Max von Ba­den: Der Prinz und sein „See­len­füh­rer“

Max von Ba­den und der Grün­der des Sehn­suchts­or­tes Schloss El­mau

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Seit dort im Jahr 2015 der G7-Gip­fel statt­fand, ist Schloss El­mau in Ober­bay­ern auch Leu­ten ein Be­griff, die nicht in Lu­xus­ho­tels ver­keh­ren. Einst war die heu­ti­ge No­bel­her­ber­ge am Fu­ße der Wet­ter­stein­wand ein Sehn­suchts­ort kir­chen­und zi­vi­li­sa­ti­ons­mü­der Pro­tes­tan­ten. Der Theo­lo­ge Jo­han­nes Mül­ler hat­te das Schloss 1916 als „See­len­heim“er­öff­net. Mül­ler pro­pa­gier­te ei­nen freie­ren Glau­ben, ei­ne na­tur­wüch­si­ge Ero­tik und ei­ne wahr­haft „völ­ki­sche Ge­mein­schaft“. Sein Mix aus Re­li­gi­on, Na­tur­mys­tik und Zeit­geist fand un­ter evan­ge­li­schen Män­nern und Frau­en ei­ne gro­ße An­hän­ger­schaft. Ob Mül­ler in Ber­lin, Karlsruhe oder Stutt­gart Vor­trä­ge hielt – das Pu­bli­kum ström­te trotz ge­sal­ze­ner Ein­tritts­prei­se her­bei. Die­se schil­lern­de Per­sön­lich­keit steht am Don­ners­tag im Mit­tel­punkt ei­nes Vor­trags von Ha­rald Hau­ry im Ge­ne­ral­lan­des­ar­chiv Karlsruhe, wo der­zeit die Aus­stel­lung „Der Wun­sch­lo­se. Prinz Max von Ba­den und sei­ne Welt“zu se­hen ist. Jo­han­nes Mül­ler (1864–1949) war fast 20 Jah­re lang „See­len­füh­rer“, Le­bens­be­ra­ter und Freund des Prin­zen Max, der als letz­ter Kanz­ler des deut­schen Kai­ser­reichs in die Ge­schich­te ein­ge­gan­gen ist. Die Aus­stel­lung im Ge­ne­ral­lan­des­ar­chiv führt die Be­su­cher in ei­ne Welt des Um­bruchs von der Mon­ar­chie zur Re­pu­blik. Po­li­tisch reich­ten die Men­schen, mit de­nen Max von Ba­den kor­re­spon­dier­te, von ganz rechts bis in die lin­ke Mit­te. Dar­auf re­agiert die Aus­stel­lung, in­dem sie vie­le Ge­sich­ter um den Prin­zen grup­piert – auch das des cha­ris­ma­ti­schen „See­len­füh­rers“Jo­han­nes Mül­ler. Prinz Max, so schreibt Ha­rald Hau­ry von der Baye­ri­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten im Be­gleit­band zur Aus­stel­lung, er­hoff­te sich von Jo­han­nes Mül­ler Hil­fe ge­gen sein Emp­fin­den von see­li­scher Iso­la­ti­on. Der de­si­gnier­te ba­di­sche Thron­fol­ger litt un­ter dem Ge­fühl, ge­mein­hin nur als Fürst wahr­ge­nom­men zu wer­den, was ei­ne menschliche Füh­lung­nah­me ver­hin­de­re. Da­her, so ließ er Jo­han­nes Mül­ler wis­sen, wer­de er bei of­fi­zi­el­len An­läs­sen von Ängs­ten über­fal­len, die ihn be­klom­men und ver­schlos­sen mach­ten. In vie­len Brie­fen des Prin­zen ging es um Ver­su­che, die quä­len­de Uner­reich­bar­keit zu durch­bre­chen – bald aber auch um Er­fol­ge, die Max von Ba­den auf das Wir­ken sei­nes „See­len­dok­tors“zu­rück­führ­te. Ha­rald Hau­ry, der den Vor­trag im Be­gleit­pro­gramm zur Prinz-Max-Aus­stel­lung hält, ist ein Jo­han­nes-Mül­ler-Ex­per­te: Er hat sei­ne Dok­tor­ar­beit über den Grün­der von Schloss El­mau ge­schrie­ben.

Prinz Max grüßt von der Fens­ter­front des Ge­ne­ral­lan­des­ar­chivs Karlsruhe. In dem Ge­bäu­de in der Nörd­li­chen Hilda­pro­me­na­de wird der­zeit die Aus­stel­lung „Der Wun­sch­lo­se“ge­zeigt. Sie be­schäf­tigt sich mit der Welt des Man­nes, der als letz­ter Kanz­ler des deut­schen Kai­ser­reichs in die Ge­schich­te ein­ging. Foto: bo

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