Viel lau­ter als er­laubt

Mann­heims Po­li­zei geht ver­schärft ge­gen Au­to­po­ser vor

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - avs

Am Mann­hei­mer Kai­ser­ring, kurz vor Son­nen­un­ter­gang: Ein jun­ger Mann lässt sei­nen Mo­tor auf­heu­len, erst zag­haft, dann im­mer lau­ter. Der Spaß­fak­tor ist dies­mal al­ler­dings gleich null: Hin­ter dem Au­to hockt ein Po­li­zist und hält ein Mess­ge­rät 50 Zen­ti­me­ter vor den di­cken Aus­puff des Au­tos. Fa­zit: Viel zu laut – die Fahrt des PS-Prot­zers ist hier zu En­de. We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter bau­melt der Schlit­ten über dem Ab­schlepp­wa­gen. Noch zwei wei­te­re Fahr­zeu­ge wer­den an die­sem Abend ab­ge­schleppt. Au­ßer­dem gibt es sechs An­zei­gen we­gen Ord­nungs­wid­rig­kei­ten so­wie elf Ver­war­nun­gen. In je­der grö­ße­ren Stadt und auch in klei­ne­ren Or­ten kennt man sie: Au­to­po­ser, die mit ih­rem Ge­fährt prot­zen und lär­mend durch die Stra­ßen brau­sen – gern im­mer wie­der. „Es gibt of­fen­sicht­lich Men­schen, meist mas­ku­lin, die glau­ben, sich dar­stel­len zu müs­sen“, sagt Mann­heims Ver­kehrs­po­li­zei­chef Die­ter Schä­fer. Stadt und Po­li­zei grei­fen dort jetzt här­ter durch. Mehr als 30 Au­tos von Lärm­sün­dern hat Schä­fers Team in den ver­gan­ge­nen drei Wo­chen aus dem Ver­kehr ge­zo­gen. An dem Kon­troll­abend zei­gen vie­le der jun­gen Män­ner we­nig Ver­ständ­nis für die Ak­ti­on. „Ich hab’ nichts ver­bro­chen oder so­was“, sagt ei­ner von ih­nen. „Wenn ich den Mo­tor an­ma­che, ist der au­to­ma­tisch laut, da kann ich nichts ma­chen.“Ein Mo­tor­rad­fah­rer sagt über sei­ne Mo­ti­va­ti­on, mit der Maschi­ne or­dent­lich Krach zu ma­chen: „Das ist halt so ein Männ­lich­keits­ding. Es macht Spaß.“Das se­hen An­woh­ner in der Mann­hei­mer In­nen­stadt an­ders: Sie schre­cken an Wo­che­n­en­den teils mehr­mals in der Nacht we­gen Au­to­lärms aus dem Schlaf hoch. Der ADAC nennt das Ge­ha­be der Au­to­po­ser blöd­sin­nig. Es sei ei­ne Un­sit­te, wenn je­mand et­wa an der ro­ten Am­pel den Mo­tor auf­heu­len las­se, sagt ein Spre­cher des Ver­kehrs­clubs. „Das ist ein vor­pu­ber­tä­res Ver­hal­ten und kein ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr.“Auch der Ver­band der Au­to­mo­bil Tu­ner (VDAT) ist ver­är­gert über die Au­to­po­ser in den In­nen­städ­ten. „Das ist wahr­schein­lich ei­ne sehr, sehr klei- ne Sze­ne, mit der wir uns über­haupt nicht iden­ti­fi­zie­ren“, be­tont VDAT-Ge­schäfts­füh­rer Ha­rald Schmidtke. Ein paar Ver­rück­te schä­dig­ten den Ruf der Sze­ne. Für den jun­gen Mann in der Mann­hei­mer Kon­trol­le wird es teu­er: Für Din­ge wie Ab­schlep­pen, Gut­ach­ten, Rück­bau des Tu­nings und spä­te­re neue Zu­las­sung kä­men lo­cker 1 000 Eu­ro zu­sam­men, sagt Ver­kehrs­po­li­zei­Chef Schä­fer.

Fo­to: avs

Kein Par­don für PS-Prot­zer, die mit auf­heu­len­den Mo­to­ren durch Mann­heims In­nen­stadt dü­sen: Bei ei­ner Kon­troll­ak­ti­on am Frei­tag­abend wur­den drei Au­tos aus dem Ver­kehr ge­zo­gen.

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