Wo Lach­se Trep­pen stei­gen

Den Rhein auf­wärts wan­dern­de Fi­sche live: Im Be­su­cher­zen­trum bei Gambs­heim/Rhein­au

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Ka­trin Kö­nig

Einst war der Rhein ein wil­der, weit ver­zweig­ter, manch­mal über zwei Ki­lo­me­ter brei­ter Was­ser­lauf: Ei­ner der größ­ten Lachs­flüs­se Eu­ro­pas. Der Mensch ge­stal­te­te den Fluss im 19. und 20. Jahr­hun­dert ent­schei­dend um und be­gra­dig­te ihn; An­fang der 1960er Jah­re ver­schwan­den schließ­lich die Lach­se aus dem Fluss. „Fisch­päs­se“an Stau­däm­men, wie auch die Fisch­trep­pe in Gambs­heim/Rhein­au, wur­den un­ter an­de­rem mit dem Ziel kon­zi­piert, den Lachs im Rhein wie­der ein­zu­bür­gern und es auch wei­te­ren Wan­der­fi­schen wie Meer­fo­rel­le, Mai­fisch und Aal zu er­mög­li­chen, in ih­re Laich­grün­de „auf­zu­stei­gen“. Un­ter­stützt durch EU-För­der­mit­tel star­te­ten die Kom­mu­nen Gambs­heim (Frank­reich) und Rhein­au (Deutsch­land) 2007, ein Jahr nach dem Bau des We­hes im Rheinare­al zwi­schen Karls­ru­he und Straß­burg, an der Pas­sa­ge 309 das Be­su­cher­zen­trum „Fisch­trep­pe“. Im Zen­trum wer­den die Be­su­cher nicht nur in­for­miert über das Öko­sys­tem „Rhein“, sei­ne Ge­schich­te und Geo­gra­fie so­wie den Weg von Wan­der­fi­schen vom Meer in die Flüs­se und das Prin­zip der Fisch­trep­pen: Ein ein­drucks­vol­ler Be­ob­ach­tungs­be­reich er­mög­licht ih­nen zu­dem den Blick un­ter das Was­ser­ni­veau in Be­cken der Fisch­trep­pe. Zu­dem wur­den Kar­p­fen in ei­nem Be­rüh­rungs­be­cken vom Per­so­nal an Men­schen ge­wöhnt – sie las­sen sich „strei­cheln“. Und es gibt ein

