Von Kra­ken und Hai­en

Die neue Dau­er­aus­stel­lung im Na­tur­kun­de­mu­se­um Karls­ru­he

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Fo­to: Grie­ner/SMNK / Montage: SO

Der für zehn Mil­lio­nen Eu­ro sa­nier­te und aus­ge­bau­te West­flü­gel bie­tet zahl­rei­che At­trak­tio­nen

War­um se­hen Le­be­we­sen ei­gent­lich so aus, wie sie aus­se­hen? Wie hängt die Gestalt mit ih­rer Funk­ti­on zu­sam­men? Und was kön­nen wir Men­schen von der Na­tur für un­se­re tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen über­neh­men? Wer Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen sucht, soll­te sich un­be­dingt die spek­ta­ku­lä­re und so­eben er­öff­ne­te Dau­er­aus­stel­lung „Form und Funk­ti­on – Vor­bild Na­tur“im wie­der in Be­trieb ge­nom­me­nen West­flü­gel des Na­tur­kun­de­mu­se­ums Karls­ru­he an­schau­en. Die Na­tur als Vor­bild für tech­ni­sche Pro­blem­lö­sun­gen - da­mit be­schäf­tigt sich die Bio­nik. Die Aus­stel­lung in­for­miert über zahl­rei­che Er­geb­nis­se bio­ni­scher For­schung -mit Lo­tus- oder Hai­haut-Ef­fekt, Geck­oK­le­be­band oder künst­li­cher Sei­de be­geg­nen uns bio­ni­sche Ent­wick­lun­gen mitt­ler­wei­le auch im All­tag. Im Mit­tel­punkt der Aus­stel­lung steht je­doch zwei­fel­los das et­wa 16 Me­ter lange und sie­ben Me­ter brei­te Rie­senaqua­ri­um, in dem sich ne­ben 300 klei­nen Fi­schen und rund 200 Schne­cken auch ein zehn­jäh­ri­ger Schwarz­spit­zen-Riff­hai tum­melt, der Vi­va­ri­ums-Lei­ter Johann Kirch­hau­ser „ge­braucht“von ei­nem Münch­ner Pri­vat­mann an­ge­bo­ten wor­den war. „Als ich den Mann mal an­rief, ging sei­ne Frau ans Te­le­fon und rief: ’Kal­li, da ist Karls­ru­he am Te­le­fon!’“. In die­sem Mo­ment hat­te Kirch­hau­ser den Na­men für den Hai ge­fun­den: „Er heißt jetzt auch Kal­li, das passt doch pri­ma zu Karls­ru­he.“240 000 Li­ter fasst das rie­si­ge Meer­was­seraqua­ri­um. Bis zu drei Haie sol­len sich ir­gend­wann dort auf­hal­ten, zu­nächst will man aber mal ab­war­ten, wie sich „Kal­li“in der neu­en Um­ge­bung ver­hält. In dem Be­cken wird nach und nach auch das größ­te Koral­len­riff Deutsch­lands her­an­wach­sen, und zwar, so Kirch­hau­ser, „mit ech­ten, le­ben­den Koral­len, nicht mit Plas­tik­ko­ral­len wie in so man­chen Be­su­cher-Aqua­ri­en, de­ren Na­men ich jetzt nicht nen­nen möch­te“. Das Mu­se­um hat­te ei­gens Riff­ge­stein aus Ba­li ein­flie­gen las­sen und selbst ge­züch­te­te Koral­len dar­auf­ge­setzt. Johann Kirch­hau­ser war so glück­lich über die vie­len neu­en Se­hens­wür­dig­kei­ten, dass er beim Er­öff­nungs­rund­gang vom „High­light mei­nes Aqua­rier­le­bens“sprach. Und zu so ei­nem Le­ben ge­hört auch, dass er selbst mal ins Be­cken steigt, um mit den klei­nen Fi­schen und dem (mit­tel­gro­ßen) Hai zu tau­chen. „Der isst üb­ri­gens am liebs­ten Do­ra­de, und zwar kriegt er al­le drei Tage was zu essen“. Das zeugt, so der Ex­per­te, von ei­nem gu­ten Ap­pe­tit, denn zu­vor in Mün­chen hat­te der Hai le­dig­lich al­le zwei Wo­chen Hunger ver­spürt. Nach den Wor­ten von Pro­jekt­lei­ter Man­fred Ver­haagh soll die neue Aus­stel­lung „ein Streif­zug durch die be­leb­te und or­ga­nis­mi­sche Na­tur sein“. Vor acht Jah­ren sei der West­flü­gel „po­li­tisch ge­neh­migt“wor­den, an­schlie­ßend hät­ten er und Kirch­hau­ser die „küh­ne Idee“ge­habt, et­was ganz Be­son­de­res auf die Bei­ne zu stel­len. Jetzt ha­ben sie ihr Ziel er­reicht, auch dank der sehr tat­kräf­ti­gen Hil­fe der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rin Pe­tra Gu­der, die al­les Un­mög­li­che ir­gend­wie mög­lich mach­te. Be­ein­dru­ckend an der neu­en Aus­stel­lung ist, wie über­haupt am gan­zen Na­tur­kun­de­mu­se­um, die Tat­sa­che, dass hier le­ben­de ne­ben to­ten Tie­ren zu se­hen sind. Gleich ne­ben dem Hai­fisch­be­cken hängt ein rie­sen­gro­ßes Nord­ka­per-Wal-Ori­gi­nalske­lett an der De­cke, da­ne­ben kann man ei­ne 700 Jah­re al­te Baum­schei­be ei­nes Mam­mut­baums mit ei­nem Durch­mes­ser von über zwei Me­tern be­stau­nen. Vie­le Mo­del­le so­wie Me­di­en- und Mit­mach­Sta­tio­nen, auf­ge­baut zwi­schen zell­för­mi­gen Groß­be­cken und Raum­tei­lern, ga­ran­tie­ren ei­nen un­be­schwer­ten Mu­se­ums­spaß für die gan­ze Fa­mi­lie. Das lange War­ten hat sich ge­lohnt.

Fo­to: Ar­tis

Er ist der Star der neu­en Aus­stel­lung: Der zehn­jäh­ri­ge Schwarz­spit­zen-Riff­hai, dem Vi­va­ri­ums­lei­ter Jo­han­nes Kirch­hau­ser den Na­men „Kal­li“gab, tum­melt sich im rie­sen­gro­ßen Meer­was­seraqua­ri­um.

Fo­to: Na­tur­kun­de­mu­se­um/Grie­ner

Be­ein­dru­ckend ist auch die na­tur­ge­treue Nach­bil­dung ei­ner aus­tra­li­schen Ufer­land­schaft, in der nicht nur die­se freund­lich drein­bli­cken­den Süß­was­ser­kro­ko­di­le, son­dern auch Schild­krö­ten le­ben.

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