Schwa­nitz völ­lig frus­triert

Ku­gel­sto­ßen: Me­dail­len­kan­di­da­tin lan­det nur auf dem sechs­ten Platz

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Nach ei­nem völ­lig ver­korks­ten olym­pi­schen Auf­tritt war selbst die sonst dau­er­fröh­li­che Chris­ti­na Schwa­nitz rest­los be­dient: „Ich will jetzt nur noch ab ins Bett, die De­cke über den Kopf zie­hen und nichts mehr hö­ren oder se­hen“, sag­te die Ku­gel­stoß-Welt­meis­te­rin nach ih­rem sechs­ten Platz im Fi­na­le von Rio de Janeiro, der we­ni­ge St­un­den nach dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­Aus von Dis­kus­star Ro­bert Har­ting der zwei­te Tief­schlag für das deut­sche Team am ers­ten Wett­kampf­tag war. Gold war der Traum ge­we­sen, Sil­ber rea­lis­tisch, Bron­ze das Mi­ni­mal­ziel – von all dem war Schwa­nitz im viel­leicht schlech­tes­ten Wett­kampf ih­rer Kar­rie­re mei­len­weit ent­fernt. 19,03 Me­ter brach­te die 30 Jah­re al­te Säch­sin im kaum halb ge­füll­ten Olym­pia­sta­di­on zu­stan­de – 15 Zen­ti­me­ter we­ni­ger als in der Qua­li­fi­ka­ti­on am Mor­gen, mehr als ei­nen Me­ter we­ni­ger als bei ih­rem EM-Tri­umph ei­nen Mo­nat zu­vor. 84 Zen­ti­me­ter fehl­ten zu Bron­ze – ein De­sas­ter.

Mi­chel­le Car­ter aus den USA si­chert sich Gold

„Mei­ne Leis­tung war ein­fach schei­ße“, gab Schwa­nitz un­um­wun­den zu. Si­cher­lich, dass die Kon­kur­renz der­art hoch­klas­sig wer­den wür­de, da­mit war nicht zu rech­nen: Olym­pia­sie­ge­rin Mi­chel­le Car­ter stei­ger­te ih­ren US-Re­kord um fast ei­nen hal­ben Me­ter auf 20,63 Me­ter und ver­hin­der­te da­mit ei­nen his­to­ri­schen drit­ten Gold-Coup der Neu­see­län­de­rin Va­le­rie Adams (20,42), auch die dritt­plat­zier­te Un­ga­rin Ani­ta Mar­ton (19,87) stieß weit über ih­re Ver­hält­nis­se. „Re­spekt, das war me­ga­gut. Aber das er­klärt nicht mei­ne ei­ge­ne Leis­tung“, sag­te Schwa­nitz. Sie selbst müh­te sich, ei­ne Er­klä­rung zu fin­den. „Ich war wohl nicht auf den Punkt fit. We­ni­ger kör­per­lich als vom Kopf her. Ich hat­te vor Olym­pia ein­fach zu we­ni­ge Wett­kämp­fe“, sag­te Schwa­nitz, die nach ei­ner Knie-Ope­ra­ti­on und Schul­ter­pro­ble­men erst Mit­te Ju­ni in die Leichtathletik-Sai­son ein­ge­stie­gen war, sich dann aber mit dem Eu­ro­pa­meis­ter-Ti­tel ein­drucks­voll zu­rück­ge­mel­det hat­te. Mit je­nen 19,03 Me­ter, die auch letzt­lich in der End­ab­rech­nung stan­den, war sie ins Ri­oFi­na­le ge­star­tet. „Das war gar kein schlech­ter Auf­takt. Aber dann woll­te ich mehr, ha­be es mit der Brech­stan­ge pro­biert, hat­te kein Ge­fühl“, sag­te Schwa­nitz. Trai­ner Sven Lang ges­ti­ku­lier­te auf der Tri­bü­ne wild, woll­te kor­ri­gie­ren. „Ich ha­be ihn schon ver­stan­den, aber ich konn­te es ein­fach nicht um­set­zen“, sag­te Schwa­nitz. In den Ka­ta­kom­ben der olym­pi­schen Are­na ging es am Frei­tag­abend auf Mit­ter­nacht zu, da hat­te Schwa­nitz die Plei­te ein we­nig sa­cken las­sen, ihr al­tes Kämp­fer­herz kam zum Vor­schein. „Es ist im­mer­hin ein sechs­ter Platz bei Olym­pi­schen Spie­len. So et­was muss man auch ho­no­rie­ren, und des­halb bin ich jetzt auch nicht am Bo­den zer­stört“, sag­te sie, und gar­nier­te es wie zum Be­weis mit ih­rem mäch­ti­gen La­chen. Wie es mit ihr wei­ter­ge­he, schließ­lich sei sie be­reits 30? „Ich will das hier nicht so ste­hen las­sen, wer­de al­les tun, um nächs­tes Jahr stär­ker wie­der­zu­kom­men“, sag­te Schwa­nitz: „Ich möch­te noch bis Olym­pia 2020 wie­der da­bei sein, wenn der Kör­per mit­spielt.“Vor al­lem aber muss der Kopf mit­spie­len.

Ei­nen ra­ben­schwar­zen Tag er­wischt: Eu­ro­pa­meis­te­rin Chris­ti­na Schwa­nitz hat­te sich ei­ne Me­dail­le zum Ziel ge­setzt, doch am En­de reich­te es nur zu Platz sechs. Auch weil die Kon­kur­renz sich im Fi­na­le deut­lich stei­ger­te und die Deut­sche weit von ih­rer Best­form ent­fernt war. Fo­to: avs

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