„Po­li­tik macht Spaß“

Erik Kos­zu­ta ist Deutsch­lands jüngs­ter Par­tei­vor­sit­zen­der

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER -

Deutsch­lands jüngs­ter Par­tei­vor­sit­zen­der mag es läs­sig: Erik Kos­zu­ta (20) trägt statt An­zug lie­ber Je­ans und T-Shirt oder Hemd, farb­lich „im Blau-Be­reich“. Im No­vem­ber 2014 hat der jun­ge Ber­li­ner mit sechs wei­te­ren Grün­dungs­mit­glie­dern die „Par­tei der Wäh­ler“ge­grün­det, mit der er am 18. Sep­tem­ber 2016 bei der Wahl zum Ab­ge­ord­ne­ten­haus – so heißt der Land­tag Ber­lins – an­tritt. Sein Ziel ist, „dass al­le Men­schen ein gu­tes und selbst­be­stimm­tes Le­ben füh­ren kön­nen“. Das Par­tei­pro­gramm der „Par­tei der Wäh­ler“sieht un­ter an­de­rem die Ab­schaf­fung von Schul­no­ten, kos­ten­lo­ses WLAN auf öf­fent­li­chen Plät­zen und Volks­ent­schei­de auf Bun­des­ebe­ne vor. Was Erik sonst aus­macht, ver­riet er im In­ter­view.

Erik, du bist 20 Jah­re alt und hast schon ei­ne Par­tei ge­grün­det. Wann hast du be­gon­nen, dich für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren? Weißt du noch, war­um?

Erik Kos­zu­ta: Al­le Ent­schei­dun­gen, die wir im Le­ben tref­fen, sind ir­gend­wo auch po­li­tisch. Mit 13 Jah­ren ha­be ich bei ei­ner Schü­lerDe­bat­te zum Bau ei­nes gro­ßen Stau­damms in Chi­na mit­ge­macht. Da­mals stand ich auf der Sei­te der Re­gie­rung. Das hat­te mir so viel Freu­de ge­macht, dass ich wei­ter­ma­chen woll­te, und zwar rich­tig! Ganz klas­sisch ha­be ich mich als Schü­ler­spre­cher in Po­li­tik aus­pro­biert und woll­te mit­be­stim­men. Es gibt we­nig jun­ge Leu­te in der Po­li­tik. Woran meinst du, liegt das?

Erik: Ich glau­be nicht, dass Po­li­tik we­nig jun­ge Men­schen in­ter­es­siert! Sie drü­cken nur häu­fig ih­re Mei­nung an­ders aus als über die ge­wähl­ten Volks­ver­tre­ter. Es gibt auch ei­nen Un­ter­schied da­zwi­schen, ei­ne po­li­ti­sche Mei­nung zu ha­ben und tat­säch­lich Be­rufs­po­li­ti­ker zu sein. Wer Po­li­tik zu sei­nem Be­ruf macht, muss sich mit ei­ner Brei­te von TheEu­ro­pa men be­schäf­ti­gen. Das er­scheint vie­len nicht so at­trak­tiv. Zu­dem ist man als jun­ger Po­li­ti­ker der­je­ni­ge im Par­la­ment, der schnell be­lä­chelt und als na­iv be­zeich­net wird. Po­li­ti­ker spre­chen oft um­ständ­lich oder be­nut­zen Wor­te, die kei­ner ver­steht. Es könn­te pas­sie­ren, dass da ir­gend­wann kei­ner mehr zu­hört, ob­wohl das The­ma wich­tig ist. Hast du ei­nen Tipp für uns, wie wir trotz­dem in­ter­es­siert blei­ben an po­li­ti­schen The­men?

Erik: Wer­det Ex­per­ten in den The­men, die euch wich­tig sind! Wenn je­der in sei­nem The­ma Ex­per­te ist und ihr euch in der Grup­pe aus­tauscht, wisst ihr, was die Po­li­ti­ker ei­gent­lich mei­nen und wol­len.

Wie stehst du zum Wahl­al­ter mit 16 Jah­ren und wo wür­dest du die Mit­spra­che Ju­gend­li­cher in der Po­li­tik aus­bau­en wol­len?

