Eber­hard Ha­ckels­ber­ger: Der Herr der Weck­glä­ser

Eber­hard Ha­ckels­ber­ger I Chef der Fir­ma Weck

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Seit 1934 ist das Wort „ein­we­cken“im Du­den zu fin­den. So po­pu­lär ge­wor­den war die Me­tho­de der Fir­ma Weck, Le­bens­mit­tel durch Er­hit­zen und Luft­ab­schluss in ei­nem Glas mit Gum­mi­rin­ge halt­bar zu ma­chen, dass ein Verb dar­aus ab­ge­lei­tet wur­de. Die Fir­ma Weck gibt es im­mer noch. Das Ein­ko­chen von Obst, Ge­mü­se, Wurst oder Fleisch in Glä­ser hat ge­ra­de un­ter Pro­fis am Herd vie­le An­hän­ger. Und die ba­di­sche Tra­di­ti­ons­fir­ma macht wei­ter gu­te Ge­schäf­te. Seit 116 Jah­ren. „Der Um­satz liegt bei rund 40 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr. In Frank­reich, Ita­li­en, Ja­pan oder USA, um nur ei­ni­ge Län­der zu nen­nen, wer­den un­se­re Pro­duk­te ge­schätzt“, er­zählt Eber­hard Ha­ckels­ber­ger. Er lei­tet das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men mit der Erd­bee­re als Si­g­net. Im süd­ba­di­schen Wehr bei Walds­hut sor­gen 90 Mit­ar­bei­ter da­für, dass die Idee von Weck wei­ter in den Kü­chen und Kel­lern ver­tre­ten ist – in der ei­ge­ne Fa­b­rik von Bonn-Duis­dorf stel­len 220 Mit­ar­bei­ter die Weck-Glä­ser in mitt­ler­wei­le al­len For­men und Grö­ßen her. „Un­se­re Sa­chen sind nicht nur zum Ein­ko­chen ge­schätzt, son­dern als ori­gi­nel­les und nicht so teu­res Ge­schirr bei vie­len Ge­le­gen­hei­ten“, sagt Ha­ckels­ber­ger. Er ist al­lein­ge­schäfts­füh­ren­der Ge­sell­schaf­ter des Un­ter­neh­mens. Und er lebt vol­ler Be­geis­te­rung Weck und sei­ne Ge­schich­te. „Mein Ur­groß­va­ter Ge­org van Eyck hat das Ge­schäft der Fir­ma J. Weck & Co mit auf- und vor al­lem aus­ge­baut“. Denn der ei­gent­lich Fir­men­grün­der Jo­hann Weck war schnell wie­der weg. Schon nach ei­nem Jahr hat­te er nicht mehr die Aus­dau­er, aus dem er­wor­be­ne Pa­tent des Gel­sen­kir­che­ner Che­mi­kers Ru­dolf Rem­pel und der da­zu­ge­kauf­te Fir­ma et­was Gro­ßes auf­zu­bau­en. Als die Glä­ser­pro­duk­ti­on au­to­ma­ti­siert wer­den konn­te, zog die Kon­ser­vie­rung à la Weck in die deut­schen Haus­hal­te al­ler Schich­ten ein. Koch­bü­cher und zum Teil bis heu­te er­schei­nen­de Zeit­schrif­ten wie „Rat­ge­ber Frau und Fa­mi­lie“ve­mit­tel­ten Ge­ne­ra­tio­nen von Haus­frau­en, dass das Ein­we­cken un­ver­zich­bar sei. Glä­ser und Me­tho­de wur­den ih­nen zu­dem durch Vor­füh­run­gen von mehr als 20 Haus­wirt­schaf­te­rin­nen im Au­ßen­dienst schmack­haft ge­macht. „Wie das heu­te geht, zei­gen wir am 23. Ju­li in Karlsruhe, im Bei­pro­gramm der Aus­stel­lung über Ba­di­sche Koch­bü­cher“, freut sich der Herr der Ein­mach­glä­ser. In der Ba­di­schen Lan­des­bi­blio­thek ver­wan­delt sich am Sams­tag der Vor­trags­saal in ei­ne Ver­suchs­kü­che. Das ist gar kein nost­al­gi­sches Mu­se­ums­ko­chen. „Die Me­tho­de war nie tot, die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on und die bes­ten Kö­che sind heu­te wie­der un­se­re Kun­den“, zeigt sich Ha­ckels­ber­ger zu­frie­den. Just auf dem Tief­punkt der Ge­schäf­te 1973, sorg­te die Öl­kri­se für neue Wert­schät­zung al­ter Vor­rats­hal­tung. In man­chen Jah­ren spä­ter ging’s bei Weck ans Ein­ge­mach­te. Aber die Fir­ma zer­brach nie. Wenn der Bü­ro­all­tag hin­ter ihm liegt, be­schäf­tigt sich der 59-jäh­ri­ge Fir­men­chef gern le­send mit Ge­schich­te und Kul­tur. Ale­man­nisch „schwätzt“der Ge­schäfts­mann kaum, aber er liebt, den Schwarz­wald, sei­ne Hei­mat. „Und Bad­ner sind wir hier, aber voll“.

Der Herr der Ein­mach­glä­ser: Eber­hard Ha­ckels­ber­ger ist Chef der süd­ba­di­schen Fir­ma Weck. Am kom­men­den Sams­tag kommt er zum öf­fent­li­chen „Ein­we­cken“nach Karlsruhe. Foto: J. Weck

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.