Wenn das Feld Ma­gen­ta scheint

Rund um den Ho­hen Meiß­ner in Hes­sen wird Mohn an­ge­baut

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Mag

Bei Schlaf­mohn den­ken vie­le gleich an Opi­um. Doch dass der Mohn auch ei­nen gänz­lich dro­gen­frei­en Rausch aus­lö­sen kann, das be­weist Bau­er Björn Sip­pel. Er baut die Pflan­ze auf ei­ner Flä­che von 15 Hekt­ar in der Mit­te Deutsch­lands in Hes­sen an. Sip­pel leg­te Pfa­de aus Stroh durch den Mohn und lädt im Som­mer ein zur Mohn­blü­ten­wan­de­rung – ein ech­tes Farb­spek­ta­kel. Ger­mero­de ist ein ver­schla­fe­ner Ort. Die Idee, hier ein über­re­gio­nal be­kann­tes Feld in Ma­gen­ta an­zu­le­gen, hat­te ei­gent­lich Mar­co Lenar­duz­zi. Er ist Ge­schäfts­füh­rer des Na­tur­parks Meiß­ner-Kau­fun­ger Wald und er­fuhr von ei­nem ähn­li­chen Pro­jekt aus Ös­ter­reich. Beim Bier fand Lenar­duz­zi in dem Land­wirt und Koch Björn Sip­pel ei­nen Ver­bün­de­ten, der ei­ge­ne Fel­der und ei­ne Öl­müh­le be­wirt­schaf­tet. Sip­pel sät nur mor­ph­in­frei­en Schlaf­mohn aus. Der Mohn­bau­er be­lie­fert re­gio­na­le Bä­cker und den Han­del mit Öl, Ho­nig oder Senf aus sei­nem An­bau. Die Be­su­cher stärkt er mit Mohn­ku­chen oder Mohn­brat­wurst in ei­ner um­ge­bau­ten Feld­scheu­ne. Und Tou­ris­ten kom­men tat­säch­lich. Gleich ge­gen­über des „Mohn­park­plat­zes P1“liegt ein klei­nes Ge­bäu­de, die „Mohn­in­for­ma­ti­on“, in dem ei­ne Frau zur Blü­te­zeit des Mohns über des­sen An­bau und Ver­ar­bei­tung, aber auch lo­ka­le Wan­der­we­ge und Be­son­der­hei­ten in­for­miert. Früh­mor­gens, wenn sich die ers­ten Blü­ten ge­öff­net ha­ben und die meis­ten Gäs­te noch schla­fen, macht sich Lenar­duz­zi mit Hund und Ka­me­ra selbst auf die Pirsch: Wo blüht es heu­te be­son­ders schön? Wo sind die bes­ten Mo­ti­ve in Pink oder Zar­t­ro­sa, durch­mischt mit wei­ßer Ka­mil­le oder Korn­blu­men­blau? Wie lan­ge hält die Blü­te­zeit an? Für den For­st­amts­rat ist die Mohn­blü­te der Tür­öff­ner in ei­ne Re­gi­on, die viel­fäl­ti­ge Na­turund Wan­der­er­leb­nis­se bie­tet – et­wa rund um den Ho­hen Meiß­ner, der auch der „Kö­nig der nord­hes­si­schen Mit­tel­ge­bir­ge“heißt, weil man das Fels­pla­teau von weit her se­hen kann. Im Win­ter ist es oft mit ei­ner wei­ßen Kap­pe be­deckt, auch wenn rund­her­um noch kein Schnee liegt. Und das er­in­nert schon mäch­tig an den My­thos der Mär­chen­fi­gur Frau Hol­le, der hier be­hei­ma­tet ist. Wem drei Ki­lo­me­ter Mohn-Spa­zier­weg nicht ge­nü­gen, der fin­det rund um den Meiß­ner knapp 20 Wan­der­we­ge, die durch tie­fe Wäl­der, über wei­te Wie­sen und ent­lang von al­tem Fach­werk füh­ren. Und zwar auf den Spu­ren der Brü­der Grimm. Hier spiel­ten vie­le ih­rer Mär­chen. Ei­ner der schöns­ten Wan­der­we­ge ist der Kel­ler­wald­steig. Er wur­de vom Deut­schen Wan­der­ver­band er­neut als „Qua­li­täts­weg Wan­der­ba­res Deutsch­land“aus­ge­zeich­net. Der Kel­ler­wald­steig ist ein 156 Ki­lo­me­ter lan­ger Wan­der­weg, der größ­ten­teils auf na­tur­be­las­se­nen We­gen und Pfa­den durch den Na­tur­park so­wie den Na­tio­nal­park Kel­ler- wald-Eder­see führt. Es geht durch uri­ge Krüpp­wäl­der, vor­bei an den Ufern des Eder­sees und durch die ein­ma­li­gen Bu­chen­wäl­der des Na­tio­nal­parks (UNESCO-Welt­na­tur­er­be). Vom Kel­ler­wald­turm auf dem Wüst­gar­ten, der höchs­ten Er­he­bung im Na­tur­park, bie­ten sich wei­te Fern­bli­cke. Wem ei­ne nor­ma­le Wan­de­rung nicht reicht, der kann am 24 St­un­den-Wan­der­aben­teu­er am Eder­see teil­neh­men. Mit dem Ex­tre­mWan­de­rer Thors­ten Hoy­er geht es am 16. Sep­tem­ber auf ei­ne Tour ins Reich der uri­gen Bu­chen. Auf den zer­ti­fi­zier­ten Qua­li­tätsHo­hen wan­der­we­gen Ur­wald­steig Eder­see, Ed­er­hö­hen­pfad und Kel­ler­wald­steig kön­nen Wan­de­rer zwi­schen dem Wan­der­ma­ra­thon (40 Ki­lo­me­ter) oder der Ex­trem­wan­de­rung (80 Ki­lo­me­ter) wäh­len. Es geht durch uri­ge Wäl­der, vor­bei an Schluch­ten, Fel­sen und Bä­chen durch die ein­zig­ar­ti­ge Na­tur­land­schaft des Na­tur­parks. Un­ter­wegs gibt es fas­zi­nie­ren­de Aus­bli­cke auf den Eder­see.

Pret­ty in pink: Mar­co Lenar­duz­zi geht ger­ne durch das Mohn­feld, früh­mor­gens, wenn die meis­ten Tou­ris­ten noch schla­fen. Dann hat er die Far­ben­pracht in der Mit­te Deutsch­lands ganz für sich. Foto: Na­tur­park Meiss­ner/ Kopitz

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