Nicht von die­ser Welt – oder doch?

Au­ßer­ir­di­sche, Le­ben in der Zu­kunft oder Rei­sen in frem­de Ga­la­xi­en sind ein fas­zi­nie­ren­des The­ma

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Dass E.T. von sei­ner Raum­schiff-Be­sat­zung auf der Er­de ver­ges­sen wird und bei dem Jun­gen El­liott lan­det, ist 34 Jah­re her. Der nied­li­che Au­ßer­ir­di­sche mit dem leuch­ten­den Fin­ger und sein mensch­li­cher Freund hat­ten 1982 ruck­zuck Mil­lio­nen Fans. Er­wähnt man den Film heu­te, seuf­zen die meis­ten Ki­no­be­su­cher von da­mals noch im­mer ver­zückt. E.T.s Satz „nach Hau­se te­le­fo­nie­ren“zählt zu den be­kann­tes­ten Zi­ta­ten der Film­ge­schich­te. Er­folg­reich war der Film auch, weil er von ei­nem net­ten Au­ßer­ir­di­schen han­del­te. Nichts an­de­res be­deu­tet die Ab­kür­zung E.T. im Eng­li­schen: Ex­tra Ter­restri­al. Ver­ein­facht sagt man in­zwi­schen Ali­en (aus­ge­spro­chen: Ey­li­en). Ob­wohl Ki­no-Ali­ens nicht im­mer so nett sind wie E.T., be­flü­geln Sci­ence-Fic­tion-Fil­me un­se­re Fan­ta­sie. Spie­len sie doch in der Zu­kunft, in hoch­tech­ni­sier­ten Wel­ten, die es re­al – noch – nicht gibt. Oft­mals ver­su­chen die Au­ßer­ir­di­schen, die Er­de zu er­obern. Fast im­mer ge­hört zu ei­nem Sci­ence-Fic­tion-Film ein Kampf Gut ge­gen Bö­se, bei dem glück­li­cher­wei­se meis­tens das Gu­te ge­winnt. Au­ßer­ir­di­sche, Le­ben in der Zu­kunft oder Rei­sen in frem­de Ga­la­xi­en sind ein rät­sel­haft-fas­zi­nie­ren­des The­ma. Der deut­sche As­tro­naut Alex­an­der Gerst sag­te jüngst, er kön­ne sich an­de­re in­tel­li­gen­te Le­bens­for­men im Welt­raum gut vor­stel­len. Be­wie­sen hat das aber noch nie­mand, genau­so we­nig ist der Be­such von Ali­ens auf der Er­de wirk­lich be­legt. Das macht das The­ma noch span­nen­der. So span­nend, dass es ei­ne ei­ge­ne Ka­te­go­rie von Fil­men und Li­te­ra­tur be­kam: Sci­ence Fic­tion gibt es seit 150 Jah­ren. Der fran­zö­si­sche Au­tor Ju­les Ver­ne wur­de mit sei­nen Ge­schich­ten, die von Mond­lan­dun­gen und Welt­raum­rei­sen han­del­ten, welt­be­rühmt. Als Ver­ne 1905 starb, soll­te es noch 64 Jah­re dau­ern, bis ein Mensch tat­säch­lich sei­nen Fuß auf den Mond setz­te. Am 21. Ju­li 1969 ge­lang das zu­erst zwei As­tro­nau­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Raum­fahrt­mis­si­on Apol­lo 11. Ju­les Ver­nes Be­geis­te­rung für das All hing da­mit zu­sam­men, dass die Er­de vor 150 Jah­ren na­he­zu kom­plett er­forscht war. Jahr­hun­der­te hat­ten die Men­schen da­mit ver­bracht, neue Kon­ti­nen­te zu ent­de­cken und zu be­sie­deln. Den Schritt in den Welt­raum wag­ten sie aber erst im 20. Jahr­hun­dert, zu­vor war die Tech­nik nicht weit ge­nug ent­wi­ckelt und die For­schung wuss­te zu we­nig über das All – zum Bei­spiel, dass dort die gan­ze Zeit Schwe­re­lo­sig­keit herrscht. Oder dass es nir­gends Sau­er­stoff gibt. Den neh- men die As­tro­nau­ten da­her mit. Ih­re