„Ich wer­de mal Schä­fer“

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Mat­thi­as Be­nirsch­ke

Flo­ri­an wä­re die idea­le Be­set­zung für den „Geis­sen­pe­ter“in ei­ner „Hei­di“Ver­fil­mung. Blond, Som­mer­spros­sen, Filz­hut und vor al­lem: Er weiß, wo­von er re­det. Der Elf­jäh­ri­ge ist sich schon seit Jah­ren si­cher, dass er spä­ter mal als Schä­fer ar­bei­ten möch­te. Ach, was heißt spä­ter? Schon jetzt ver­bringt der Jun­ge aus Ham­burg fast je­den Sams­tag mit den Scha­fen und Zie­gen in der Fisch­be­ker Hei­de im Süd­wes­ten Ham­burgs. Auf­ruhr im Schaf­stall im Ham­bur­ger Stadt­teil Neu­gra­ben-Fisch­bek. Die Hei­dschnu­cken, ei­ne be­stimm­te Schaf­ras­se, wer­den ge­scho­ren, die Luft vi­briert vor lau­ter Mähhh und auf­ge­reg­tem Blö­ken. Hen­rik ist da­ge­gen ganz ge­las­sen. „Hen­rik ist im März zwei ge­wor­den“, be­rich­tet Flo­ri­an und füt­tert den brau­nen Zie­gen­bock mit Möh­ren. Und wie hat al­les an­ge­fan­gen? „Als ich ganz klein war, hat mich mein Va­ter oft im Bug­gy zum Bröt­chen­ho­len mit­ge­nom­men, und dann sind wir im­mer beim Schaf­stall vor­bei­ge­kom­men“, sagt Flo­ri­an und grinst. „Ich bin dann mit den Scha­fen mit­ge­gan­gen.“Er ha­be ein be­son­de­res Ver­hält­nis zu Tie­ren, ist Flo­ri­an über­zeugt. „Die Tie­re ver­ste­hen mich ir­gend­wie, so wie mei­ne Kat­ze. Die Schnu­cken kom­men zu mir und wol­len ge­krault wer­den. Und ei­ni­ge las­sen sich nur von mir krau­len.“Noch geht Flo­ri­an in die Sport­klas­se der Stadt­teil­schu­le Fisch­bek-Fal­ken­berg, Schwer­punkt Leichtathletik. Lie­ber Sport­ler oder Schä­fer? Der Jun­ge zö­gert nicht: Ich wür­de Schä­fer wäh­len.“Flo­ri­ans El­tern sind selbst et­was über­rascht von der Lei­den­schaft ih­res Soh­nes. „Wir sind schon er­staunt, dass die Be­geis­te­rung schon so lan­ge an­hält“, sagt die Mut­ter Ni­co­le. Flo­ri­ans Va­ter Bernd ist Da­ten-In­for­ma­ti­ons­tech­ni­ker. „Bü­ro? Das möch­te ich auf kei­nen Fall ma­chen“, sagt Flo­ri­an da­zu. Die Mut­ter ist Leh­re­rin. Aber bei­de El­tern kom­men vom Dorf. „Uns ist wich­tig, dass die Kin­der die Na­tur ken­nen- und schät­zen ler­nen. Und wenn die Freun­de ins Frei­bad ge­hen, dann zieht sich Flo­ri­an eben lan­ge Ho­sen an und geht zu den Scha­fen.“Vier Jah­re ist Flo­ri­an jetzt in­ten­siv da­bei, kennt die Hei­dschnu­cken, die Zie­gen und auch das Ge­schäft. Sei­ne Mut­ter sagt: „Er hat schon viel er­lebt, zum Bei­spiel dass ein Lämm­chen un­ter­wegs ge­bo­ren wird, und dann hat er es vor der Brust nach Hau­se ge­tra­gen. Er ist eben ein Na­tur­bur­sche.“

Ein ech­ter Na­tur­bur­sche aus Ham­burg: Flo­ri­an, hier mit zwei sei­ner Zie­gen. Foto: avs

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