Viel Geld und gro­ße Am­bi­tio­nen

Bas­ket­ball: SIG-Pri­va­ti­sie­rung erst der An­fang

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SPORT - Pe­ter Tre­bing

Man muss sich das mal vor­stel­len: Vier­mal in Se­rie er­reich­te He­ad­coach Vin­cent Col­let mit dem el­säs­si­schen Bas­ket­ball-Erst­li­gis­ten SIG aus Straß­burg in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren das Play-off-Fi­na­le um die fran­zö­si­sche Meis­ter­schaft und vier­mal schei­ter­te Col­let mit sei­nem Team. Was für ein Kon­trast zu Col­lets Bi­lanz als Na­tio­nal­trai­ner. Seit 2009 ist er für die fran­zö­si­sche Aus­wahl ver­ant­wort­lich – in die­ser Zeit wur­de er Eu­ro­pa­meis­ter (2013), hol­te EM-Bron­ze (2011) und EM-Sil­ber (2015) plus ei­ne Bron­ze­me­dail­le bei der WM 2014 in Spa­ni­en. Doch dem zwei­ten na­tio­na­len Ti­tel für sei­nen Verein SIG (nach 2005) lief er nun fünf Jah­re lang ver­geb­lich hin­ter­her. Klar, 2015 hol­te er den fran­zö­si­schen Po­kal und den Li­ga­po­kal, doch un­term Strich war dies für Col­let und den Club zu we­nig. Für die Ver­ant­wort­li­chen von SIG Straß­burg war auf je­den Fall der Punkt er­reicht, die Ära Col­let zu be­en­den – der Ver­trag wur­de nicht ver­län­gert. Und mit dem Fin­nen Hen­rik Dett­mann auch schnell ein Coach ge­fun­den, der bei SIG ei­ne neue Ära ein­lei­ten soll. Dett­mann war schon Bun­des­trai­ner (1997 bis 2003; WM-Bron­ze 2002) und auch Coach der fin­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft. In der Bundesliga trai­nier­te er den Mit­tel­deut­schen BC (Ge­winn der Eu­roCup Chal­len­ge 2004) und Ener­gy Braun­schweig. Zu­letzt war der 58-Jäh­ri­ge Coach von Be­sik­tas Istan­bul. Dett­mann soll ein neu­es, er­folg­rei­ches SIGTeam auf­bau­en – als ers­te Kon­se­quenz muss­te Ol­die Lou­is Camp­bell ge­hen, der nicht ins An­for­de­rungs­pro­fil von Dett­mann passt. Nach vier Jah­ren gibt es für den US-Ame­ri­ka­ner kei­nen Platz mehr im SIG-Ka­der. Zu­mal der Spiel­ma­cher be­reits 37 Jah­re alt ist. Auch Ban­ga­ly Fo­fa­na und Kyle Weems (zu Be­sik­tas Istan­bul) sind weg, wäh­rend nach Aus­sa­gen von SIG-Prä­si­dent Mar­ti­al Bel­lon wei­ter mit Paul La­com­be, Matt Ho­ward und Jé­ré­my Le­loup ge­plant wird. Ver­pflich­tet wur­den be­reits der 25-jäh­ri­ge Fin­ne Erik Mur­phy und der 28-jäh­ri­ge Fran­zo­se Pa­pe Sy. Sie sol­len ih­ren Bei­trag da­zu leis­ten, aus SIG ei­nen eu­ro­päi­schen Spit­zen­club zu ma­chen. Der ers­te Schritt da­hin war die Pri­va­ti­sie­rung von SIG En­de Ju­ni. Ein Kon­sor­ti­um lo­ka­ler Fir­men hat rund 87 Pro­zent der An­tei­le im Be­sitz und strebt un­ter an­de­rem den Neu­bau ei­ner Bas­ket­ball-Are­na an. Auch das Bud­get wird er­höht. Von bis­her et­wa 6,2 Mil­lio­nen Eu­ro auf bis zu zehn Mil­lio­nen Eu­ro – da­mit wä­re man auf na­tio­na­ler Ebe­ne klar die Num­mer eins in der ProA. Und könn­te auch auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne wirt­schaft­lich oben mit­hal­ten. Die sport­li­che Kon­kur­renz­fä­hig­keit soll nun Dett­mann ga­ran­tie­ren.

Ex-Bun­des­trai­ner soll Er­folgs­team auf­bau­en

Mut­ter Fin­nin, Va­ter US-Ame­ri­ka­ner – Erik Mur­phy heu­ert bei SIG an. Sei­nen Coach Hen­rik Dett­mann kennt er be­reits. Mur­phy ist fin­ni­scher Na­tio­nal­spie­ler, Dett­mann war schon dort sein Trai­ner. Foto: imago

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