Her­re­n­alb macht sich frisch

Am (k)uri­gen En­de des Alb­tals wird für die Gar­ten­schau 2017 ge­wer­kelt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Die bei­den Schwarz­wal­d­ur­lau­ber ste­hen lan­ge am Bau­zaun und be­trach­ten das Pan­ora­ma der Kon­tras­te: Rechts von ih­nen das kräf­ti­ge Grün von tan­nen­be­set­zen Ber­gen, ge­folgt vom hel­len Grün der Kur­park­wie­sen, dann das glit­zern­de Was­ser der Alb und di­rekt vor ih­nen blen­den die wei­ßen und röt­li­chen St­ei­ne an der Bau­stel­le, sorg­fäl­tig be­ar­bei­tet von schwit­zen­den Mau­rern. Wo in Bad Her­re­n­alb die Do­bler Stra­ße den Schritt über das Flüss­chen Alb macht, sind Ge­gen­wart und Zu­kunft der Kur­stadt auf ei­nen Blick ver­eint. Beim Kur­haus mit sei­nem ho­hen Walmdach so­wie der Trink­hal­le, wo das für Ma­gen und Darm wohl­tu­en­de Heil­was­ser aus Mehr­wegg­lä­sern ge­nos­sen wer­den kann, wird für die Gar­ten­schau 2017 der­zeit eif­rig ge­baut. Hier ent­ste­hen Trep­pen zur Alb hin­ab und ein Haupt­ein­gang für je­ne „klei­ne“Gar­ten­schau, die das Land Ba­den-Württemberg al­le zwei Jah­re un­ter­stützt. Be­nö­tigt Bad Her­re­n­alb über­haupt ein sol­ches Jah­res­er­eig­nis? Sehr hoch ver­schul­det ist die 7000-Ein­woh­ner-Stadt und herr­lich im Grü­nen lie­gen das Zen­trum und die Stadt­tei­le oh­ne­hin. Dort oben am (k)uri­gen En­de des Alb­tals ist es ge­ra­de jetzt auf 385 Me­tern ei­ni­ge Grad an­ge­neh­mer als in der Rhein­ebe­ne. Aber fri­sche Er­eig­nis­luft und Ent­rüm­peln kann auch dort nicht scha­den. Die Gar­ten­schau mit be­schlos­se­nen Bau-Net­to­kos­ten von zehn Mil­lio­nen Eu­ro soll bei­spiels­wei­se den Kur­park aus dem Dorn­rös­chen­schlaf er­we­cken. Des­halb ist er der­zeit nicht zu­gäng­lich. Die Alb wird aus ei­nem star­ren be­to­nier­ten Fluss­bett be­freit, die Ufer sol­len weit­ge­hend grü­ner, blu­mi­ger und für nack­te Fü­ße zu­gäng­lich wer­den – was man beim nicht mehr mit Au­tos be­leg­ten, aber et­was kah­len Rat­haus­platz schon se­hen kann. Das schlum­mern­de Po­ten­zi­al bes­ser nut­zen, lau­tet au­ßer­dem die De­vi­se beim Um­bau der Kur­pro­me­na­de. Es gab ei­ne lan­ge Durst­stre­cke für die Ge­schäf­te und die Au­to­fah­rer durch Sper­run­gen und Um­bau­ten zu über­ste­hen. Nun stellt sich die Fla­nier­mei­le am Ran­de des Kur­parks mit neu­em Be­lag und bar­rie­re­frei dar. „Bei der Gar­ten­schau ab Mai 2017 ha­ben wir zwei um­zäun­te, ein­tritts­pflich­ti­ge Be­rei­che, den Kur­park und die Schwei­zer­wie­se“, be­rich­tet Her­re­n­albs agi­le jun­ge Stadt­käm­me­rin Sa­bi­ne Zen­ker: „Nimmt man das Klos­terare­al da­zu, das frei zu­gäng­lich bleibt, sind es zehn Hekt­ar Ge­län­de. Viel Bür­ge­r­ide­en flie­ßen da­bei in die Gestal­tung ein.