der SONN­TAG bei …

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Pe­ter Teich­mann | Büh­ler Rock­le­gen­de

Wenn Pe­ter Teich­mann durch sei­ne Hei­mat­stadt Bühl spa­ziert, wird er von al­len Sei­ten ver­traut ge­grüßt. In­ko­gni­to, das geht nicht in ei­ner Kle­in­stadt, wo sei­ne Kar­rie­re als Ro­cker vor vier Jahr­zehn­ten be­gann und nach ei­nem In­ter­mez­zo in Mün­chen ih­re Fort­set­zung fand. Grad­li­nig war sie nicht sei­ne Ge­schich­te; si­cher­lich auch des­halb, weil er schon im­mer ei­ne recht re­bel­li­sche Ader hat­te: Das zeig­te sich et­wa, als sein Va­ter, ein Pia­nist, dem Jun­gen Kla­vier­un­ter­richt er­tei­len woll­te. „In der zwei­ten St­un­de hielt ich die Ar­me hin­ter den Rü­cken und sag­te: ,Ich mag nicht!‘“, er­in­nert sich der Mann, des­sen Mar­ken­zei­chen üb­ri­gens schon seit sei­ner Ju­gend sein lan­gen Haa­re sind. Ein Mo­ped-Un­fall brach­te das Le­ben des 16-Jäh­ri­gen ein we­nig aus dem Ru­der. Er lag vier Tage im Ko­ma, war zeit­wei­se halb­sei­tig ge­lähmt und muss­te das Gi­tar­ren­spiel auf­ge­ben. Wo­bei – als Dra­ma emp­fand er das nicht, in­ter­es­sier­te er sich doch vor al­lem für Fuß­ball. „Ich war ei­ne Sports­ka­no­ne, das war mein Ding. Nicht Ma­the.“Die Be­geg­nung mit ei­nem Mu­si­ker än­der­te sei­ne Rich­tung er­neut: Die Band „Acid Proof“such­te ei­nen Lead­sän­ger. „In mei­ner Be­schei­den­heit sag­te ich auf die Fra­ge, ob ich sin­gen kann: Ja.“Fort­an wid­me­te sich Teich­mann Hard­rock Rock; um sich fi­nan­zi­ell über Was­ser zu hal­ten, jobb­te er. „Na­tür­lich ha­be ich vom Durch­bruch ge­träumt und da­von, ir­gend­wann von der Mu­sik le­ben zu kön­nen. Das hat lei­der nicht ge­klappt.“In ei­ner Kn­ei­pe ent­stand 1981 die Idee, ei­ne Band zu grün­den, die auf Deutsch singt. Mu­si­ker von Acid Proof und ei­ner wei­te­ren Band schlos­sen sich zu­sam­men, ge­übt wur­de bei Teich­manns. Ei­ne auch im kon­kre­ten Sin­ne Schnaps­idee, die Band „Van Teich­mann“zu nen­nen, ge­fiel Pe­ters Va­ter über­haupt nicht. „Schon des­halb muss­te es bei dem Na­men blei­ben“, sagt der Mu­si­ker mit ei­nem Grin­sen. „Ich ha­be mir viel her­aus­ge­nom­men in der Zeit“. Heu­te ge­hört ru­hi­ges Fa­mi­li­en­pro­gramm zu sei­nem Le­ben, auch an Sonn­ta­gen, mit da­zu. Das be­gin­nen­de Mu­sikerle­ben be­scher­te Kon­zer­te, Tour­nee durch das Ruhr­ge­biet, die ers­te Sing­le, Ab­gang nach Mün­chen. En­de der 1980er Jah­re kehr­te Teich­mann nach Bühl zu­rück und grün­de­te die Rock-Ka­ba­ret­tFor­ma­ti­on „Dau­er­stress“, in den 90er Jah­ren folg­te das Come­back von Van Teich­mann. „Wir gin­gen in die Vol­len, hat­ten auch Auf­trit­te mit Stars wie Sla­de und Ro­ger Ch­ap­man.“Die „Ro­cki­ge Weih­nacht“auf dem Büh­ler Weih­nachts­markt wie auch der „Ro­sen­mon­tags-Rock“bil­den seit je­ner Zeit fes­te Be­stand­tei­le des Jah­res­pro­gramms. Sei­ne Band fand nach ei­nem wei­te­ren Bruch 2006 wie­der er­folg­reich zu­sam­men, nahm ei­ne CD auf und wird über die Re­gi­on hin­aus ge­bucht. Säu­le und Ur­ge­stein der Grup­pe (am 19. Au­gust spielt sie im Ran­tas­tic Hau­e­n­e­ber­stein) ist und bleibt der Front­mann, der sich im Duo mit Pia­nist Klaus Hof­säss auch deut­schen Lie­der­ma­chern und sanf­te­ren Ei­gen­kom­po­si­tio­nen wid­met. Und: der Kom­mu­nal­po­li­tik als Stadt­rat der GAL. „Ein Stadt­rat, der rockt“, sagt Teich­mann. Ei­gent­lich müss­te es wohl um­ge­kehrt hei­ßen: Ein Ro­cker, der Lo­kal­po­li­tik macht. „Gut­bür­ger­lich“je­den­falls wird Teich­mann wohl nie. Ka­trin Kö­nig

Fo­to: Mar­got Jeh­le

Ur­ge­stein, Säu­le und na­tür­lich Sän­ger der Band „Van Teich­mann“ist Pe­ter Teich­mann. Der Ro­cker muss­te nach ei­nem Un­fall als 16-Jäh­ri­ger das Gi­tar­re­spie­len auf­ge­ben.

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