Olym­pia-Start rückt nä­her

Am 5. Au­gust wer­den die Olym­pi­schen Spie­le in Rio de Janei­ro er­öff­net

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Pe­ter Tre­bing

Pro­ble­me über Pro­ble­me bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio de Janei­ro, die of­fi­zi­ell am 5. Au­gust fei­er­lich er­öff­net wer­den. Rund 10 000 Sport­ler aus 206 Län­dern wer­den dann in Bra­si­li­en in 42 Sport­ar­ten um ins­ge­samt 2 488 Me­dail­len kämp­fen. Für die Si­cher­heit bei Olym­pia sol­len ins­ge­samt 85 000 Si­cher­heits­kräf­te sor­gen.

Wer will, der kann in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag ab 1 Uhr (MESZ) bei der ARD die Er­öff­nungs­fei­er der Olym­pi­schen Spie­le mit­er­le­ben. Los geht es in Rio aber ei­gent­lich schon am Mitt­woch, 3. Au­gust, wenn um 21 Uhr im Tur­nier der Fuß­bal­le­rin­nen Gast­ge­ber Bra­si­li­en auf Chi­na trifft. Noch drei­mal schla­fen – und dann re­giert end­lich wie­der Olym­pia, das „Tref­fen der Ju­gend der Welt“. Doch ech­te Vor­freu­de, die scheint Man­gel­wa­re in die­sen Ta­gen zu sein. Und dies nicht nur we­gen der vie­len Pro­ble­me, mit de­nen sich die Or­ga­ni­sa­to­ren und Teil­neh­mer rum­schla­gen müs­sen. Schwim­mer, Seg­ler, Ka­nu­ten und Ru­de­rer müs­sen in wah­ren Kloa­ken um Me­dail­len kämp­fen, die Un­ter­künf­te der Ath­le­ten wur­den erst in buch­stäb­lich letz­ter Mi­nu­te be­wohn­bar ge­macht. Ter­ror­ge­fahr und die in Rio per­ma­nent prä­sen­te All­tags­kri­mi­na­li­tät trü­ben die Stim­mung und prä­gen das Stra­ßen­bild – die rund 85 000 Si­cher­heits­kräf­te sind nun mal nicht zu über­se­hen. Und ob die Be­su­cher wirk­lich rei­bungs­los zu den Wett­kampf­stät­ten kom­men wer­den, weiß der­zeit noch nie­mand. Die Me­tro be­ginnt erst mor­gen ih­ren Be­trieb. Ob sie wirk­lich funk­tio­niert, weiß man wohl erst da­nach. Ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len sind im Zu­sam­men­hang mit den Olym­pi­schen Spie­len an der Ta­ges­ord­nung. Schon seit Mo­na­ten et­wa ist das The­ma Zi­ka-Vi­rus ak­tu­ell. Et­li­che, zum Teil pro­mi­nen­te Sport­ler ver­zich­ten des­halb auf ei­nen Start. Wie man mit der ge­fähr­li­chen In­fek­ti­ons­krank­heit um­ge­hen soll, weiß of­fen­sicht­lich nie­mand ganz ge­nau. Igno­rie­ren je­den­falls ist nicht an­ge­bracht. Die deut­sche De­le­ga­ti­on hat Un­men­gen von Mü­cken­spray im Ge­päck, da­zu Mos­ki­to­net­ze und Flie­gen­git­ter. Und wer die Be­dro­hung ernst nimmt, der ver­zich­tet auch auf Sex in Bra­si­li­en. Da­bei soll die An­ste­ckungs­ge­fahr an­geb­lich be­son­ders hoch sein. Die Freude auf Rio wur­de aber auch vom In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee (IOC) ge­trübt. Das rus­si­sche Staats­do­ping wur­de nur mil­de sank­tio­niert – le­dig­lich die Leicht­ath­le­ten traf es hart, weil de­ren Welt­ver­band ri­go­ros auf di­ver­se Ent­hül­lun­gen rus­si­scher Ma­chen­schaf­ten re­agier­te. IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach woll­te die­sen Weg nicht mit­ge­hen. Er scheu­te die Kon­fron­ta­ti­on mit dem rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin und steck­te da­für je­de Men­ge Kri­tik ein. Fakt ist, dass Russ­land in Rio wei­ter ein recht gro­ßes Teil­neh­mer­feld auf­bie­ten kann. Fakt ist auch, dass Yu­liya Ste­pa­no­va, die maß­geb­lich dar­an be­tei­ligt war, dass die rus­si­sche Do­ping-Pra­xis über­haupt erst pu­blik wur­de, nicht in Rio star­ten darf. Die 800-Me­ter-Läu­fe­rin er­fül­le nicht die ethi­schen Anforderungen für ei­ne Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len. Ei­ne merk­wür­di­ge Dop­pel­mo­ral, für die in ers­ter Li­nie der Deut­sche Tho­mas Bach die Ver­ant­wor­tung trägt. Da­für gab es un­ter an­de­rem vom deut­schen Dis­kus­wer­fer Ro­bert Har­ting mäch­tig auf die Oh­ren: „Er ist für mich Teil des Do­ping-Sys­tems, nicht des An­ti­Do­ping-Sys­tems. Ich schä­me mich für Bach.“Und Eis­schnell­läu­fe­rin Clau­dia Pech­stein war auch nicht zim­per­lich bei der Beur­tei­lung des IOC-Prä­si­den­ten: „Bach hat sich po­li­tisch kau­fen las­sen. Er lügt die Welt an.“Die Rol­le, die das IOC im kom­ple­xen und kom­pli­zier­ten rus­si­schen Do­ping-Skan­dal spielt, ist de­fi­ni­tiv frag­wür­dig. Die nicht aus­ge­spro­che­ne kom­plet­te Su­s­pen­die­rung Russ­lands war im Prin­zip ein De­sas­ter, denn da­mit scha­det der Ver­band sei­nem Vor­zei­ge­pro­dukt Olym­pia. Das hat zu­min­dest mo­ra­lisch wei­ter an Wert ver­lo­ren. Und an Sym­pa­thie.

Vie­le Pro­ble­me sor­gen für mie­se Stim­mung

Fo­to: avs

Be­wäh­rungs­pro­be – die Olym­pi­schen Spie­le in Bra­si­li­en sind zu ei­ner ganz be­son­de­ren Her­aus­for­de­rung ge­wor­den. Der Um­gang des IOC mit dem rus­si­schen Staats­do­ping, die Angst vor Ter­ror und Ge­walt­kri­mi­na­li­tät, un­zu­mut­ba­re Zu­stän­de an den Wett­kampf­stät­ten der Seg­ler, Ka­nu­ten und Ru­de­rer und die mas­si­ven Pro­ble­me der Or­ga­ni­sa­to­ren, ei­ne funk­tio­nie­ren­de In­fra­struk­tur auf­zu­bau­en, trü­ben die Stim­mung in Rio.

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