„Das Kon­zept hat mich über­zeugt“

Frau­en-Bun­des­li­ga: Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger Co­lin Bell ist neu­er Trai­ner beim SC Sand

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Peter Tre­bing

Bis­lang hieß es beim SC Sand „der Star ist die Mann­schaft“, wie es Ex-Bun­des­trai­ner Ber­ti Vogts so ger­ne aus­drück­te. Doch mit der Ver­pflich­tung des Bri­ten Co­lin Bell ist dies Ver­gan­gen­heit, denn der Nach­fol­ger von Alex­an­der Fi­schin­ger hat nicht nur im Frau­en­fuß­ball ei­nen rich­tig gu­ten Na­men. Klar, wer schon die Cham­pi­ons Le­ague ge­win­nen konn­te, der hat ei­nen Er­folg in sei­ner Trai­ner-Vi­ta ste­hen, der au­ßer­ge­wöhn­lich ist. Mit dem 1. FFC Frank­furt ist ihm dies 2015 ge­lun­gen. Durch ei­nen 2:1-Sieg im Fi­na­le in Ber­lin ge­gen Pa­ris Saint Ger­main. Da­mals spiel­ten Stars wie Dz­se­ni­fer Ma­roz­sán, Si­mo­ne Laud­ehr, Kers­tin Ga­re­fre­kes oder Cé­lia Sa­sic beim er­folg­reichs­ten deut­schen Club. Ein Jahr vor­her hat­te Bell mit den Frank­fur­te­rin­nen den DFB-Po­kal ge­won­nen – im End­spiel ge­gen SGS Es­sen ge­wann man mit 3:0. Doch zu Be­ginn der Saison 2015/16 lief es dann nicht mehr beim 1. FFC Frank­furt. Und Bell, der nach vie­len Trai­ner­sta­tio­nen im Män­ner­be­reich ab 2011 mit dem SC 07 Bad Neue­nahr erst­mals ein weib­li­ches Team coach­te, zog sei­ne Kon­se­quen­zen. Zwar wur­de bei der Ver­kün­dung der Tren­nung die Stan­dard­flos­kel „im bei­der­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men“be­müht, doch in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung (FAZ) wur­de Bell da­nach deut­li­cher: „Ich ha­be in der Ver­gan­gen­heit zwei­mal den rich­ti­gen Zeit­punkt für ei­nen Wech­sel ver­passt. Jetzt ist der rich­ti­ge Mo­ment.“Den ho­hen Er­war­tun­gen in Frank­furt konn­te Bell nicht mehr ge­recht wer­den – auch weil sich die Ver­hält­nis­se im deut­schen Frau­en­fuß­ball ge­än­dert hat­ten. Der FC Bay­ern ist auch hier längst das Maß al­ler Din­ge, da­hin­ter kommt der VfL Wolfs­burg. Und dann lan­ge nichts. Co­lin Bell, des­sen ei­ge­ne Fuß­bal­ler-Kar­rie­re bei Leices­ter Ci­ty be­gon­nen hat­te, wo er aber nie in der ers­ten Mann­schaft zum EinZeit, satz kam, hat­te schnell ei­ne Al­ter­na­ti­ve pa­rat und wech­sel­te zum Ja­nu­ar 2016 nach Nor­we­gen. Und zwar in die tie­fe Pro­vinz. Sein neu­er Club war der Erst­li­gist Avalds­nes IL auf der Insel Kar­moy in der Nä­he von Sta­van­ger. Dort hat­te Bell ei­ne er­folg­rei­che misch­te mit sei­nem Team ganz weit vor­ne mit, doch der Job in Nor­we­gen hat­te ein ge­wal­ti­ges Han­di­cap. Knapp 1 500 Ki­lo­me­ter la­gen zwi­schen sei­nem neu­en Ar­beits­ort und sei­ner deut­schen Hei­mat in der Nä­he von Ko­blenz. Selbst mit dem Flug­zeug ab Sta­van­ger war das Pen­deln zur Fa­mi­lie ei­ne ewig lan­ge Stra­pa­ze. Des­halb kann man gut nach­voll­zie­hen, war­um Co­lin Bell als ei­ne Mo­ti­va­ti­on für sein En­ga­ge­ment beim SC Sand „fa­mi­liä­re Grün­de“an­gibt. In Nor­we­gen hat man sei­ne vor­zei­ti­ge Kün­di­gung des­halb auch ak­zep­tiert. Und beim SC Sand ist man froh, solch ei­nen Hoch­ka­rä­ter gleich für drei Jah­re ver­pflich­tet zu ha­ben. Die Zie­le wer­den an­de­re sein als beim 1. FFC Frank­furt, die Zahl der Nie­der­la­gen si­cher deut­lich hö­her als beim hes­si­schen Vor­zei­ge­club, doch Bell ist trotz­dem op­ti­mis­tisch: „Das Kon­zept des SC Sand und von Ma­na­ger Ge­rald Jung­mann hat mich völ­lig über­zeugt.“Und si­cher auch die wie­der vor­han­de­ne Nä­he zu sei­ner Fa­mi­lie.

In der Or­ten­au wie­der nä­her bei der Fa­mi­lie

Zu der ge­hört auch Sohn Ste­fan Bell, der sei­nem Pa­pa fuß­bal­le­risch aber et­was vor­aus hat, denn der In­nen­ver­tei­di­ger hat schon fast 100 Bun­des­li­ga-Spie­le für Mainz 05 und Ein­tracht Frank­furt ab­sol­viert. Co­lin Bell war „nur“in der 2. Bun­des­li­ga in 19 Par­ti­en am Ball – auch für den FSV Mainz 05. Doch da­für ist er als Coach seit Jah­ren erst­klas­sig: In Bad Neue­nahr, beim 1. FFC Frank­furt, in Nor­we­gen und nun in der Or­ten­au. Und sei­ne Zie­le beim SC Sand hat er den Ver­hält­nis­sen dort an­ge­passt: „Ich wer­de al­les dar­an­set­zen, die tol­le Ent­wick­lung des Ver­eins wei­ter aus­zu­bau­en, um neue und wei­te­re sta­bi­le Zie­le zu er­rei­chen.“Und in der FAZ sagt Bell zu sei­ner Ent­schei­dung: „Sand will ver­su­chen, oh­ne Grö­ßen­wahn ei­nen Schritt wei­ter­zu­kom­men in der Ent­wick­lung.“Es muss ja nicht im­mer gleich der Ti­tel in der Cham­pi­ons Le­ague sein.

Co­lin Bell ge­wann mit dem 1. FFC Frank­furt den DFB-Po­kal und die Cham­pi­ons Le­ague. Beim SC Sand hat der En­g­län­der, des­sen Hei­mat längst in Deutsch­land liegt, be­schei­de­ne­re Zie­le. Foto: 1. FFC Frank­furt/pr

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