Raum­an­zü­ge glei­chen au­ßer­dem den Luft­druck zwi­schen der Er­de und dem Welt­raum aus. Mitt­ler­wei­le gibt es For­scher, die ge­hen so­gar da­von aus, dass die Men­schen ei­nes Ta­ges den un­be­wohn­ten Nach­bar­pla­ne­ten der Er­de, den Mars, be­sie­deln wer­den. Klei­ne grü­ne Männ­chen tref­fen sie da­bei ga­ran­tiert nicht. Die sind ei­ne Er­fin­dung. Au­ßer­ir­di­sche vom Mars tau­chen erst­mals auf im Buch „Der Krieg der Wel­ten“des eng­li­schen Schrift­stel­lers Her­bert Ge­or­ge Wells. Der Ro­man er­schien vor 118 Jah­ren. Wells er­zähl­te von ei­ner In­va­si­on der Mar­sia­ner auf der Er­de, nach­dem ih­nen auf dem Mars die Roh­stof­fe aus­ge­gan­gen sind. Die Men­schen kön­nen die Au­ßer­ir­di­schen aber be­sie­gen. Seit­dem wur­de das The­ma des Krie­ges der Wel­ten un­zäh­li­ge Ma­le auf­ge­grif­fen. Im Dis­ney-Zei­chen­trick­film Wall-E ist wie­der­um die Er­de un­be­wohn­bar ge­wor­den, der klei­ne Auf­räum­ro­bo­ter, der tat­säch­lich ein biss­chen wie E.T. aus­sieht, ist der ein­zi­ge ver­blie­be­ne Er­den­bür­ger. Die Men­schen konn­ten sich auf ein Raum­schiff ret­ten. Als Kund­schaf­te­rin schi­cken sie die Ro­bo­ter­da­me Eve zur Er­de, wo sie her­aus­fin­den soll, wann Le­ben dort wie­der mög­lich ist. Nicht al­le Zu­kunfts­vi­sio­nen sind trost­los. Dank mo­derns­ter Tech­nik kön­nen sich die Men­schen in Sci­ence-Fic­tion-Fil­men und Bü­chern von Ort zu Ort bea­men, voll­au­to­ma­tisch den Haus­halt er­le­di­gen und mit flie­gen­den Au­tos schnell vor­an­kom­men. Sie le­ben in fu­tu­ris­ti­schen Häu­sern. Fu­tu­ris­tisch be­deu­tet zu­kunfts­ge­rich­tet, oder ein­fach: mo­dern. Die Ver­bin­dung zur Tech­nik steckt schon in dem eng­li­schen Aus­druck Sci­ence Fic­tion. „Sci­ence“heißt Wis­sen­schaft, „Fic­tion“ist die Er­zäh­lung. Ge­mes­sen an den Er­fin­dun­gen jüngs­ter Zeit – Smart-TV, Goog­le-Bril­le, selbst­fah­ren­de Au­tos – le­ben wir aus Sicht ei­nes Ju­les Ver­ne oder Her­bert Ge­or­ge Wells be­reits in der Zu­kunft! Dass Alex­an­der Gerst wäh­rend sei­ner Welt­raum-Mis­si­on 2014 von der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on di­gi­ta­le Kurz­nach­rich­ten zur Er­de schick­te oder „nach Hau­se te­le­fo­nie­ren“konn­te, hät­te si­cher auch E.T. be­ein­druckt! Üb­ri­gens: Der Count­down beim Start ei­ner Ra­ke­te, die Zeit­span­ne, bei der von Zehn bis Null rück­wärts ge­zählt wird, ist ei­ne deut­sche Er­fin­dung! Sie stammt nicht aus der Raum­fahrt. Der Re­gis­seur Fritz Lang ver­wen­de­te den Count­down 1929 als Ers­ter in sei­nem Stumm­film „Die Frau im Mond“. Dar­aus wur­de ei­ne Tra­di­ti­on, fast über­all in der Raum­fahrt. Nur rus­si­sche Ra­ke­ten star­ten oh­ne Count­down.

Als die Ro­bo­ter­da­me EVE (links) auf der Er­de lan­det, be­ginnt für Wal­lE ein gro­ßes Aben­teu­er. Das Bild ist aus dem Film „Wal­lE – Der Letz­te räumt die Er­de auf“. Foto: Pixar

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