“Mühl­acker ver­an­stal­te­te im Vor­jahr eben­falls auf zehn Hekt­ar ei­ne sol­che klei­ne Gar­ten­schau. Mit 570000 Be­su­chern ka­men viel mehr als er­war­tet. Das et­was ab­seits der Ver­kehrs­strö­me lie­gen­de Her­re­n­alb rech­net mit 100000 Be­su­chern, die am Bahn­hof gleich mit der Gar­ten­schau emp­fan­gen wer­den oder ih­re Au­tos in der Nä­he des Ther­mal­bads mit Blick auf den Fal­ken­stein par­ken sol­len. Apro­pos ab­seits: Das schwä­bi­sche Bad Her­re­n­alb liegt am Ran­de des Land­krei­ses Calw und an der al­ten Gren­ze zu Ba­den. Die­se ist beim St­ein­häus­le hin­ter Frau­en­alb noch ge­kenn­zeich­net. Die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­de Her­re­n­alb ge­hört zu Württemberg, aber die Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che Ba­den hat ihr Ta­gungs­haus in der Kur­stadt. Nicht nur die Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen im obe­ren Alb­tal sind gut in Rich­tung Ett­lin­gen und Karls­ru­he. Wes­halb ei­ne ört­li­che Initia­ti­ve „Sag Ja zum Land­kreis Karls­ru­he“im­mer ak­ti­ver wur­de und nun er­reicht hat, dass es im Ok­to­ber zum Bür­ger­ent­scheid kommt, ob die Stadt den Land­kreis­wech­sel an­stre­ben soll. Man­cher Streit um Fak­ten und Fol­gen der Kreis­zu­ge­hö­rig­kei­ten ha­ben ho­he Wel­len ge­schla­gen. „95 Pro­zent, die nicht der Wahr­heit ent­spre­chen“, be­inhal­te der Fly­er der Karls­ru­he-Be­für­wor­ter, hieß es ein­mal im Ge­mein­de­rat. Falls er je im Le­ben schon mal 95 Pro­zent ge­lo­gen ha­be, sol­le ihn der Blitz tref­fen, er­wi­der­te dar­auf­hin ein Ak­ti­vist. Be­schlie­ßen könn­te ei­ne „Aus­krei­sung“üb­ri­gens nur der Land­tag. Mit dem Ge­län­de um das al­te Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter mit schö­ner Kir­che und dem auf ei­ner Mau­er wach­sen­den Wun­der­baum ver­fügt Her­re­n­alb über ei­nen se­hens­wer­ten his­to­ri­schen An­lauf­punkt. „Im Klos­terare­al ist es jetzt noch ru­hig, für die Gar­ten­schau wer­den wir dort be­hut­sam Ak­zen­te set­zen“, sagt Tim Roh­rer von „bw­grün“und zu­stän­dig für Aus­stel­lun­gen so­wie Be­trieb der Schau. Den Ruf des Luft­kur­orts Her­re­n­alb als be­schau­li­chem Rent­ner­pa­ra­dies mit drei Kur­kli­ni­ken kon­tert Käm­me­rin Zen­ker, die auch Ge­schäfts­füh­re­rin der Stadt-Tou­ris­tik ist, mit die­sen Zah­len: „330 000 Über­nach­tun­gen jähr­lich und da­mit un­ter den Top 20 in Ba­den-Württemberg; 1,4 Mil­lio­nen er­mit­tel­te Ta­ges­gäs­te. Da­zu ei­ne Be­völ­ke­rung, die jün­ger wird, weil Fa­mi­li­en gern im Grü­nen woh­nen.“Wenn jetzt noch Ju­gend­stil­vil­len nicht mehr leer ste­hen und noch ge­schlos­se­ne, je­doch re­no­vier­te Lo­ka­le wie­der öff­nen wür­den, hät­ten Ein­woh­ner und Be­su­cher noch mehr vom er­hoff­ten Auf­wind durch die Gar­ten­schau. Ab Ok­to­ber wer­den ver­güns­tig­te Dau­er­kar­ten ver­kauft. Und am 13. Mai geht’s los – un­ter em Mot­to „Blü­ten­t­raum und Schwarz­wald­flair.“

Weg vom Land­kreis Calw – hin zu Karls­ru­he?

Der Wun­der­baum wächst aus ei­ner Mau­er in Her­re­n­alb his­to­ri­schem Klos­ter­vier­tel. Foto: lie

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.