Ei­nen gro­ßen Traum rea­li­siert

Schwim­men: Phelps ver­liert ge­gen sei­nen Fan

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Micha­el Phelps schlug sei­nem Be­zwin­ger la­chend auf die Schul­ter und ging mit Sil­ber um den Hals auf die Eh­ren­run­de. Dass er ge­ra­de sei­ne 23. Gold­me­dail­le an den ers­ten Olym­pia­sie­ger aus Sin­ga­pur ver­lo­ren hat­te, schien den Schwimm-Su­per­star gar nicht zu stö­ren. „Ich dach­te, ich wä­re rich­tig, rich­tig sau­er, wenn ich ver­lie­re“, sag­te der 31-Jäh­ri­ge, „aber ich bin stolz auf ihn.“Jo­seph Schoo­ling, zehn Jah­re jün­ger als sein Idol, konn­te sein Glück gar nicht fas­sen. Der 21-Jäh­ri­ge aus dem asia­ti­schen Stadt­staat, mit bri­ti­schem Groß­va­ter und Schul­aus­bil­dung in den USA, hat­te dem Re­kord-Olym­pia­sie­ger ge­ra­de die ers­te Nie­der­la­ge im Schwimm­sta­di­on von Rio de Janeiro zu­ge­fügt. In 50,39 Se­kun­den hat­te der Au­ßen­sei­ter Phelps im Fi­na­le über 100 Me­ter Schmet­ter­ling um 75 Hun­derts­tel dis­tan­ziert und ihm da­mit auch ei­nen wei­te­ren Ein­trag in die Ge­schichts­bü­cher des Schwim­mens ver­wehrt. Der US-Ame­ri­ka­ner konn­te das Kunst­stück nicht wie­der­ho­len, das ihm tags zu­vor mit dem vier­ten Olym­pia­sieg in Fol­ge über 200 Me­ter La­gen ge­lun­gen war – weil ihn ei­ner sei­ner größ­ten Fans ge­schla­gen hat­te. „Wie für die meis­ten Kin­der war Micha­el auch mein Vor­bild“, sag­te Schoo­ling, der im ver­gan­ge­nen Jahr als WMD­rit­ter erst­mals in­ter­na­tio­nal auf sich auf­merk­sam ge­macht hat­te: „Er ist der Größ­te, er ist das per­fek­te Idol.“Als 13-Jäh­ri­ger hat­te Schoo­ling Phelps erst­mals ge­trof­fen. Der US-Star, da­mals erst mit vier Gold­me­dail­len de­ko­riert, mach­te mit sei­nem Team Sta­ti­on in Sin­ga­pur, um sich auf Olym­pia in Pe­king vor­zu­be­rei­ten – aus­ge­rech­net in dem Schwimm­klub, in dem Schoo­ling trai­nier­te. „Al­le ha­ben ge­schrien: „Da ist Micha­el Phelps“und woll­ten ein Fo­to mit ihm ma­chen“, er­zähl­te Schoo­ling, der sich na­tür­lich auch mit sei­nem Idol ab­lich­ten ließ: „Ich stand da mit of­fe­nem Mund.“Das Fo­to mit dem gro­ßen Schwimm­star und dem klei­nen Fan ver­brei­te­te sich schon we­ni­ge Mi­nu­ten nach dem Fi­na­le von Rio ra­send schnell im In­ter­net.

Schoo­ling holt das ers­te Gold für Sin­ga­pur

Su­per­star Phelps je­den­falls er­in­nert sich noch ge­nau an das ers­te Tref­fen. „Er ist mit mir im Golf­wa­gen ge­fah­ren. Ich woll­te un­be­dingt die Af­fen se­hen, die uns die Müs­li­rie­gel ge­klaut ha­ben“, sag­te er la­chend. Der US-Star flog wei­ter nach Pe­king und be­grün­de­te in Chi­na mit sei­nen acht Gold­me­dail­len sei­nen Ruhm. Schoo­ling da­ge­gen trai­nier­te in­ten­siv wei­ter, wech­sel­te in die USA und „woll­te sein wie er“. Acht Jah­re spä­ter steht der klei­ne Jun­ge von da­mals ganz oben auf dem Po­dest, und Phelps – zeit­gleich Zwei­ter mit sei­nen bei­den lang­jäh­ri­gen Kon­kur­ren­ten Chald le Clos (Süd­afri­ka) und Lasz­lo Cseh (Un­garn) – freut sich mit ihm. „Ich woll­te den Schwimm­sport ver­än­dern“, sagt er: „Ich woll­te Kin­der zum Träu­men brin­gen, das ist der ein­zi­ge Grund, war­um ich hier bin. Hier ist ein Kind, das die­sen Traum ver­wirk­licht hat.“

Sin­ga­purs ers­ter Olym­pia­sie­ger: Jo­seph Schoo­ling schlug über 100 Me­ter Schmet­ter­ling aus­ge­rech­net sein Idol Micha­el Phelps. Der US-Ame­ri­ka­ner teilt sich Platz zwei mit Chald le Clos und Lasz­lo Cseh. Fo­to: AFP

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