„Sad Boys“wol­len Bron­ze

Nach dem 28:29 ge­gen Frank­reich sitzt die Ent­täu­schung tief

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport -

Die spon­ta­ne Ka­bi­nen­par­ty von Ni­ko­la Ka­ra­ba­tic und Co war in vol­lem Gan­ge, da schar­te Da­gur Si­gurds­son sei­ne „Sad Boys“um sich und schwor sie auf ih­re letz­te Schlacht von Rio ein. Nach­dem der Traum von Olym­pia-Gold auf so dra­ma­ti­sche Wei­se ge­platzt ist, soll die Bron­ze­me­dail­le die Schmer­zen lin­dern. „Un­ser Le­ben geht wei­ter“, sag­te Si­gurds­son. Der Bun­des­trai­ner wahr­te nach dem ver­rück­ten Halb­fi­nal-Kri­mi ge­gen Top-Fa­vo­rit Frank­reich (28:29) Fas­sung – und lenk­te den Blick als ei­ner der ers­ten auf das heu­ti­ge Spiel um Platz drei (15.30 Uhr MESZ) ge­gen den WM-Drit­ten Po­len. „Es ist ent­täu­schend, aber es hilft jetzt nicht zu jam­mern oder ein Dra­ma dar­aus zu ma­chen. Wir müs­sen das schnell ab­ha­ken und uns bes­tens vor­be­rei­ten“, sag­te Si­gurds­son. Sei­ne Mann­schaft sei wei­ter „hung­rig“. Und das wer­de man se­hen. „Das ist kei­ne End­sta­ti­on. Al­le wol­len die Me­dail­le“, sag­te der Is­län­der. Als „Trost­preis“winkt dem Eu­ro­pa­meis­ter im­mer­hin das ers­te olym­pi­sche Edel­me­tall seit Sil­ber 2004 in At­hen. Die Spie­ler um ih­ren über­ra­gen­den Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer (elf To­re) ver­nah­men die Wor­te ih­res Trai­ners, doch das so knapp ver­pass­te Fi­na­le hat­te sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Die selbst er­nann­ten Bad Boys wa­ren zu­nächst zu Sad Boys ge­wor­den. „Wir ha­ben uns selbst um die Be­loh­nung ge­bracht“, sag­te Reich­mann mit Trä­nen in den Au­gen. Gens­hei­mer for­der­te: „Wir müs­sen jetzt in die Köp­fe be­kom­men, dass wir noch die Chan­ce auf Bron­ze ha­ben.“Doch Ges­tik und Mi­mik ver­rie­ten mehr über das In­nen­le­ben des Links­au­ßen. Gens­hei­mer wuss­te: So schnell kommt die Chan­ce auf den ers­ten deut­schen Olym­pia­sieg seit dem DDRGold 1980 nicht wie­der. Die Win­zig­keit von drei Se­kun­den hat­te der deut­schen Mann­schaft zur Ver­län­ge­rung ge­fehlt, die schier un­glaub­li­che Auf­hol­jagd wur­de am En­de nicht be­lohnt. Mit un­bän­di­gem Wil­len, gro­ßer Moral und ganz viel Lei­den­schaft hat­te das Team ei­nen Sie­benTo­re-Rück­stand wett­ge­macht, doch der ExKie­ler Da­ni­el Nar­cis­se zer­stör­te mit sei­nem sieb­ten Tref­fer den Traum vom Sturm auf den Olymp. „Jetzt geht es dar­um, die Ent­täu­schung in po­si­ti­ve Ge­füh­le um­zu­wan­deln“, sag­te DHB-Vi­ze­prä­si­dent Bob Han­ning. Al­ler­dings: Vor der gran­dio­sen Auf­hol­jagd zeig­te die Aus­wahl aus­ge­rech­net im wich­tigs­ten Spiel ih­re schlech­tes­te Leis­tung. Vor al­lem in Sa­chen Ab­ge­zockt­heit be­ka­men die Olym­pia-Grün­schnä­bel von den aus­ge­buff­ten Fran­zo­sen ei­ne Lehr­stun­de. „Wir müs­sen uns nicht schä­men“, sag­te Si­gurds­son und lob­te lie­ber das „fan­tas­ti­sche Come­back“. Sei­ne Spie­ler hät­ten nach dem ho­hen Rück­stand ei­nen „Rie­sen­cha­rak­ter“ge­zeigt. Und so fan­den auch die Spie­ler mit je­der Mi­nu­te Ab­stand ein Stück Kampf­geist zu­rück. „Wir wis­sen, dass es jetzt noch um die Me­dail­len geht“, sag­te Reich­mann, als sei­ne Trä­nen ge­trock­net wa­ren: „Wenn an­ge­pfif­fen wird, wer­den wir al­les ge­ben.“Die Er­in­ne­run­gen an Po­len sind gut: In der Vor­run­de hat­te das deut­sche Team 32:29 ge­won­nen.

Heu­te, 15.30 Uhr: Deutsch­land – Po­len

Ent­täuscht aber trot­zig: Uwe Gens­hei­mer will mit sei­nem Team in Rio Bron­ze ho­len. Fo­to: avs

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