haupt in Rio da­bei zu sein?

Sa­bi­ne Kus­te­rer: Nein, auf gar kei­nen Fall. Da hat­te ich Ge­burts­tag und zu die­sem Zeit­punkt war ich ein­fach nur ent­täuscht, weil ich nach mei­ner lan­ger Ver­let­zungs­pau­se noch weit weg von den Leis­tun­gen war, die ich mir für das Jahr vor­ge­nom­men hat­te. Selbst mein Ver­bleib in der Sport­för­der­grup­pe der Bun­des­wehr stand auf der Kip­pe und mein ein­zi­ges Ziel da­mals war es, bis zum Jah­res­en­de es zu schaf­fen, dass die­se För­de­rung ver­län­gert wird. An Rio ha­be ich da kei­nen Ge­dan­ken ver­schwen­det. Dann ka­men die Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten und Sie hal­fen mit, den ein­zi­gen Quo­ten­platz für die deut­schen Frau­en zu ho­len, von de­nen al­ler­dings kei­ne die Norm für Rio ge­schafft hat­te. Wie kam es dann, dass Sie sich ent­schie­den, um die­sen Platz zu kämp­fen?

Kus­te­rer: Wir hat­ten den Quo­ten­platz si­cher, aber kei­ne von uns hat­te bis da­hin die Norm ge­schafft. So wur­de auch mir die­se Mög­lich­keit ein­ge­räumt, aber da­zu muss­te ich in der 58-Ki­lo-Klas­se star­ten und dort die Norm er­fül­len. Das hieß, fünf Ki­lo ab­zu­neh­men, da ich ja nor­ma­ler­wei­se in der Klas­se bis 63 Ki­lo star­te. Das war nicht ein­fach und auch die ge­for­der­ten 202 Ki­lo­gramm im Zwei­kampf schie­nen zu die­sem Zeit­punkt uto­pisch. Aber ich woll­te es ver­su­chen, auch wenn mir nie­mand – auch mein Trai­ner nicht – ei­ne Chan­ce ein­ge­räumt hat. Wann ha­ben Sie dar­an ge­glaubt? Kus­te­rer:

Zum ers­ten Mal, als ich die ers­ten Fort­schrit­te beim Ab­neh­men hat­te. Das war mit am schwers­ten. Aber als ich sah, dass es ging und ich den­noch nor­mal trai­nie­ren konn­te, wur­de es Wo­che für Wo­che bes­ser. Da wuchs mei­ne Zu­ver­sicht, es viel­leicht doch schaf­fen zu kön­nen. Dann kam der Welt­cup in Te­ne­rif­fa und plötz­lich wa­ren Sie nah dran.

Kus­te­rer: Auf Te­ne­rif­fa star­te­te ich zum ers­ten Mal wie­der in ei­nem gro­ßen Wett­kampf in der neu­en Ge­wichts­klas­se und ich schaff­te 197 Ki­lo­gramm im Zwei­kampf. Da wuss­te ich, dass ich es pa­cken kann. Bei den deut­schen Meis­ter­schaf­ten mach­ten Sie es aber noch­mals mäch­tig span­nend.

Kus­te­rer: Ich war na­tür­lich ner­vös und als ich bei 88 Ki­lo zwei Un­gül­ti­ge im Rei­ßen hat­te, muss­te ich al­len Mut zu­sam­men­neh­men, um im drit­ten Ver­such auf 90 Ki­lo zu stei­gern. Aber es ge­lang und ich wuss­te , dass ich im Sto­ßen die ge­for­der­ten 112 Ki­lo brin­gen kann, auch wenn ich da­für zwei Ver­su­che ge­braucht ha­be. Es war ein un­be­schreib­li­ches Ge­fühl. Auch des­halb, weil nie­mand, au­ßer mir selbst, an mich ge­glaubt hat­te. Jetzt kann Rio kom­men und ich freue mich rie­sig, da­bei zu sein.

Sen­sa­tio­nell den frei­en Quo­ten­platz ge­si­chert

Völ­lig los­ge­löst – Sa­bi­ne Kus­te­rer schaff­te, was ei­gent­lich kei­ner für mög­lich ge­hal­ten hat­te: Die Qua­li­fi­ka­ti­on für die Olym­pi­schen Spie­le in Rio de Janei­ro. Da­für muss­te sie in ei­ner tie­fe­ren Ge­wichts­klas­se an­tre­ten und au­ßer­dem noch die ge­for­der­te Norm von 202 Ki­lo­gramm schaf­fen. Fo­to: imago

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