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In­ga Rumpf: Ex-Frum­py-Sän­ge­rin wird 70 Jah­re alt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Ste­pha­nie Lett­gen

Ro­te Mäh­ne, blaue Au­gen und ei­ne knall­har­te Stim­me – so kün­dig­te Schau­spie­ler Wal­ter Gil­ler 1968 im Fern­se­hen die Ham­bur­ger Sän­ge­rin In­ga Rumpf bei ei­nem Schla­ger­wett­be­werb an. „Scha­de um die Trä­nen“sang die 21-Jäh­ri­ge, der Auf­tritt im Tüll­kleid blieb ei­ne kur­ze Epi­so­de. Mu­si­ka­lisch woll­te Rumpf an­de­re We­ge ge­hen. In ih­rer ers­ten Band, den Ci­ty Pre­achers, trom­mel­te einst Udo Lin­den­berg am Schlag­zeug. Mit Frum­py und At­lan­tis war die Rock­sän­ge­rin vor al­lem in den 70er Jah­ren er­folg­reich. Am Di­ens­tag, 2. Au­gust, wird die Mu­si­ke­rin 70 Jah­re alt. Ih­ren run­den Ge­burts­tag will Rumpf nicht groß fei­ern, son­dern mit ei­ner klei­nen Freun­des­run­de auf ih­rem Land­sitz in der We­ser­marsch in Nie­der­sach­sen ver­brin­gen. „Ich hal­te nichts von rie­si­gen Ge­burts­tags­fei­ern“, sagt die Sän­ge­rin. Über ihr Pri­vat­le­ben will sie nicht viel er­zäh­len. Noch im­mer ab­sol­viert Rumpf meh­re­re Auf­trit­te im Jahr – doch nicht zu vie­le. Denn Rei­sen fin­det sie „in­zwi­schen sehr stra­pa­zi­ös“. „Ich möch­te ger­ne, dass die Kon­zer­te gut sind und nicht, dass mei­ne Stim­me Scha­den er­lei­det“, sagt Rumpf. Zum 70. Ge­burts­tag gibt es im Au­gust zwei Ge­burts­tags­kon­zer­te in Hamburg und Ol­den­burg. „Das wird ro­ckig, sou­lig, blue­sig und gos­pe­lig – das wird ei­ne Quint­es­senz aus all dem, was ich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ge­macht ha­be“, kün­digt die Sän­ge­rin an. Ge­mein­sam mit mu­si­ka­li­schen Weg­be­glei­tern will sie mit Klas­si­kern wie dem Frum­py-Song „How the gyp­sy was born“die al­ten Zei­ten auf­le­ben las­sen. „In­ga hat nichts von ih­rer Kraft ver­lo­ren“, lau­te­te ein Kommentar im In­ter­net nach ei­nem Kon­zert im ver­gan­ge­nen Jahr. Rumpfs rau­chig-röh­ren­de Stim­me ist mar­kant. Schon als klei­nes Mäd­chen sang sie gern, ih­re da­ma­li­ge Schüch­tern­heit ver­schwand dann. Sehn­süch­tig wünsch­te sich die im Ham­bur­ger Stadt­teil St. Ge­org auf­ge­wach­se­ne Toch­ter ei­nes See­man­nes und ei­ner ost­preu­ßi­schen Schnei­de­rin ei­ne Gi­tar­re. „Bis sie dann, als ich elf war, Weih­nach­ten un­ter dem Baum lag. Da ging für mich das Le­ben los.“Be­rufs­wunsch Mu­si­ke­rin? Die El­tern wa­ren we­nig be­geis­tert. „Das ging gar nicht“, er­zählt Rumpf. „Die Zei­ten wa­ren an­ders als heu­te, wo je­der ir­gend­wie Su­per­star wer­den möch­te.“Der Mut­ter zum Ge­fal­len mach­te sie erst ein­mal ei­ne Leh­re – war gleich­zei­tig aber schon mit den Ci­ty Pre­achers auf Tour. 1971 wähl­ten die Le­ser vom „Mu­sik Ex­press“Frum­py zur „bes­ten deut­schen Rock­grup­pe“. Mit­te der 70er ging es nach En­g­land und in die USA. Dort trat Rumpf mit den US-Rock­bands Ae­ros­mith und Ly­nyrd Sky­nyrd auf. In den 80er Jah­ren wur­de es ru­hi­ger. Trotz al­ler Er­fol­ge – der gro­ße Durch­bruch blieb für Rumpf aus. „Ich bin kei­ne Main­stream­Frau“, sagt sie rück­bli­ckend. „Da­zu po­la­ri­sie­re ich zu viel, mei­ne Stim­me ist auch an­ders als die der meis­ten Sän­ge­rin­nen.“Wenn et­was zu kom­mer­zi­ell wur­de, „hat es bei mir ir­gend­wie aus­ge­setzt“. In den 90er Jah­ren stand für Rumpf wie­der der Gos­pel im Mit­tel­punkt. Ihr gro­ßes Vor­bild war im­mer „Gos­pel-Kö­ni­gin“Ma­ha­lia Jack­son. „Ich wer­de ihr nie das Was­ser rei­chen kön­nen, aber die hat mich in­spi­riert wie kei­ne an­de­re“, sagt Rumpf, die auch meh­re­re Jah­re als Do­zen­tin an der Ham­bur­ger Mu­sik­hoch­schu­le ar­bei­te­te. Rumpf sang auf Kir­chen­ta­gen und bei Kon­zer­ten im Chris­tu­spa­vil­lon der Welt­aus­stel­lung 2000 in Han­no­ver. Vie­le Jah­re gab sie Neu­jahrs­kon­zer­te im Ham­bur­ger Mi­chel und trat dort auch bei Mo­tor­rad-Got­tes­diens­ten auf. Rumpf hat in­zwi­schen hun­der­te Songs kom­po­niert. Für Ti­na Tur­ner schrieb sie das Lied „I wro­te a let­ter“. Den Blues­mu­si­ker B.B. King durf­te die Ham­bur­ge­rin auf des­sen Ab­schieds­tour 2006 in Deutsch­land be­glei­ten. Auch mit 70 denkt sie noch nicht dar­an, ih­re In­stru­men­te zur Seite zu le­gen. „Ich bin sehr ger­ne mit Mu­sik be­schäf­tigt, es wä­re Quatsch da­mit auf­zu­hö­ren“, sagt die stimm­ge­wal­ti­ge Sän­ge­rin. Sie will wei­ter auf Tour ge­hen und ro­cken. „Ich füh­le mich manch­mal si­cher schon wie 70, aber manch­mal eben auch wie 17.“

Fo­to: avs

Die Sän­ge­rin In­ga Rumpf steht seit Jahr­zehn­ten auf der Büh­ne und hat hun­der­te Songs kom­po­niert. Am Di­ens­tag fei­ert die Ham­bur­ge­rin ih­ren 70. Ge­burts­tag.

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