„Wir sind ganz gut im Zeit­plan“

Neu­es Schul­fach „Wirt­schaft, Be­rufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung“: Vor­be­rei­tun­gen in vol­lem Gan­ge

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Ein neu­es Schul­fach kommt auf die jun­gen und Mäd­chen in Ba­den-Würt­tem­berg zu: „Wirt­schaft, Be­rufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung“heißt es – kurz WBS ge­nannt. Be­trof­fen sind Schü­ler, die mo­men­tan noch in der fünf­ten Klas­se sind, und die jün­ge­ren. Al­ler­dings geht es für sie nicht so­fort los: Das neue Fach soll an Gym­na­si­en in den ach­ten bis zehn­ten Klas­sen un­ter­rich­tet wer­den, an den an­de­ren wei­ter­füh­ren­den Schu­len be­reits ab der sieb­ten Klas­se. An Haupt-, Werk­re­al-, Re­al- und Ge­mein­schafts­schu­len fällt der Start­schuss so­mit im Schul­jahr 2017/18, an den Gym­na­si­en ein Jahr spä­ter. Im Ge­spräch mit dem SONN­TAG er­läu­tert Vit­to­rio La­za­ri­dis, Lei­ter der Ab­tei­lung „Schu­le und Bil­dung“im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he, was es mit dem neu­en Fach auf sich hat.

Was ist das Ziel des Fachs „Wirt­schaft, Be­rufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung“?

Vit­to­rio La­za­ri­dis: Ver­brau­cher, Geld­an­le­ger, Kre­dit­neh­mer, Ar­beit­neh­mer oder -ge­ber, Steu­er­zah­ler, Leis­tungs­emp­fän­ger, Un­ter­neh­mens­grün­der – auf die­se Rol­len soll das Fach die Schü­ler vor­be­rei­ten. Sie sol­len öko­no­mi­sche Zu­sam­men­hän­ge bes­ser ver­ste­hen kön­nen.

Wie stark sind die­se In­hal­te bis­her an wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Ba­den- Würt­tem­berg ver­tre­ten?

La­za­ri­dis: Bis­lang gibt es an Gym­na­si­en „Geo­gra­fie, Wirt­schaft, Ge­mein­schafts­kun­de“(GWG), an den an­de­ren wei­ter­füh­ren­den Schu­len die Fä­cher­ver­bün­de „Wirt­schaft, Ar­beit, Ge­sund­heit“(WAG) und „Welt, Zeit, Ge­sell­schaft“(WZG). Die­se wer­den nun auf­ge­löst. Die Be­rufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung wur­de bis­lang vor­wie­gend fä­cher­über­grei­fend un­ter­rich­tet. Zu­künf­tig wird sie als Leit­li­nie im Lehr­plan ver­an­kert und da­mit wei­ter­hin in ver­schie­de­nen Fä­chern auf­ge­grif­fen, zu­sätz­lich aber auch ver­bind­lich im Fach WBS.

19 Leh­rer aus Ba­den-Würt­tem­berg ha­ben das Fach vor­ab ge­tes­tet. Wa­ren auch Schul­klas­sen aus dem Be­zirk des Re­gie­rungs­be­zirk Karls­ru­he be­tei­ligt?

La­za­ri­dis: Im Schul­jahr 2014/15 wur­de das Fach an drei Schu­len in un­se­rem Re­gie­rungs­be­zirk er­probt: der So­phie-Scholl-Re­al­schu­le Karls­ru­he, dem Mark­gra­fen-Gym­na­si­um Dur­lach und dem Carl-Benz-Gym­na­si­um La­den­burg. Die Rück­mel­dun­gen aus den ein­zel­nen Schu­len sind in den Bil­dungs­plan ein­ge­flos­sen, der ent­spre­chend über­ar­bei­tet wur­de. Ein kon­kre­tes Fa­zit der Leh­rer ist mir nicht be­kannt.

Wel­che Leh­rer wer­den WBS un­ter­rich­ten?

