Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

Di­xi-Klos für Mons­ter-Jä­ger

Aus­ge­rech­net Bill Ga­tes ist beim Hy­pe um das Han­dy-Spiel „Po­ké­mon Go“noch nicht da­bei. Er ha­be die Smart­pho­neApp noch nicht aus­pro­biert, sag­te der 60-Jäh­ri­ge. Schenkt man den Me­dien­be­rich­ten der ver­gan­ge­nen Wo­chen Glau­ben, dann ist der Mi­cro­soft-Mit­grün­der wohl ei­ner der al­ler­letz­ten Men­schen auf der Er­de, der die­ser wahn­wit­zi­gen Sucht noch nicht ver­fal­len ist. Ob auf Stra­ßen oder in Parks – übe­r­all lau­fen der­zeit Leu­te mit Smart­pho­nes in der Hand her­um und ver­su­chen, klei­ne Ta­schen-Mons­ter ein­zu­fan­gen. Die „Po­ké­mon“wer­den bei ein­ge­schal­te­ter Ka­me­ra auf dem Bild­schirm in die ech­te Um­ge­bung ein­ge­blen­det. In Ja­pan geht der Hy­pe mitt­ler­wei­le so weit, dass die Jagd auf die vir­tu­el­len Mons­ter, die übe­r­all ver­steckt sein kön­nen, selbst vor den Ge­denk­stät­ten der Atom­bom­ben­op­fer in Na­ga­sa­ki und Hi­ro­shi­ma nicht halt macht. Die Stadt­obe­ren ha­ben da­her den Be­trei­ber des Smart­pho­ne-Spiels auf­ge­for­dert, die Frie­dens­ge­denk­stät­ten von den „Po­ké­mon Go“-Jagd­grün­den aus­zu­neh­men. Auch hier­zu­lan­de schei­nen im­mer mehr Men­schen ge­ra­de­zu durch­zu­dre­hen, wenn es dar­um geht, die klei­nen Mons­ter ein­zu­fan­gen. Auf der Düs­sel­dor­fer Fla­nier­mei­le Kö ist das Po­ké­mon-Fie­ber mitt­ler­wei­le so groß ge­wor­den, dass die Stadt die Fans mit Ab­sperr­git­tern schüt­zen und vier Di­xi-Klos auf­stel­len will. Bei gro­ßem An­drang wer­de die Gi­rar­det-Brü­cke an der Kö­nigs­al­lee zeit­wei­se für den Au­to­ver­kehr ge­sperrt, gab Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel be­kannt. Mit­ar­bei­ter des städ­ti­schen Ord­nungs­diens­tes über­prü­fen stünd­lich die La­ge und sper­ren ge­ge­be­nen­falls die Fahr­bahn. Da­mit sol­le die „Ver­kehrs­si­cher­heit für die Spie­len­den, aber auch für an­de­re Pas­san­ten“ge­währ­leis­tet wer­den. In Nab­burg in der Ober­pfalz wehr­te sich ein Mann mit ra­bia­ten Mit­teln ge­gen die Po­ké­mon-Su­cher. Er schlug mit ei­nem Holz­stock auf ein par­ken­des Au­to ein. Nach An­ga­ben des Man­nes tref­fen sich Tag und Nacht Spie­ler mit lau­fen­dem Au­to­mo­tor und lau­ter Mu­sik vor sei­nem Haus. Of­fen­sicht­lich be­fin­det sich dort ei­nes der fik­ti­ven Mons­ter, Ein Gu­tes zu­min­dest hat die vir­tu­el­le Mons­ter­jagd aber doch: Nach An­sicht der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se bringt sie „fau­le Stu­ben­ho­cker“in Be­we­gung. Und das wä­re doch ein pri­ma Prä­ven­ti­ons­an­satz ge­gen Rü­cken­schmer­zen und Über­ge­wicht.

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