Aus Fein­den wer­den Freun­de

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

Wenn En­de Ok­to­ber der KSC den ab­ge­stie­ge­nen VfB Stutt­gart zum Punkt­spiel der Zwei­ten Bun­des­li­ga im Wild­park­sta­di­on emp­fängt, wer­den die Emo­tio­nen wie­der hoch­ko­chen. Die Ri­va­li­tät (oder soll­te man sa­gen: Feind­schaft?) zwi­schen den bei­den Ver­ei­nen hat Tra­di­ti­on – auch wenn der ba­disch-schwä­bi­sche Streit schon lan­ge vor Grün­dung der Bun­des­li­ga tob­te. Das fing be­reits an, als Na­po­le­on im Jah­re 1806 Würt­tem­berg zum Kö­nig­reich er­hob und Ba­den nur zum Groß­her­zog­tum mach­te, und setz­te sich 1952 bei der Grün­dung des Bun­des­lan­des Ba­den-Würt­tem­berg fort, das vie­len Ba­de­nern genau­so we­nig ge­fiel wie die schwä­bi­sche Haupt­stadt des neu­en Lan­des. Ri­va­li­tä­ten zwi­schen Städ­ten oder Re­gio­nen gab es schon im­mer – be­reits im Jah­re 431 vor Chris­tus wa­ren sich die grie­chi­schen Stadt­staa­ten At­hen und Spar­ta so spin­ne­feind, dass sie sich fast 30 Jah­re lang hef­tig be­kämpf­ten. Die Aus­ein­an­der­set­zung ging als „Pe­lo­pon­ne­si­scher Krieg“in die Ge­schich­te ein. Heut­zu­ta­ge ha­ben die Grie­chen be­kannt­lich ganz an­de­re Sor­gen, in Deutsch­land aber wer­den die tra­di­tio­nel­len Städ­te­feind­schaf­ten nach wie vor mit gro­ßer Inbrunst ge­pflegt. Vor al­lem im Fuß­ball, aber nicht nur dort. Stän­di­ge Sti­che­lei­en bei­spiels­wei­se gibt es zwi­schen Nach­barn wie Magdeburg und Hal­le, Mainz und Wiesbaden oder na­tür­lich zwi­schen der Mut­ter al­ler Städ­te­feind­schaf­ten, zwi­schen Köln und Düsseldorf. Wer sich ein­mal den Spaß er­laubt hat, in Köln ein „Alt­bier“zu be­stel­len oder in Düsseldorf ein „Kölsch“, der weiß, das Bli­cke fast tö­ten kön­nen. Gin­ge es nach der Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Re­ker, könn­ten die Me­tro­po­len am Rhein ih­re tra­di­tio­nel­le Ri­va­li­tät ger­ne be­gra­ben. „Die­ses ge­gen­sei­ti­ge Ba­shing wird doch lang­sam lang­wei­lig“, sag­te die par­tei­lo­se Po­li­ti­ke­rin in ei­nem Interview der Zei­tung „Ex­press“und füg­te hin­zu: „Ge­mein­sam könn­ten bei­de Städ­te auch mehr wirt­schaft­li­che Vor­tei­le er­zie­len.“Das sieht Düs­sel­dorfs OB Tho­mas Gei­sel (SPD) genau­so: „Ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit ist in un­se­rem bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­se – zum Bei­spiel beim Aus­bau der In­fra­struk­tur, dem Stand­ort­mar­ke­ting und beim Ver­kehr.“Doch be­vor es gar zu ku­sche­lig wur­de, er­gänz­te Gei­sel noch schnell: „Bei ein paar Din­gen wird es kei­ne An­nä­he­rung zwi­schen Köln und Düsseldorf ge­ben: Beim Bier, beim Kar­ne­val, beim Eis­ho­ckey und beim Fuß­ball“.

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