Wem­bley­Te­le­gramm

Der Sonntag (Mittelbaden) - - 50 JAHRE „WEMBLEY-TOR“ -

Das „Wem­bley-Tor“ist der be­rühm­tes­te Tref­fer (oder bes­ser: Nicht-Tref­fer) in der Ge­schich­te des Fuß­balls. In der 101. Mi­nu­te des WMEnd­spiels zwi­schen En­g­land und Deutsch­land über­wand der eng­li­sche Stür­mer Ge­off Hurst am 30. Ju­li 1966 den deut­schen Tor­wart Hans Til­kow­ski mit ei­nem Schuss aus kur­zer Dis­tanz. Der Ball prall­te von der Un­ter­kan­te der Lat­te auf den Bo­den auf und wur­de dann von dem deut­schen Ver­tei­di­ger Wolf­gang We­ber übers Tor ins Tor­aus ge­köpft. Der Schwei­zer Schieds­rich­ter Gott­fried Di­enst ent­schied zu­nächst auf Tor­ab­stoß und erst nach Rück­spra­che mit dem so­wje­ti­schen Li­ni­en­rich­ter To­fik Bach­ra­mow auf Tor.

Was wä­re pas­siert, wenn ...: Die The­se, dass das End­spiel ei­nen an­de­ren Ver­lauf ge­nom­men hät­te, wenn Wolf­gang We­ber den Ball nicht ins Tor­aus ge­köpft, son­dern im Spiel ge­hal­ten hät­te, be­zeich­net der ehe­ma­li­ge Köl­ner Ver­tei­di­ger als „völ­lig rich­tig“. An­de­rer­seits sagt er aber auch: „Da ich mir ganz si­cher war, dass der Ball nicht im Tor war, ha­be ich na­tür­lich nicht auf­ge­hört, wei­ter­zu­spie­len, son­dern klär­te den Ball zur Ecke. Üb­ri­gens hat mal je­mand nach­ge­wie­sen, dass zwi­schen dem Tor­schuss von Hurst und mei­ner Klä­rung nur 1,1 Se­kun­den ver­gin­gen.“

Ku­ri­os: Beim Tur­nier 1966 in En­g­land wur­de fast kom­plett auf Na­tio­nal­hym­nen ver­zich­tet. Die Teil­nah­me von Nord­ko­rea brach­te die WMOr­ga­ni­sa­to­ren in Be­dräng­nis. Weil Groß­bri­tan­ni­en zu dem kom­mu­nis­ti­schen Land kei­ne di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen un­ter­hielt, durf­te die Hym­ne Nord­ko­reas nicht ge­spielt wer­den. Die FI­FA be­schloss des­halb, bei al­len Spie­len auf Hym­nen zu ver­zich­ten. Die Mann­schaf­ten wur­den statt­des­sen mit Mar­sch­mu­sik be­grüßt. Aus­nah­men gab’s beim Er­öff­nungs­spiel und dem Fi­na­le.

Das „Ak­tu­el­le Sport­stu­dio“im ZDF be­rich­tet am kom­men­den Sams­tag, dem 30. Ju­li, na­tür­lich auch über das „Wem­bley-Tor“: Zwei Vi­ze­Welt­meis­ter von 1966, der da­ma­li­ge Tor­hü­ter Hans Til­kow­ski und Ab­wehr­spie­ler Wolf­gang We­ber, wer­den an die­sem Tag im Deut­schen Fuß­ball­mu­se­um in Dort­mund sein – am Abend wer­den Sie dann ins Sport­stu­dio zu­ge­schal­tet, wo sie zum wie­der­hol­ten Ma­le be­stä­ti­gen wer­den, dass der Ball da­mals wirk­lich nicht drin war. ww/avs

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