Ein Som­mer­tag in rot und blau

„Fest“-Be­su­cher fei­ern beim Karls­ru­her Open-Air mit und oh­ne Mu­sik

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DAS FEST - Andre­as Jütt­ner

Je­des „Fest“hat sei­ne Far­ben. Ei­ne da­von sticht Ni­cho­las Mül­ler, dem Sän­ger der Band „Von Brü­cken“, be­son­ders in die Au­gen: „War­um habt ihr denn al­le ro­te Hü­te auf?“, fragt er ins Pu­bli­kum. „Spar­kas­se!“wird ihm zu­ge­ru­fen. „Ach so“, ent­geg­net Mül­ler grin­send. „Wie konn­te ich nur so doof fra­gen?“. 20 000 ro­te Som­mer­hü­te sind auf dem Ge­län­de un­ter­wegs – und das Wer­be­ge­schenk fun­giert zu die­sem Zeit­punkt dann auch wie ge­plant als Son­nen­schutz, nach­dem es am Frei­tag aber auch ge­gen den Re­gen sei­nen Di­enst ge­tan hat­te. Ei­gent­lich selt­sam, dass der Kom­men­tar von Ni­cho­las Mül­ler kommt und nicht von der Münch­ner Band „Mo­op Ma­ma“, die stets in rot auf­tritt und sich am Frei­tag­abend vor­kom­men muss­te, als hät­te ihr Out­fit-De­si­gner das Ge­län­de in Be­schlag ge­nom­men. Eben­falls groß­flä­chig ver­tre­ten ist die Far­be Blau: Groß und Klein sind auf dem Ge­län­de­un­ter­wegs mit den „Luft­gi­tar­ren“, die an die Teil­neh­mer der BNN-Ak­ti­on „Gi­tar­re­ro“aus­ge­ge­ben wer­den. Das Spiel, bei dem per Gi­tar­ren­kon­so­le zu ei­nem ein­ge­spiel­ten Song mit­ge­rockt wer­den soll, ist ei­ner der Pu­bli­kums­ma­gne­ten an der In­fomei­le, wo es kei­nen Man­gel an Be­su­cher­ani­ma­ti­on gibt: Ein Lo­gis­tik­un­ter­neh­men lädt zum Car­rera­bahn-Wett­ren­nen, ei­ne Kran­ken­kas­se ent­spannt die Be­su­cher mit Hand­mas­sa­ge, bei ei­nem Phy­sio­the­ra­peu­ten kann man sich gar gleich hin­le­gen und kne­ten las­sen. Die vie­len In­seln der Ent­span­nung – am ein­la­dends­ten sind die Hän­ge­mat­ten un­ter dem Mot­to „Sies­ta“auf ei­nem klei­nen Hü­gel am Ru­der­see – tra­gen bei zur lo­cke­ren Stim­mung, die sich in der „Klot­ze“auch hält, als die We­ge im­mer dich­ter be­völ­kert wer­den. Es lässt sich kein Hin­weis dar­auf fin­den, dass die Karls­ru­her „Fest“-Gän­ger sich durch Nach­rich­ten aus Mün­chen vom Auf­su­chen gro­ßer Men­schen­an­samm­lun­gen ab­hal­ten las­sen. Flo­ri­an aus Karls­ru­he je­den­falls ist schon am Nach­mit­tag da­bei: „Wenn es in Karls­ru­he ei­ne sol­che Ver­an­stal­tung gibt, dann kann man doch nicht zu­hau­se blei­ben“, sagt der 28-Jäh­ri­ge. Cool fin­det er am „Fest“die vie­len ver­schie­de­nen Büh­nen: „Da kann man auch mal Bands ent­de­cken.“Zum Bei­spiel Mats Hei­lig, dem die Auf­ga­be zu­fällt, den gest­ri­gen „Fest“-Tag zu er­öff­nen. „Das war ein High­light, hier spie­len zu dür­fen“, freut sich der aus Ett­lin­gen stam­men­de Mu­si­ker hin­ter­her. Ei­gent­lich hät­te Mats Hei­lig be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr auf der Haupt­büh­ne ste­hen sol­len, muss­te da­mals aber dem Un­wet­ter wei­chen. „Jetzt muss­ten wir zwar zu ei­ner frü­he­ren Uhr­zeit ran, aber es ist trotz­dem ein Traum in Er­fül­lung ge­gan­gen“, sagt Mats Hei­lig beim Ab­bau. Wo­bei ein an­de­rer Traum bleibt: „In ein paar Jah­ren wie­der­kom­men und dann spie­len, wenn das Büh­nen­licht an und der Hü­gel voll ist, das wä­re toll“, sagt der Mu­si­ker, der im Früh­jahr von Ett­lin­gen nach Berlin ge­zo­gen ist und der­zeit mit in­ter­na­tio­na­len Pro­du­zen­ten an sei­nem ers­ten Al­bum ar­bei­tet. Frei­lich ist „Das Fest“auch in die­sem Jahr weit mehr als nur Mu­sik. Auf dem See dre­hen Ru­der­boo­te ih­re Run­den, im Kin­der­be- reich wird ge­bas­telt, ge­planscht und ge­sprun­gen – auf Tram­po­lins und von ei­ner knall­bun­ten Kin­der­ver­si­on ei­nes „Free-Fal­lTo­wers“, wo sich die klei­nen Be­su­cher juch­zend auf Ma­trat­zen stür­zen. Der Weg zwi­schen Haupt­büh­ne und Kin­der­be­reich führt an zahl­rei­chen Es­sens-, Ak­ti­ons­und Wer­be­stän­den vor­bei. Der An­drang zeugt vom Er­folg, doch man­chen „Fest“-Be­su­chern ist das dann doch zu­viel des Tru­die bels: „Ich ver­ste­he ja, dass sich die Spon­so­ren prä­sen­tie­ren, aber wenn es so weit geht, dass die Leu­te da­zu ani­miert wer­den, in Tü­ten Wer­be­ge­schen­ke zu sam­meln, dann hat das nicht mehr viel mit dem zu tun, wie ich das ,Fest’ ken­ne“, sagt die Karls­ru­he­rin Ne­le (38). Sie freut sich dar­auf, mit ih­ren Kin­dern das Krea­tiv­dorf und den Sport­park zu be­su­chen – ja, man kann „Das Fest“auch oh­ne Bands ge­nie­ßen.

End­lich Son­ne: Nach ei­nem trü­ben Frei­tag zum Start konn­ten die „Fest“-Be­su­cher ges­tern Nach­mit­tag rich­ti­ges Som­mer­fes­ti­val-Ge­fühl ge­nie­ßen. Da­her füll­te sich der Hü­gel in der Gün­ther-Klotz-An­la­ge auch wie ge­wohnt. Am Abend war’s dann rich­tig voll. Foto: Ho­ra

Viel Ein­satz zeig­te Ni­cho­las Mül­ler, der ehe­ma­li­ge Front­mann von Ju­pi­ter Jo­nes, beim Auf­tritt sei­ner neu­en Band „Von Brü­cken“mit kraft­voll-hin­ter­sin­ni­gem Deutsch­pop. Foto: Ho­ra

Auch Ben­ni hat Spaß: Der Chef­re­por­ter der BNN-Kin­der­sei­te ist beim „Fest“im­mer wie­der im Kin­der­be­reich un­ter­wegs und tes­te­te ges­tern un­ter an­de­rem ein Tram­po­lin. Foto: Mon­tei­ro

Es le­be die Luft­gi­tar­re: Die ein­ein­halb­jäh­ri­ge Em­ma und ihr Pa­pa Micha­el mit der BNN-Gi­tar­re.

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