Pro Jahr schwim­men 35 000 Fi­sche vor­bei

Aqua­ri­um, in dem man ei­ni­ge der Fi­sche, die durch den Rhein wan­dern, mit Ge­wiss­heit zu se­hen be­kommt. Im Be­ob­ach­tungs­be­reich ist es näm­lich nicht si­cher, dass man die Tie­re wirk­lich „live“beim Vor­bei­zie­hen be­ob­ach­ten kann: Laut der Lei­te­rin des Zen­trums, der Tou­ris­mus­be­auf­trag­ten Léa Lang­lois, gibt es da­für selbst wäh­rend der Haupt­wan­der­zei­ten der Fi­sche kei­ne Ga­ran­tie. Léa Lang­lois ver­bringt viel Zeit im Zen­trum und ih­re Pau­sen gern auf den Trep­pen vor den Glas­schei­ben im Be­ob­ach­tungs­be­reich. Sie hat hier schon et­li­che Fi­sche vor­bei­zie­hen se­hen. Am im­po­san­tes­ten sind ihr Lach­se in Er­in­ne­rung: „Sie sind rie­sig, sehr schnell und wun­der­schön.“Merk­wür­dig sei, dass zu­neh­mend Aa­le ge­sich­tet wür­den, ei­gent­lich nacht­ak­ti­ve Fi­sche. Ein Kol­le­ge von ihr ha­be jüngst auch ei­nen 1,30 Me­ter gro­ßen Kar­p­fen be­ob­ach­tet. Ins­ge­samt, so er­zählt sie, gibt es im Rhein um die 30 Fi­sch­ar­ten, dar­un­ter fünf Wan­der­fi­sche und lo­ka­le Fi­sch­ar­ten. War­um es den Kom­mu­nen wich­tig war, ih­ren Fisch­pass der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen, er­klärt Léa Lang­lois mit ei­ner Er­wei­te­rung des tou­ris­ti­schen An­ge­bots und der För­de­rung der deutsch-fran­zö­si­schen Be­zie­hun­gen in Kom­bi­na­ti­on mit der Sen­si­bi­li­sie­rung für Na­tur und Um­welt – kon­kret für den Rhein und sei­ne Flo­ra und Fau­na so­wie hie­si­ge Re­na­tu­rie­rungs­pro­jek­te. Pro Jahr zählt das Zen­trum um die 15 000 Be­su­cher (zu glei­chen Tei­len Fran­zo­sen und Deut­sche), dar­un­ter vie­le Schul­klas­sen und Kin­der­grup­pen. „Wir ha­ben Part­ner wie die As­so­cia­ti­on Sau­mon-Rhin, die die bio­lo­gi­schen Aspek­te be­glei­ten, und den Fi­sche­rei­ver­band Ba­den-Würt­tem­berg. Über die Dau­er­aus­stel­lung mit In­fo-Ta­feln samt Vi­de­os und Au­dio-Gui­des hin­aus bie­ten wir Führ­u­nin gen an. Hin­zu kom­men Son­der­aus­stel­lun­gen, die­sen Som­mer zum Bei­spiel his­to­ri­sche Fo­tos des Rheins und Mo­dell­schif­fe.“Und an den Wän­den – da fin­det man die Zäh­ler­geb- nis­se der Fischwan­de­run­gen. Laut Léa Lang­lois sind es um die 35 000 Fi­sche pro Jahr, die von der Nord­see aus kom­mend die Fisch­trep­pe bei Gambs­heim nut­zen („ei­ne der größ­ten ganz Eu­ro­pa“), um in die Bru­che zu zie­hen und dort zu lai­chen, oder auch, um in die Kin­zig und die Schut­ter zu schwim­men. „Ziel ist, an je­dem Was­ser­kraft­werk ei­ne Fisch­trep­pe ein­zu­rich­ten. Die­ses Jahr kam ei­ne in Straß­burg hin­zu“, be­rich­tet Léa Lang­lois. Ein wach­sen­des öko­lo­gi­sches Be­wusst­sein ha­be da­zu ge­führt, dass der Mensch ver­su­che, Feh­ler der Ver­gan­gen­heit wie­der gut­zu­ma­chen, glaubt Lang­lois. Das Zen­trum bie­tet dar­über hin­aus im Au­ßen­be­reich ei­nen Aus­sichts­punkt mit Blick auf das Ge­län­de der Fisch­trep­pe und ei­ne Be­su­cher­ter­ras­se, wo man et­wa die die of­fe­nen Be­cken und das flie­ßen­de Was­ser be­trach­ten kann. „Von au­ßen aus kann man auch ide­al die Ein­stiegs­stel­len der Fi­sche, das Klein­kraft­werk und die Reu­se be­stau­nen.“Drei- bis vier­mal pro Jahr, er­zählt Léa Lang­lois, wird die Fan­greu­se in Be­trieb ge­setzt: „Wenn ge­nug Fi­sche in den Be­cken sind, ins­be­son­de­re Lach­se, be­hält man sie zwecks künst­li­cher Fort­pflan­zung.“Léa Lang­lois, die als Toch­ter ei­ner Deut­schen und ei­nes Fran­zo­sen zwei­spra­chig auf­wuchs, liebt die Na­tur; sie emp­fin­det die Fisch­trep­pe nicht nur als ih­ren Ar­beits­platz. „Es ist ein schö­ner und un­ge­wöhn­li­cher Ort.“Und das, ist sie über­zeugt, „emp­fin­den auch die Be­su­cher“.

Zwi­schen Karls­ru­he und Straß­burg gibt es ei­ne der größ­ten Fisch­trep­pen Eu­ro­pas. Im zu­ge­hö­ri­gen Be­su­cher­zen­trum kön­nen Be­su­cher auch Kar­p­fen „strei­cheln“, wie Léa Lang­lois zeigt.

Blick auf Be­cken der Fisch­trep­pe Gambs­heim/Rhein­au: Die Trep­pe er­mög­licht es Wan­der­fi­schen wie dem Lachs, aber auch lo­ka­len Ar­ten, die Stau­stu­fe im Rhein zu über­win­den. Fo­tos: Kö­nig

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