Reicht die Tra­di­ti­on als Ar­gu­ment?

For­mel 1: Gro­ßer Preis von Deutsch­land am Ho­cken­heim­ring nur 2016 und 2018 ge­si­chert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Die For­mel 1 ist wie­der zu­rück in Deutsch­land – am kom­men­den Wo­che­n­en­de (Frei­tag, 29. Ju­li, bis Sonn­tag, 31. Ju­li) macht die „Kö­nigs­klas­se“Sta­ti­on auf dem Ho­cken­heim­ring. Und be­en­det da­mit die Zwangs­pau­se auf deut­schem Bo­den, denn 2015 muss­te der Nür­burg­ring pas­sen. Die ver­ein­bar­te Ro­ta­ti­on zwi­schen der le­gen­dä­ren Renn­stre­cke in der Ei­fel und dem ba­di­schen Kurs schei­ter­te in die­sem Fall an der wirt­schaft­lich pro­ble­ma­ti­schen Si­tua­ti­on des rhein­land-pfäl­zi­schen „Part­ners“. 2016 und auch 2018 wird der PS-Zir­kus de­fi­ni­tiv in Ho­cken­heim Gas ge­ben, die da­nach fol­gen­de Zu­kunft steht in den Ster­nen. Denn „Mr. E“(For­mel-1-Pro­mo­ter Ber­nie Eccles­to­ne) macht ei­gent­lich kein Hehl dar­aus, dass er die bei­den deut­schen Ren­nen zu ger­ne end­gül­tig aus dem Ter­min­ka­len­der raus hät­te, um au­ßer­halb Eu­ro­pas neue Stre­cken ins Pro­gramm auf­neh­men zu kön­nen. Die eu­ro­päi­schen Ren­nen kri­seln, die Ver­an­stal­ter ha­ben im­mer grö­ße­re Pro­ble­me, die ge­wal­ti­gen Li­zenz­ge­büh­ren zu re­fi­nan­zie­ren. Da Prag­ma­ti­ker Eccles­to­ne auch nicht un­be­dingt im Ver­dacht steht, ein Mo­tor­sport-Ro­man­ti­ker zu sein, dürf­te die welt­wei­te Ex­pan­si­on der For­mel 1 kaum auf­zu­Sah­ne­häub­chen. hal­ten sein. Oder, wie FIA-Prä­si­dent Je­an Todt es ge­ra­de erst kürz­lich bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz in Tu­rin auf den Punkt brach­te: „Ich wür­de auch ger­ne ein For­mel-1-Ren­nen auf der Nord­schlei­fe se­hen, aber das ist heut­zu­ta­ge ein­fach nicht mehr mög­lich.“Man könn­te die­se Aus­sa­ge auch da­hin­ge­hend prä­zi­sie­ren, dass es für Stre­cken wie den Nür­burg­ring oder den Ho­cken­hei­mer Kurs im­mer schwie­ri­ger wird, den Gro­ßen Preis von Deutsch­land in ei­ner wirt­schaft­lich ver­tret­ba­ren Art und Wei­se zu ver­an­stal­ten. Auch des­halb gab es 2015 erst­mals seit 55 Jah­ren in Deutsch­land kei­ne For­mel-1-Ver­an­stal­tung. Doch Ber­nie Eccles­to­ne be­rei­tet dies kei­ne Sor­gen. Im Ge­gen­teil, der 85-Jäh­ri­ge fin­det wie im­mer deut­li­che Wor­te in Rich­tung der bei­den Tra­di­ti­onstre­cken: „Sie le­ben im­mer noch 20 Jah­re hin­ter der Zeit, wenn ich sie mit an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen ver­glei­che“, wird er auf der In­ter­net­platt­form „Mo­tor­sport to­tal“zi­tiert. Aus­sa­gen, die sich Eccles­to­ne leis­ten kann, denn die In­ter­es­sen­ten, die ger­ne ein For­mel-1-Ren­nen aus­tra­gen wür­den, ste­hen ja Schlan­ge. Und der Ka­len­der wächst und wächst. Wa­ren es in den An­fangs­zei­ten der Renn­se­rie, al­so in den 1950er Jah­ren, in der Re­gel noch acht oder neun Ren­nen pro Sai­son, so ste­hen mitt­ler­wei­le 19 bis 20 Grand-Pri­x­Ver­an­stal­tun­gen welt­weit in den Ter­min­plä­nen der Renn­stäl­le. Und wenn bei­spiels­wei­se ein Land wie Ka­tar In­ter­es­se zeigt, dann kann Eccles­to­ne das tun, was er im Kampf um Macht und Mo­ne­ten am liebs­ten tut: Po­kern. Knapp 60 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich müss­te der Wüs­ten­staat al­lei­ne für Li­zenz­ge­büh­ren be­rap­pen, um das Spek­ta­kel ver­an­stal­ten zu dür­fen. Sum­men, bei de­nen man am Ho­cken­heim­ring so­fort ka­pi­tu­lie­ren müss­te. Dort zahlt man deut­lich we­ni­ger. Kon­kre­te Sum­men wer­den nicht ge­nannt, doch ge­rüch­te­wei­se muss die Ho­cken­heim­ring Gm­bH cir­ca 15 Mil­lio­nen Eu­ro an Eccles­to­ne über­wei­sen. Selbst dies wä­re ein Be­trag, bei dem man kei­nen Ge­winn ma­chen kann. Doch die For­mel 1-Prä­senz ist wich­tig für das Image. Der Ka­len­der des ba­di­schen Renn­kur­ses ist auch oh­ne Ros­berg und Co prall ge­füllt, aber na­tür­lich ist ein Ren­nen der Kö­nigs­klas­se das Die mas­si­ve Kri­se, in der sich die For­mel 1 be­fin­det, do­ku­men­tiert sich be­son­ders deut­lich in den Zu­schau­er­zah­len. Die sind näm­lich stark rück­läu­fig. Was nicht ver­wun­dert, wenn man sich an­schaut, was For­mel-1-Fans aus­ge­ben müs­sen: Das bil­ligs­te Sonn­tagsti­cket in Ho­cken­heim kos­tet 169 Eu­ro, für das kom­plet­te Renn­wo­chen­en­de ist man ab 189 Eu­ro da­bei. Hört sich viel an, doch beim Gro­ßen Preis von Mo­na­co wer­den ganz an­de­re Prei­se auf­ge­ru­fen. Nur ein Bei­spiel: Der Renn­sonn­tag kos­tet dort et­wa auf der Tri­bü­ne L ge­nau 534 Eu­ro. Man kann sich aber auch für ein „Jacht VIP Pa­cka­ge“(Sams­tag und Sonn­tag) ent­schei­den – da­für muss man zwar 2 950 Eu­ro zah­len, doch der Cham­pa­gner und „Häpp­chen“sind in­klu­si­ve. So ge­se­hen ist das Event am Ho­cken­heim­ring tat­säch­lich die bil­li­ge­re Va­ri­an­te. Wie lan­ge die For­mel 1 noch in Ba­den zu se­hen sein wird, das hängt nach ak­tu­el­lem Stand auch vom un­be­re­chen­ba­ren Ber­nie Eccles­to­ne ab. Im Jahr 2018 en­det der exis­tie­ren­de Ver­trag. Ob und wie es da­nach wei­ter­geht, das steht in den Ster­nen. Denn für den nur 1,59 Me­ter gro­ßen „Big Ber­nie“(Eccles­to­ne) ist al­les nur ei­ne Fra­ge des Gel­des – und nicht der Tra­di­ti­on.

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