Ka­nu­ten auf Me­dail­len­jagd

Auch ges­tern räum­ten die deut­schen Ka­nu­ten in Rio wie­der kräf­tig ab

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Oli­ver Mu­cha

Me­dail­len­re­gen für die deut­schen Ka­nu­ten: Am letz­ten Wett­kampf­tag in Rio ha­ben die Boo­te des Deut­schen Kanu-Ver­bands zwei­mal Gold, ein­mal Sil­ber und ein­mal Bron­ze ge­won­nen. Se­bas­ti­an Bren­del setz­te sich mit Jan Vand­rey zwei Ta­ge nach sei­nem Olym­pia­sieg im Ca­na­di­er-Ei­ner auch im Zwei­er durch, zu­dem ge­wann der Ka­jak-Vie­rer der Män­ner Gold. Sil­ber gab es für den Ka­jak-Vie­rer der Frau­en, Ro­nald Rau­he ge­wann im Ka­jak-Ei­ner Bron­ze.

Se­bas­ti­an Bren­del stieß nach sei­ner gran­dio­sen Gold­fahrt im Ca­na­di­erZwei­er ei­nen Ur­schrei aus, der Ka­jakVie­rer wur­de nah sei­nem Olym­pia­sieg zum Par­ty­boot und auch der Rest der deut­schen Flot­te war in Fei­er­lau­ne: Mit zwei­mal Gold, ein­mal Sil­ber und ein­mal Bron­ze ha­ben die schier un­er­sätt­li­chen Me­dail­len­jä­ger des Deut­schen Kanu-Ver­ban­des (DKV) für ei­nen krö­nen­den Ab­schluss der olym­pi­schen Re­gat­ta auf der La­goa Ro­d­ri­go de Frei­tas ge­sorgt. „Das ist ei­ne Wahn­sinns-Trup­pe. Ich bin so stolz auf sie“, sag­te der schei­den­de Chef­trai­ner Reiner Kieß­ler. Mit vier Gold-, zwei Sil­ber- und ei­ner Bron­ze­me­dail­le in den zwölf Dis­zi­pli­nen über­traf der er­folgs­ver­wöhn­te DKV sein oh­ne­hin schon ehr­gei­zi­ges Ziel von sechs Me­dail­len. „Et­was Schö­ne­res ha­be ich noch nicht er­lebt“, sag­te ein sicht­lich be­weg­ter Kieß­ler. Es ist das bes­te Ab­schnei­den der Ka­nu­ten seit den Som­mer­spie­len 2004 in At­hen (4-3-0).

Ka­jak-Vie­rer wird nach dem Ziel zum Par­ty­boot

Bren­del hat­te vier Ta­ge nach sei­nem Tri­umph im Ca­na­di­er-Ei­ner dar­an gro­ßen An­teil. Nach Gold mit Jan Vand­rey im C2 über 1 000 Me­ter riss er sein Pad­del in die Hö­he und fiel sei­nem Pots­da­mer Team­kol­le­gen über­glück­lich in die Ar­me. Der Ca­na­di­erZwei­er hat­te nur an den Start ge­hen kön­nen, weil das weiß­rus­si­sche Män­ner­team we­gen Do­pings kom­plett aus­ge­schlos­sen wur­de. Bren­del/Vand­rey sa­ßen in die­ser Sai­son nur beim Welt­cup in Ra­ci­ce/Tsche­chi­en ge­mein­sam im Boot. „Da­her ist es ei­ne ganz be­son­de­re Ge­schich­te“, sag­te Bren­del, der die deut­sche Fah­ne bei der Schluss­fei­er am Sonn­tag im Ma­ra­canã-Sta­di­on trägt: „Was wir in die­ser kur­zen Zeit ver­bracht ha­ben, ist sen­sa­tio­nell.“Nach ih­rem fan­tas­ti­schen Schluss­spurt zog Vand­rey den Hut vor Vor­zei­ge-Ath­let Bren­del: „Ich hat­te ein­fach ei­nen gro­ßen Sport­ler an mei­ner Sei­te.“Vier tol­le Sport­ler sa­ßen im Ka­jak-Vie­rer beim über­le­ge­nen Sieg nach 1 000 Me­ter vor Welt­meis­ter Slo­wa­kei. Die Sport­ler lie­ßen ih­rer Freu­de frei­en Lauf, das Boot droh­te im Ziel­be­reich um­zu­kip­pen. Max Hoff wur­de von sei­nen Ge­füh­len nach sei­nem ers­ten Olym­pia­sieg über­wäl­tigt. „Ich bin so un­end­lich dank­bar und kann gar nicht mehr auf­hö­ren zu heu­len. Ich war un­heim­lich ent­täuscht nach dem Ei­ner, das ist ein­fach nur ein Traum“, sag­te Hoff, der auch bei der emo­tio­na­len Sie­ger­eh­rung die Trä­nen nicht zu­rück­hal­ten konn­te. Ne­ben Hoff sa­ßen Max Rend­schmidt, Tom Liebs­cher und Mar­cus Groß im Flagg­schiff. Für Rend­schmidt/ Groß war es nach dem Olym­pia­sieg im Ka- jak-Zwei­er be­reits die zwei­te Gold­me­dail­le in Rio. „Jetzt kön­nen wir zu­sam­men fei­ern und ha­ben dop­pelt so viel Spaß wie im Zwei­er“, sag­te Rend­schmidt. Fei­ern wird auch der Ka­jak-Vie­rer der Frau­en nach Rang zwei. Sabrina He­ring, Fran­zis­ka We­ber, St­ef­fi Krie­ger­stein und Ti­na Diet­ze muss­ten sich nur Un­garn ge­schla­gen ge­ben. „Ich bin su­per glück­lich, muss aber auch ge­ste­hen, jetzt ist der Ak­ku wirk­lich leer“, sag­te We­ber, die mit Diet­ze schon Sil­ber im K2 ge­won­nen hat­te. Ei­ne Ach­ter­bahn­fahrt der Ge­füh­le er­leb­te Ro­nald Rau­he. Nach sei­nem Ren­nen blink­te zu­nächst die Zahl vier vor sei­nem Na­men auf. Das Er­geb­nis wur­de aber kor­ri­giert und bei sei­nem letz­ten Olym­pia­start teil­te sich Rau­he Bron­ze mit dem Spa­nier Raul Cra­viot­to. „Ich hat­te es mir so ge­wünscht. Ich ha­be mei­nen Na­men zu­erst nur auf der vier ge­se­hen und war ein­fach trau­rig. Das war na­tür­lich ei­ne klei­ne Emo­ti­ons­ach­ter­bahn“, sag­te Rau­he nach sei­ner vier­ten olym­pi­schen Me­dail­le.

Fo­to: avs

Auf Gold­kurs: Se­bas­ti­an Bren­del (rechts) und Jan Vand­rey (im vor­de­ren Boot) vor den bei­den Ukrai­nern Dmy­tro Ian­chuk und Ta­ras Mish­chuk, die sich am En­de die Bron­ze­me­dail­le im Ca­na­di­er-Zwei­er si­cher­ten. Dop­pel-Olym­pia­sie­ger Bren­del wird bei der Ab­schluss­fei­er Fah­nen­trä­ger des deut­schen Teams sein.

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