La­za­ri­dis: An Gym­na­si­en ha­ben wir schon Leh­rer, die Wirt­schaft als Wahl­fach in der Kurs­stu­fe un­ter­rich­ten und ein ent­spre­chen­des Stu­di­um ha­ben. An­sons­ten wer­den vor­nehm­lich Ge­mein­schafts­kun­de­leh­rer ein­ge­setzt. Klar ist aber, dass man die Leh­rer wei­ter­bil­den muss, da­mit sie die er­wei­ter­ten In­hal­te an­ge­mes­sen ver­mit­teln kön­nen. Da­für wer­den seit Mai Fach­be­ra­ter für die Haupt-, Werk­re­al-, Re­al- und Ge­mein­schafts­schu­len ge­schult. Es ist nor­mal, dass man rund ein Jahr vor der Ein­füh­rung ei­nes neu­en Fachs da­mit an­fängt, al­so sind wir gut im Zeit­plan.

Der Bil­dungs­plan sieht vor, dass Re­fe­ren­ten in den Un­ter­richt kom­men. Gibt es be­reits kon­kre­te Plä­ne?

La­za­ri­dis: Es ist wich­tig, dass man auf au­ßer­schu­li­sche Part­ner setzt. Wir wol­len Ex­per­ten aus Un­ter­neh­men und Ge­werk­schaf­ten ein­la­den. Kon­tak­te zwi­schen Schu­le und Wirt­schaft gibt es so­wieso schon. Da wird sich je­de Schu­le in­di­vi­du­ell auf­stel­len.

Im April gab es ei­nen re­gio­na­len Kon­gress zum neu­en Bil­dungs­plan. Wie war dort der Te­nor zu WBS?

La­za­ri­dis: Für die gro­ße Mehr­zahl der Leh­rer und al­ler an­de­ren, die das Fach be­trifft, über­wie­gen die po­si­ti­ven Aspek­te. Es gab al­ler­dings im Vor­feld auch kri­ti­sche Stim­men. Bei­spiels­wei­se von Ge­mein­schafts­kun­de­leh­rern, die be­kla­gen, dass St­un­den von ih­rem Kon­tin­gent für das neue Fach ab­ge­knapst wer­den, ob­wohl das The­ma Wirt­schaft schon be­han­delt wird. Ge­werk­schaf­ten for­dern, dass das Fach kei­ne Wer­be­ver­an­stal­tung für die Wirt­schaft wird, son­dern das The­ma auch kri­tisch be­trach­tet. Ich den­ke, dem wer­den wir ge­recht. Da ver­traue ich un­se­ren Leh­rern.

Sind Ih­nen auch schon Mei­nun­gen von Schü­lern zu Oh­ren ge­kom­men?

La­za­ri­dis: Bei ei­ni­gen Ver­an­stal­tun­gen zum neu­en Bil­dungs­plan wa­ren auch Schü­ler da. Mein Ein­druck war, dass sie das Fach po­si­tiv se­hen. Al­ler­dings ha­ben sie sich vor al­lem für die The­men Di­gi­ta­li­sie­rung und neue Me­di­en ein­ge­setzt, die ih­rer Mei­nung nach im Bil­dungs­plan noch zu kurz kom­men.

Was hal­ten Sie ei­gent­lich selbst von dem neu­en Fach?

La­za­ri­dis: Ich kann die Kri­tik teil­wei­se nach­voll­zie­hen, ich bin ja auch Ge­mein­schafts­kun­de­leh­rer. Aber jetzt ist der Auf­trag klarer, die In­hal­te und Ver­an­ke­rung des The­men­kom­ple­xes Wirt­schaft klar de­fi­niert. Auch die Be­rufs- und Stu­di­en­ori­en­tie­rung be­kommt durch das neue Fach ei­nen fes­ten Rah­men – voll­kom­men zu­recht, wenn man sich an­schaut, mit wie vie­len Mög­lich­kei­ten jun­ge Leu­te kon­fron­tiert wer­den. Die ho­he An­zahl von Aus­bil­dungs- und Stu­di­en­ab­bre­chern zeigt deut­lich, dass die Ju­gend­li­chen oft schlecht vor­be­rei­tet sind. Ich glau­be, wir brin­gen da et­was ganz Gu­tes auf den Weg. Die Fra­gen stell­te Me­la­nie Nees.

Vit­to­rio La­za­ri­dis ist der Mann an der Spit­ze der Schul­ver­wal­tung im Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he. Zum neu­en Fach WBS sagt er: „Ich glau­be, wir brin­gen da et­was ganz Gu­tes auf den Weg.“Foto: pr

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