Mül­ders fin­det deut­li­che Wor­te

Ho­ckey-Bun­des­trai­ner mahnt trotz Bron­ze

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Avs avs sid

IAAF-Prä­si­dent Se­bas­ti­an Coe hat nach dem Olym­pia-Aus­schluss der rus­si­schen Leicht­ath­le­ten so­gar Mord­dro­hun­gen er­hal­ten. Ent­spre­chen­de Me­dien­be­rich­te be­stä­tig­te der 59 Jah­re al­te Bri­te in ei­nem In­ter­view der „New York Ti­mes“(Frei­tag­aus­ga­be). Al­ler­dings woll­te sich der Prä­si­dent des Welt­ver­ban­des IAAF nicht nä­her da­zu äu­ßern. Die Mord­dro­hun­gen sei­en in rus­si­scher Spra­che ge­kom­men, schrieb die NYT. Die IAAF hat­te den rus­si­schen Leicht­ath­le­tik­Ver­band im No­vem­ber 2015 sus­pen­diert; ei­ne Un­ter­su­chung hat­te gra­vie­ren­de Be­wei­se für sys­te­ma­ti­sches Staats-Do­ping ans Licht ge­bracht. Die deut­sche Gym­nas­tik-Grup­pe hat ihr Olym­pia-Ziel nicht er­reicht. Das Quin­tett aus Schmi­den kam ges­tern nach ver­patz­ter Band-Übung mit 32,400 Punk­ten im Vor­kampf von Rio de Janei­ro nur auf den zehn­ten Rang und turn­te da­mit wie vor vier Jah­ren in Lon­don am Fi­na­le der bes­ten Acht vor­bei. In der Übung mit fünf Bän­dern wa­ren der deut­schen Grup­pe vor 11 000 Zu­schau­ern zu vie­le Feh­ler (15,650 Punk­te) pas­siert. Auch die Top­fa­vo­ri­tin­nen aus Russ­land leis­te­ten sich in der zwei­ten Übung Feh­ler und zie­hen nur als Zwei­te (35,516) hin­ter Spa­ni­en (35,749) in den Me­dail­len­kampf. Drit­ter wur­de Weiß­russ­land (35,433). Die Tur­ne­rin Si­mo­ne Bi­les soll das US-Team bei der Olym­pia-Schluss­ze­re­mo­nie im Ma­ra­canã-Sta­di­on an­füh­ren. Bi­les hat­te in Rio de Janei­ro vier­mal Gold und ein­mal Bron­ze ge­won­nen. Die 19-jäh­ri­ge Texa­ne­rin ist da­mit die er­folg­reichs­te Tur­ne­rin bei den dies­jäh­ri­gen Som­mer­spie­len und zog mit vier Ath­le­tin­nen gleich, die eben­falls vier­mal Turn-Gold ge­wan­nen: La­ris­sa La­ty­ni­na (So­wjet­uni­on/1956), Ag­nes Ke­le­ti (Un­garn/1956), Ve­ra Cas­lavs­ka (Tsche­cho­slo­wa­kei/1968) und Eka­te­ri­na Sz­abo (Ru­mä­ni­en/1984). Bei der Er­öff­nungs­fei­er hat­te Schwimm­star Micha­el Phelps die Mann­schaft der USA an­ge­führt.

Ja­mi­lon Mül­ders war stolz, glück­lich, aber auch mäch­tig ge­schafft. „Im­mer aus Ma­ger­quark Sah­ne zu schla­gen, ist schwer“, sag­te der Ho­ckey-Bun­des­trai­ner der Frau­en we­ni­ge Au­gen­bli­cke nach dem Ge­winn der Bron­ze­me­dail­le – und blick­te da­bei ziem­lich ernst drein. Kei­ne Fra­ge, Mül­ders freu­te sich rie­sig über den 2:1-Sieg ge­gen Neu­see­land im klei­nen Fi­na­le und das ers­te Edel­me­tall für die deut­schen Frau­en seit dem gol­de­nen „Wun­der von At­hen“2004. Doch die Um­stän­de, un­ter de­nen der Er­folg ent­stan­den sei, müss­ten hin­ter­fragt wer­den. „Die vier Jah­re ha­ben un­fass­bar Ener­gie ge­kos­tet. Al­le auf der Ge­schäfts­stel­le, al­le im Prä­si­di­um, al­le in der Mann­schaft“, sag­te der 40-Jäh­ri­ge. Wäh­rend sich sei­ne Mä­dels längst ihr ver­dien­tes ers­tes Sie­ger­bier

