Tour-Tri­umph für Ca­ven­dish

Tour de Fran­ce: Kit­tel be­schwert sich über um­strit­te­ne Ak­ti­on des Bri­ten

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Ema­nu­el Rein­ke

Mark Ca­ven­dish sprin­tet bei der Tour de Fran­ce in ei­ner ei­ge­nen Li­ga. Der 31-jäh­ri­ge Bri­te vom Team Di­men­si­on Da­ta setz­te sich auf der Etap­pe von Mon­teli­mar zum Parc des Oi­seaux in Vil­lars-lesDom­bes im Mas­sen­sprint durch und ließ Mar­cel Kit­tel (Arn­stadt/Eti­xx-Quick Step) und And­re Grei­pel (Ros­tock/ Lot­to-Sou­dal) kei­ne Chan­ce.

Mar­cel Kit­tel schimpf­te wie ein Rohr­spatz, And­re Grei­pel war auch an sei­nem Ge­burts­tag chan­cen­los: Der deut­sche Sprin­ter-Alb­traum Mark Ca­ven­dish hat mit ei­ner kom­pro­miss­lo­sen Kampf­li­nie sei­nen vier­ten Etap­pen­sieg im fünf­ten Mas­sen­spurt der Tour de Fran­ce ge­fei­ert. Nach 208,5 Ki­lo­me­ter sieg­te der bri­ti­sche Ex-Welt­meis­ter in Vil­lars-les-Dom­bes, nach­dem er mit ei­nem zu­min­dest dis­ku­ta­blen Ma­nö­ver noch am füh­ren­den Kit­tel vor­bei­ge­zo­gen war. „Ich bin ex­trem ent­täuscht. Der Sprint lief gut, aber Ca­ven­dish hat mein Er­geb­nis ver­hin­dert, das sieht man im Vi­deo“, sag­te Kit­tel, der kurz vor dem Ziel ei­ne Be­rüh­rung mit Ca­ven­dish bei ra­sen­dem Tem­po knapp ver­mied. Da­nach steck­te der 28 Jah­re al­te Arn­städ­ter wild ges­ti­ku­lie­rend auf und roll­te als Fünf­ter über die Zi­el­li­nie – der Traum vom zwei­ten Etap­pen­sieg war ge­platzt. Ob die Ju­ry noch ge­gen Ca­ven­dish ak­tiv wird, war zu­nächst

Froo­me fährt wei­ter im Gel­ben Tri­kot

un­klar. Klas­si­ker-Spe­zia­list John De­gen­kolb (Ge­ra/Gi­ant-Al­pe­cin) lan­de­te als bes­ter Deut­scher auf Platz vier und zeig­te sei­ne bes­te Leis­tung nach sei­nem schwe­ren Trai­nings­un­fall im Win­ter. Der deut­sche Meis­ter Grei­pel, der ges­tern 34 Jah­re al­te wur­de, wur­de nur Sechs­ter. „Es war schwie­rig bei dem Ge­gen­wind. Ich ha­be ver­sucht, mir ei­nen Weg zu bah­nen. Aber wenn man von zu weit hin­ten kommt, ist es schwie­rig“, sag­te der Ros­to­cker. Nur ein Etap­pen­sieg durch Mar­cel Kit­tel auf dem vier­ten Teil­stück nach 14 Tour-Renn­ta­gen – we­ni­ger gab es für die deut­schen Pro­fis zu­letzt 2010, als sie die ge­sam­te Frank­reich-Rund­fahrt oh­ne Er­folg blie­ben. Seit 2012 hat­ten die deut­schen Pro­fis zu die­sem Zeit­punkt stets schon min­des­tens drei Sie­ge auf dem Kon­to, 2013 und 2014 so­gar schon de­ren fünf. Ca­ven­dish, der längst der über­ra­gen­de Sprin­ter der Tour ist, fei­er­te ges­tern sei­nen ins­ge­samt 30. Ta­ges­sieg bei der le­gen­dä­ren Frank­reich-Rund­fahrt. Mehr hat bis­lang nur die bel­gi­sche Le­gen­de Ed­dy Merckx (34) er­reicht. In der Ge­samt­wer­tung bleibt al­les beim Al­ten: Der bri­ti­sche Ti­tel­ver­tei­di­ger Chris Froo­me, der wie sei­ne Kon­kur­ren­ten zeit­gleich mit dem Sie­ger ins Ziel kam, führt wei­ter mit 1:47 Mi­nu­ten vor dem Nie­der­län­der Bau­ke Mol­le­ma (Trek-Se­gaf­re­do) und 2:45 Mi­nu­ten vor dem Bri­ten Adam Ya­tes (Ori­ca-Bi­keEx­ch­an­ge). In­zwi­schen hat die Tour 2016 ih­ren nächs­ten pro­mi­nen­ten Aus­fall: Nach dem Fran­zo­sen Thi­baut Pi­not am Frei­tag stieg ges­tern auch der Schwei­zer IAM-Ka­pi­tän Ma­thi­as Frank aus. Der Ge­samt­ach­te des Vor­jah­res litt seit Ta­gen un­ter Ma­gen­pro­ble­men. Nach ei­ner ver­bum­mel­ten ers­ten Renn­stun­de mit 30,4 St­un­den­ki­lo­me­ter im Schnitt hat­te sich ges­tern ei­ne Vie­rer­grup­pe um den Ita­lie­ner Cesa­re Be­nedet­ti vom deut­schen Team Bor­aAr­gon 18 ab­ge­setzt. Bei star­kem Ge­gen­wind konn­ten die Aus­rei­ßer ih­ren Vor­sprung aber nicht ent­schei­dend aus­bau­en, die bei­den letz­ten Fah­rer wur­den schließ­lich nach weit über 150 Ki­lo­me­ter auf der Flucht erst 3 400 m vor dem Ziel ein­ge­holt. Heu­te ist bei der Tour ein Spek­ta­kel ga­ran­tiert. Ei­ne Wo­che vor dem Fi­na­le ha­ben die Tour-Or­ga­ni­sa­to­ren am Al­pen­rand ei­ne Berg- und Tal­fahrt zu­sam­men­ge­bas­telt, die es rich­tig in sich hat: Auf 160 Ki­lo­me­ter zwi­schen Bourg-en-Bres­se und Cu­loz ha­ben sie gleich sechs Berg­wer­tun­gen ein­ge­baut, dar­un­ter ei­ne der höchs­ten und zwei der ers­ten Ka­te­go­rie, flach sind le­dig­lich die letz­ten Ki­lo­me­ter ins Ziel. Nai­ro Quin­ta­na müss­te nach der Zeit­fahr-Plei­te am Frei­tag ei­gent­lich schon in den An­griffs­mo­dus schal­ten, um Froo­me im Kampf um den Tour­sieg noch ge­fähr­den zu kön­nen. Grei­pel, Kit­tel und Co. wer­den sich hin­ten ein­sor­tie­ren – und viel­leicht schon an den Sprin­ter-Show­down am Schluss­tag in Pa­ris den­ken.

Stink­sau­er – Mar­cel Kit­tel (im blau­en Tri­kot) fühl­te sich im Mas­sen­sprint vom spä­te­ren Sie­ger Mark Ca­ven­dish un­fair be­hin­dert. Sein umstrittenes Ma­nö­ver nutz­te der kom­pro­miss­los fah­ren­de Bri­te, um sei­nen vier­ten Etap­pen­sieg bei der ak­tu­el­len Tour de Fran­ce un­ter Dach und Fach zu brin­gen. Foto: AFP

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.