Er hat­te 300 Schuss Mu­ni­ti­on

18-jäh­ri­ger Amok­schüt­ze tö­tet in Mün­chen neun Men­schen und sich selbst

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - AFP/avs

Ein 18-jäh­ri­ge Deutsch-Ira­ner hat am Frei­tag­abend in Mün­chen neun Men­schen und dann sich selbst ge­tö­tet. Ei­nen is­la­mis­ti­schen Hin­ter­grund und ei­ne Ver­bin­dung zur Dschi­ha­dis­ten­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) se­hen die Er­mitt­ler nicht. Die Re­de ist von psy­chi­schen Pro­ble­men des To­des­schüt­zen. Die Ge­tö­te­ten wohn­ten laut Po­li­zei­prä­si­dent Hu­ber­tus An­drä al­le in Mün­chen und Um­ge­bung. Vie­le Op­fer wa­ren min­der­jäh­rig. Zwei 15-Jäh­ri­ge und drei 14-Jäh­ri­ge sei­en ums Le­ben ge­kom­men, sag­ten die Er­mitt­ler. Wei­te­re Op­fer sei­en 17, 19, 20 und 45 Jah­re alt ge­we­sen. Drei To­te stamm­ten aus ei­ner ein­zi­gen Fa­mi­lie, teil­te der Münch­ner KreisB­rei­vik ver­band des Baye­ri­schen Ro­ten Kreu­zes mit. Ob der Tä­ter – ein Schü­ler, der eben­falls in Mün­chen wohn­te – ge­zielt auf aus­län­disch aus­se­hen­de Op­fer schoss, muss den Er­mitt­lern zu­fol­ge noch ge­klärt wer­den. Der Amok­schüt­ze ha­be ei­ne il­le­ga­le Pis­to­le des Ka­li­bers 9 Mil­li­me­ter be­nutzt. Der jun­ge Mann ha­be über 300 Schuss Mu­ni­ti­on bei sich ge­habt, sag­te der Prä­si­dent des baye­ri­schen Lan­des­kri­mi­nal­am­tes, Ro­bert Heim­ber­ger. Bei dem 18-Jäh­ri­gen wur­de nach An­ga­ben von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re Ma­te­ri­al ge­fun­den, aus dem sich er­ge­be, dass der jun­ge Mann sich für den Amok­lauf von Win­nen­den und für die Tat des rechts­ex­tre­men At­ten­tä­ters An­ders Beh­ring aus Nor­we­gen in­ter­es­siert ha­be. Ein Zu­sam­men­hang mit dem in­ter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus sei hin­ge­gen nicht er­kenn­bar. Es ha­be bei den Si­cher­heits­be­hör­den auch kei­ne staats­schutz­re­le­van­ten Er­kennt­nis­se über den jun­gen Mann ge­ge­ben. Zeit­wei­se war bei den Er­eig­nis­sen in der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt der Ter­ror­an­schlag ei­nes mög­li­cher­wei­se is­la­mis­ti­schen Kom­man­dos wie in Pa­ris nicht aus­ge­schlos­sen wor­den. Wie ernst die Bun­des­re­gie­rung die La­ge zwi­schen­zeit­lich sah, ver­riet ges­tern Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en. Es sei auch ein Ein­satz der Bun­des­wehr im In­land er­wo­gen wor­den, sag­te sie der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung. „So lan­ge das Aus­maß des An­schlags am Frei­tag nicht klar war, war ei­ne Feld­jä­ger-Ein­heit der Bun­des­wehr in Mün­chen in Be­reit­schaft ver­setzt“, so von der Ley­en. „Hin­ter uns, vor al­lem hin­ter den Men­schen in Mün­chen, lie­gen ein Abend und ei­ne Nacht des Schre­ckens“, sag­te Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und sprach den Hin­ter­blie­be­nen ihr Mit­ge­fühl aus. „Wir tei­len Ih­ren Schmerz. Wir den­ken an Sie. Wir lei­den mit Ih­nen.“Die Kanz­le­rin lob­te den Ein­satz der Po­li­zei und der Ret­tungs­kräf­te in Mün­chen. „Sie ha­ben ei­ne Mil­lio­nen­stadt in ei­ner über St­un­den un­über­sicht­li­chen La­ge ge­si­chert.“

Deutsch­land trau­ert: An der U-Bahn-Hal­te­stel­le na­he des Olym­pia-Ein­kauf­zen­trums in Mün­chen ha­ben Men­schen zahl­rei­che Blu­men zum Ge­den­ken an die über­wie­gend jun­gen Op­fer ab­ge­legt. Foto: AFP

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