Die Re­gi­on

Bär­bel Stolz: So lebt ei­ne Schwä­bin in Ber­lin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Ka­trin Kö­nig Bär­bel Stolz I

Um das We­sent­li­che vor­weg­zu­neh­men: Bär­bel Stolz ist Schau­spie­le­rin, preis­ge­krön­te Blog­ge­rin und nun auch Buch­au­to­rin („Isch des bio?“). Auf der Schwä­bi­schen Alb auf­ge­wach­sen, lebt sie seit 1996 in Ber­lin, ist mit ei­nem TV-Jour­na­lis­ten ver­hei­ra­tet und hat zwei Kin­der. Be­rühmt­heit er­lang­te sie über Vi­deo-Clips, in de­nen sie die Come­dy-Fi­gur der „Prenzlschwä­bin“dar­stellt und sich mit ei­nem aus­ge­präg­ten Hang zu Selbst­iro­nie und Sa­ti­re an Vor­ur­tei­len über Schwa­ben (und Ber­li­ner) „ab­ar­bei­tet“, wie sie das nennt. In­ter­es­sant ist aber auch die Vor­ge­schich­te die­ser quir­li­gen Frau, denn der Groß­va­ter von „Bär­bel“(ge­spro­chen Brbl), ein Schus­ter, grün­de­te einst die Frei­licht­büh­ne in Hay­in­gen (Kreis Reutlingen), ihr Va­ter ist Schau­spie­ler und Au­tor; er wirk­te un­ter an­de­rem in der TV-Se­rie „Die Fal­lers“mit. „Mein Va­ter“, sagt Stolz, „ist der Ge­nia­le­re von uns bei­den“. Und ihr gro­ßes Vor­bild. Auch ih­re ei­ge­ne Be­ga­bung zeich­ne­te sich in­des schon früh ab: Mit zehn Jah­ren et­wa ge­wann sie ei­nen Er­zähl­wett­be­werb. „Ich wur­de Eh­ren­bür­ge­rin von Le­go­land“, sagt sie mit dem ihr ei­ge­nen Hu­mor. Die fas­zi­nie­ren­de Leich­tig­keit und der Op­ti­mis­mus, mit de­nen sie über ihr Le­ben plau­dert, ha­ben ihr ne­ben ih­rem Ta­lent si­cher vie­le We­ge ge­eb­net: Es über­rascht auch nicht, dass sie gleich beim ers­ten An­lauf an der re­nom­mier­ten Ber­li­ner Ernst-Bu­schSchau­spiel­schu­le an­ge­nom­men wur­de. Stolz nahm das als Schick­sals­wink – an­sons­ten, sagt sie, hät­te sie eben Me­di­zin stu­diert. Spä­ter über­nahm sie Rol­len in ZDF-Se­ri­en, auch ei­ne Ne­ben­rol­le in „Fack Ju Göh­te“, leg­te dann aber ei­ne Ba­by­pau­se ein. Zum Glück, mag man heu­te den­ken, denn ih­ren ers­ten Vi­deo­clip zur Schwa­ben-The­ma­tik dreh­te sie ge­mein­sam mit ih­rem Mann und ih­rem Bru­der als Cas­ting-Vi­deo, um be­ruf­lich wie­der Fuß zu fas­sen. Auf­grund des enor­men Zu­laufs ent­stand bald dar­auf das YoutubeFor­mat der Prenzlschwä­bin. „Mein Bei­trag ‚Shit Prenzlschwa­ben say’ er­hielt ei­ne hal­be Mil­li­on Klicks, das war nicht vor­her­seh­bar. Dar­auf­hin rie­fen die Ver­la­ge an.“Und Stolz schrieb ein Buch. „Isch des bio? Die Prenzlschwä­bin er­zählt aus ih­rem Kiez“(er­schie­nen bei Gold­mann) ba­siert auf Er­leb­nis­sen der Au­to­rin, an­ge­fan­gen bei ih­rer An­kunft in Ber­lin. Na­tür­lich nutz­te sie auch künst­le­ri­sche Frei­heit, sagt sie: Tiefs­tes Schwä­bisch wie die Prot­ago­nis­tin des Buchs re­de sie zum Bei­spiel nicht, „bei uns zu Hau­se wur­de ja Hoch­deutsch ge­spro­chen“. Als Schau­spie­le­rin müs­se sie aber oh­ne­hin mit Spra­che spie­len kön­nen: „Det jeht dann schon“, ant­wor­tet sie ber­li­ne­risch auf die Fra­ge, ob sie sich denn in ih­rer Wahl­hei­mat auch sprach­lich an­pas­se. Nach­dem Stolz das Schrei­ben „to­tal Spaß mach­te“, er­war­tet sie nun ge­spannt die Re­ak­tio­nen der Le­ser. „Das Buch ist per­sön­li­cher als die Come­dy-Sa­ti­re“, sagt sie. „Da steckt viel Bär­bel drin.“Zugleich ar­bei­te sie in der ge­wohn­ten Trio-Kon­stel­la­ti­on mit Mann und Bru­der an For­ma­ten, die am Buch ori­en­tiert sei­en. Und zum Schluss noch ei­ne na­he­lie­gen­de Fra­ge: Sind Schwa­ben und Ber­li­ner denn wirk­lich so an­ders? Stolz: „Ehr­lich ge­sagt: Nein. Und Dorf­dep­pen gibt es übe­r­all.“

Fo­to: Joa­chim Gern

Sie spielt mit der Spra­che von Schwa­ben und Ber­li­nern so­wie mit Vor­ur­tei­len: Bär­bel Stolz macht aus ei­ge­nen Er­fah­run­gen in der Haupt­stadt viel­ge­klick­te Vi­de­os und nun auch ein Buch.

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