„An­de­re Län­der in­ves­tie­ren mehr“

gönn­ten und aus­ge­las­sen zu wum­mern­den Beats die Par­ty­nacht ein­läu­te­ten, mahn­te ihr Trai­ner vor dem Ka­ter nach dem er­sehn­ten Er­folg. Es be­dür­fe drin­gend ei­ner Wei­ter­ent­wick­lung der Struk­tu­ren. „Das ge­sam­te Se­t­up, das wir um die Da­men ha­ben, ist erst ein­mal weg. Die Ma­gie der Rin­ge macht Sa­chen mög­lich – aber nur für ei­nen be­grenz­ten Zei­t­raum.“Oh­ne das per­sön­li­che En­ga­ge­ment der schlecht be­zahl­ten Ko­trai­ner, oh­ne das Ent­ge­gen­kom­men der Bun­des­li­ga-Klubs, oh­ne Phy­sio­the­ra­peu­ten, die auf ei­ge­ne Kos­ten zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter für ih­re Pra­xis an­stell­ten, wä­re der Er­folg laut Mül­ders nicht mög­lich ge­we­sen. Auf Dau­er sei dies kei­ne Ba­sis, um mit den im­mer pro­fes­sio­nel­ler auf­ge­stell­ten Geg­nern wie dem neu­en Olym­pia­sie­ger Groß­bri­tan­ni­en mit­zu­hal­ten. „An­de­re Län­der in­ves­tie­ren mehr, das kommt nicht nur aus der Ho­ckey-Struk­tur“, sag­te auch DHB-Prä­si­dent Wolf­gang Hill­mann, der mit dem Auf­tre­ten bei­der Teams in Rio rich­tig zuf­rie­den war. Wie bei den Män­nern deu­tet sich al­ler­dings auch bei den Frau­en ein Um­bruch an. „To­kio se­he ich für mich ehr­lich ge­sagt nicht mehr“, sag­te Hannah Krü­ger als Ers­te. Ge­gen die „Black­sticks“hat­te sie zu­vor die Ka­pi­täns­bin­de ge­tra­gen – und an­schlie­ßend Freu­den­trä­nen ver­gos­sen. „Fakt ist: Die­se Mann­schaft ist jetzt Ge­schich­te. Sie wird ver­bun­den blei­ben durch die Ge­schich­te“, sag­te Mül­ders, der an sei­ner Auf­ga­be wei­ter viel Freu­de ver­spürt. „Wenn man ei­ne Sa­che an­fängt, soll man sie auch zu En­de ma­chen“, sag­te er. Me­dail­len bei der Welt­meis­ter­schaft 2018 und den Som­mer­spie­len in To­kio 2020 hält er mit dem ta­len­tier­ten und be­reits ver­jüng­ten Team für mög­lich – wenn mit Hil­fe zu­sätz­li­cher Gel­der an der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung ge­ar­bei­tet wird. Doch in den kom­men­den Mo­na­ten ver­la­gert der ehr­gei­zi­ge Coach sei­nen Schwer­punkt deut­lich und lässt Ho­ckey zu­min­dest zeit­wei­se Ho­ckey sein. „Ich bin ab Mon­tag seit lan­ger Zeit erst­mal nur Va­ter, Ehe­mann und Freund“, sag­te Mül­ders und schlich von dan­nen. Ge­schafft, aber glück­lich.

Car­me­lo Ant­ho­ny steht mit sei­nem Team im Fi­na­le. Die US-Bas­ket­bal­ler ha­ben nach dem Halb­fi­nal­sieg über Lieb­lings­geg­ner Spa­ni­en ih­ren drit­ten Olym­pia-Tri­umph in Se­rie vor Au­gen. Wie schon in den End­spie­len 2008 und 2012 be­zwan­gen die US-Boys die Ibe­rer und tref­fen nach dem 82:76 (45:39) heu­te (ab 20.45 Uhr MESZ) auf Ser­bi­en. Der Vi­ze-Welt­meis­ter mit Neu-Bay­ern-Trai­ner Aleksan­dar Djordje­vic setz­te sich am Frei­tag in Rio de Janei­ro klar mit 87:61 (35:14) ge­gen das bis­he­ri­ge Über­ra­schungs­team aus Aus­tra­li­en durch. Das WM-Fi­na­le vor zwei Jah­ren hat­ten die USA mit 129:92 über Ser­bi­en ge­won­nen. Die Ame­ri­ka­ner fei­er­ten den 24. Sieg bei Olym­pia nach­ein­an­der. Fo­to: avs

Stolz, glück­lich, aber auch ge­schafft: Ho­ckey­Bun­des­trai­ner Ja­mi­lon Mül­ders. Fo­to: avs

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