Erik: Da bin ich ab­so­lut da­für! Wir soll­ten so früh wie mög­lich als Bür­ger un­se­re Rech­te wahr­neh­men kön­nen. Jun­ge Men­schen wer­den mehr mit­be­stim­men wol­len, wenn sie wis­sen, ih­re Stim­me wiegt auch was. Bei The­men, die un­mit­tel­bar mit ih­nen zu tun ha­ben, et­wa Schu­le, soll­ten auch un­ter 16Jäh­ri­ge ge­fragt wer­den.

In Groß­bri­tan­ni­en ha­ben die Men­schen im Ju­ni da­für ge­stimmt, aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) aus­zu­tre­ten. Soll­ten wir in Deutsch­land auch ab­stim­men, wel­che EU wir ha­ben wol­len?

Erik: Ich fin­de es su­per, dass jetzt sol­che Fra­gen ge­stellt wer­den. Ja, wir soll­ten uns über­le­gen, was für ei­ne EU wir ha­ben möch­ten. Die Bür­ger in der EU wur­den beim Grün­dungs­pro­zess zu we­nig ein­ge­bun­den. Das hat bis heu­te die Fol­ge, dass sich die we­nigs­ten Men­schen in Eu­ro­pa als Eu­ro­pä­er se­hen. Das soll­ten wir jetzt un­be­dingt bes­ser ma­chen. Ich bin ab­so­lut da­für, dass wir in ge­mein­sam über un­se­re Zu­kunft dis­ku­tie­ren.

Kannst du dir Po­li­tik als Be­ruf vor­stel­len?

Erik: Auf je­den Fall. Po­li­tik ma­che ich ja schon und den­ke, da­mit kann ich nicht auf­hö­ren. Ich wer­de im­mer meh­re­re Din­ge gleich­zei­tig tun, aber Po­li­tik wird im­mer ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len.

Gibt es ein po­li­ti­sches Amt, das dich be­son­ders in­ter­es­siert?

Erik: So ge­fragt, fin­de ich die po­li­ti­sche Spit­ze sehr her­aus­for­dernd. War­um nicht mal Bür­ger­meis­ter von Berlin? Po­li­ti­ker ha­ben vol­le Ter­min­ka­len­der und da­durch we­nig Frei­zeit. Wä­re das für dich ein Grund, die Fin­ger von der Po­li­tik zu las­sen?

Erik: Nein, wenn es Spaß macht, ist es kei­ne Ar­beit und ich kann es gut mit mei­nem All­tag kom­bi­nie­ren.

Wel­chen Po­li­ti­ker wür­dest du auf ei­ne Cur­ry­wurst ein­la­den und dich mit ihm un­ter­hal­ten?

Erik: Ba­rack Oba­ma. Ich bin zwar oft nicht sei­ner Mei­nung, aber er hat es ge­schafft, Po­li­tik mit­rei­ßend zu ge­stal­ten. Das fin­de ich be­ein­dru­ckend!

Wenn du dich nicht mit Po­li­tik be­fasst, was sind dei­ne Hob­bys?

Erik: Jetzt im Som­mer lie­be ich es, in den Se­en Ber­lins schwim­men zu ge­hen. An­sons­ten ha­be ich ei­nen gro­ßen Freun­des­kreis, mit dem ich viel Zeit ver­brin­ge.

Und was ist dein Lieb­lings­out­fit?

Erik: Mei­ne Kla­mot­ten sind meis­tens recht schlicht ge­hal­ten. Al­so Je­ans und T-Shirt oder Hemd. Farb­lich be­we­ge ich mich viel im Blau-Be­reich. In­ter­view: Tan­ja Ka­sisch­ke

Der 20-jäh­ri­ge Ber­li­ner Erik Kos­zu­ta möch­te mit sei­ner „Par­tei der Wäh­ler“im Sep­tem­ber in das Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­haus ein­zie­hen. Er ist op­ti­mis­tisch: „Ich glau­be, al­les ist mög­lich“. Foto: Ju­li­us Erd­mann

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