Start mit nur ei­ner Nie­re

Rad­sport­le­rin Tri­xi Wor­rack stand vor En­de der Kar­rie­re

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Sid

Wenn heu­te bei den Olym­pi­schen Spie­len im Radsport das Stra­ßen­ren­nen der Da­men ge­star­tet wird, dann ist mit Tri­xi Wor­rack ei­ne deut­sche Sport­le­rin da­bei, die ein er­staun­li­ches Come­back fei­er­te: Nach ei­nem Un­fall im Früh­jahr muss­te ihr ei­ne Nie­re ent­fernt wer­den. Die Cott­bus­se­rin ließ sich aber nicht von ih­rem Weg ab­brin­gen.

Es war ei­gent­lich ein ganz nor­ma­ler Sturz im März, „gar nicht schlimm“, er­in­nert sich Tri­xi Wor­rack. Bei ei­nem ita­lie­ni­schen Ren­nen kol­li­dier­te sie nach ei­ner Kur­ve wohl mit ei­ner Kon­kur­ren­tin und fiel auf ih­re lin­ke Sei­te – ein Un­fall wie er im Radsport dut­zend­fach vor­kommt. Von au­ßen wa­ren auch kaum Ver­let­zun­gen zu se­hen, die Fol­gen aber trotz­dem dra­ma­tisch. Wor­rack be­kam höl­li­sche Schmer­zen, über­gab sich des­we­gen so­gar. Bei ei­ner ge­nau­en Un­ter­su­chung der Schock: die lin­ke Nie­re war drei­fach ge­ris­sen. Mit Blau­licht wur­de sie in ein Kran­ken­haus nach Va­re­se ge­fah­ren, die Nie­re in ei­ner No­tope­ra­ti­on um­ge­hend ent­fernt. Wor­rack hat­te viel Blut im Bauch, die Si­tua­ti­on war le­bens­be­geis­tert droh­lich. „Die ers­te Wo­che nach der OP ha­be ich ge­dacht, die Kar­rie­re ist zu En­de. Aber dann ging es peu a peu vor­an“, er­zählt die ge­bür­ti­ge Cott­bu­se­rin. Und sie fass­te den Ent­schluss zu­rück­zu­kom­men, die Leis­tungs­kur­ve ging über­ra­schend schnell wie­der nach oben. 83 Ta­ge nach dem Crash fei­er­te Wor­rack ihr Come­back, bald dar­auf ge­wann die vier­ma­li­ge Welt­meis­te­rin im Te­am­zeit­fah­ren die deut­sche Meis­ter­schaft im Kampf ge­gen die Uhr – ei­ne Sen­sa­ti­on. Viel ge­än­dert hat sich seit den ban­gen St­un­den nicht, das Le­ben mit nur ei­ner Nie­re sei „ei­gent­lich nicht an­ders.“Ein­schrän­kun­gen ha­be sie nicht, ein­zig re­gel­mä­ßi­ge Blut­kon­trol­len sei­en nö­tig. Wor­rack ist gesund und über vier Mo­na­te nach dem Un­glück nun be- von der At­mo­sphä­re im Olym­pi­schen Dorf und in der deut­schen Mann­schaft. „Es ist ein tol­les Kli­ma und ich füh­le mich in gu­ter Ver­fas­sung“, sagt Wor­rack und strahlt. Bei ih­rer vier­ten Olym­pia-Teil­nah­me wagt sie kei­ne Pro­gno­se, we­der für das Stra­ßen­ren­nen der Frau­en heu­te (Start 17.15 Uhr MESZ), noch für das Ein­zel-Zeit­fah­ren am 10. Au­gust. Wor­rack lässt al­les auf sich zu­kom­men, oh­ne Druck und vol­ler Vorfreude. „Ich will schö­ne Ren­nen fah­ren. Es ist et­was so Be­son­de­res, nach­dem ich so ei­ne har­te Zeit hat­te“, sagt sie. Doch nur da­bei sein, will Wor­rack frei­lich auch nicht. „Bei uns hat das Olym­pia-Ren­nen ei­nen noch hö­he­ren Stel­len­wert als bei den Män­nern“, sagt die WM-Zwei­te von 2006.

Come­back nach schwe­rem Un­fall im Früh­jahr: Nach ei­nem Rad­un­fall wur­de Tri­xi Wor­rack in Ita­li­en ei­ne Nie­re per No­tope­ra­ti­on ent­fernt. 83 Ta­ge spä­ter ge­wann sie sen­sa­tio­nell wie­der ei­ne deut­sche Meis­ter­schaft. Heu­te star­tet sie beim Stra­ßen­ren­nen in Rio. Fo­to: Ima­go

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