Horst Kel­ler

Spiel­zeug­samm­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Auf dem Ess­zim­mer­tisch ist ei­ne Ecke frei ge­hal­ten, auf der üb­ri­gen Flä­che ste­hen klei­ne Au­tos aus Blech, ei­ne Kin­der­schreib­ma­schi­ne und ei­ne al­te Pup­pen­kü­che. Nebst Sta­peln von Hef­ten und Zeit­schrif­ten. In ei­ner Ecke des Raums hat ein Pferd­chen aus Holz Platz ge­fun­den, das ei­ne statt­li­che Kut­sche mit Pup­pen­fi­gu­ren zieht. „Das ist Spiel­zeug von Kin­dern sehr rei­cher Leu­ten ge­we­sen“, er­klärt Horst Kel­ler. Ne­ben ei­nem sol­chen wert­vol­len Stück be­her­bergt sein Ess­zim­mer noch viel Klein­spiel­zeug aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. Auf den Mö­beln und Re­ga­len steht, was er in der ei­ge­nen Fa­mi­lie oder auf Floh­märk­ten als zeit­ty­pi­sches, „nor­ma­les“Spiel­zeug ent­deckt hat. Auch in an­de­ren Zim­mern sei­nes Hau­ses in der Karls­ru­her Nord­west­stadt hat Kel­ler Tei­le sei­ner Er­wer­bun­gen in 40 Jah­ren nun un­ter­ge­bracht. Da fin­den sich Re­ga­le vol­ler Bag­ger aus Holz oder Kis­ten mit ku­rio­sen Brett­spie­len in an­ge­sto­ße­nen Kar­tons. An der De­cke hän­gen Flug­zeug­mo­del­le. Der 68-Jäh­ri­ge Wit­wer hat nicht für sei­ne Spiel­zeug-Samm­lung ge­lebt, aber jetzt lebt er mit ihr. „Es sind kei­ne Stü­cke, für die Spe­zi­al­samm­ler viel Geld aus­ge­ben wür­den. Die möch­ten al­les mög­lichst ori­gi­nal ver­packt. Mir ging es im­mer um Spiel­zeug, das tat­säch­lich be­nutzt wur­de“, meint der Samm­ler, „und vie­le Men­schen se­hen bei mir et­was und sa­gen dann, ,ja, das hat­te ich auch mal‘. Mei­ne Din­ge we­cken Er­in­ne­run­gen. Das ist doch schön.“An­ge­sichts sei­ner Schät­ze wur­de der frü­he­re Leh­rer Horst Kel­ler ge­be­ten, für ein Haus des Frei­licht­mu­se­ums Vogts­bau­ern­hof im Kin­zig­tal den Er­in­ne­rungs­spei­cher zu fül­len. Wörtlich ge­nom­men. Er soll­te Kis­ten aus­stat­ten, wie man sie auf Dach­bö­den fin­det. Mit Spiel­zeug der Groß­el­tern. Al­so pack­te Kel­ler in die Mäd­chen­kis­te die al­te Kin­der­post rund um den Mi­nia­tur-Schal­ter, das Spiel „Komm, back mit mir“, so­wie hand­li­che Wasch- und Näh­ma­schi­nen. Be­reits im ver­gan­ge­nen Win­ter zeig­te das Hei­mat­mu­se­um Wol­fach auf 300 Qua­drat­me­tern Kel­ler’ sches Spiel­zeug. Der Samm­ler muss schmun­zeln, wie der Kon­takt dort­hin zu­stan­de kam. „Ich fuhr ein­fach so durch den Schwarz­wald und woll­te beim Hof­fest nur ei­nen Kaf­fee trin­ken.“Zu je­dem sei­ner Stü­cke kann er Zu­sam­men­hän­ge oder ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len. Er kennt die Ent­wick­lung vom Holz-, übers Blech- zum Kunst­stoff-Spiel­zeug. Er kennt aus ei­ge­ner Ju­gend noch die Zeit mit we­nig Din­gen für Kin­der. „Wir ha­ben ein­fach nur drau­ßen ge­spielt in dern 1950er Jah­ren.“Als er selbst um die 30 Jah­re alt war, ent­wi­ckel­te er den Blick für je­ne al­ten Kin­der­din­ge, die in mo­der­nen Fa­mi­li­en als nicht mehr zeit­ge­mäß weg­ge­wor­fen wur­den. Heu­te träumt er da­von, dass sei­ne Samm­lung ih­rer­seits „aus­zieht“und ei­nen Prä­sen­ta­ti­ons­ort fin­det. Tho­mas Liebs­cher

Ob ein Ka­rus­sel aus Me­tall oder ein sehr al­tes Schul­spiel: Horst Kel­ler aus Karls­ru­he sam­mel­te Spiel­zeug aus den 1930er bis 1970er Jah­ren. Das Frei­licht­mu­se­um Vogts­bau­ern­hof bat ihn jetzt um ei­ni­ge Schät­ze. Fo­to: Ar­tis

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