Le­se­stoff

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Tipps & Themen -

Zwei grü­ne Gum­mi­stie­fel, bei­de pas­sen auf den lin­ken Fuß. Das ist al­les, was dem 70-jäh­ri­gen Fre­drik We­lin bleibt, nach­dem sein Haus auf ei­ner In­sel in den Schä­ren in ei­ner un­ge­müt­li­chen Nacht kurz vor dem Win­ter ab­ge­brannt ist. „Hat die­ser Mann ei­ne Zu­kunft? Hat er ei­nen wirk­li­chen Grund, wei­ter­zu­le­ben?“fragt der Schrift­stel­ler Hen­ning Man­kell. In sei­nem letz­ten Ro­man, der jetzt in Deutsch­land er­schie­nen ist, schreibt der Schwe­de nach­denk­lich und in knap­per Spra­che über das Le­ben mit der Ein­sam­keit, die Su­che nach Nä­he, das Al­ter und den Tod. „Die schwe­di­schen Gum­mi­stie­fel“ist als Nach­fol­ger des Best­sel­lers „Die ita­lie­ni­schen Schu­he“an­ge­legt. Man muss den Vor­gän­ger nicht ken­nen, um dem Sog der Ge­schich­te zu er­lie­gen. Der Prot­ago­nist ist aber der­sel­be: Der frü­he­re Arzt We­lin, dem einst ein Kunst­feh­ler un­ter­lief und der seit­dem zu­rück­ge­zo­gen in den Schä­ren lebt. Doch in der Ab­ge­schie­den­heit der In­sel­welt sehnt sich der al­te Mann nach mensch­li­cher Nä­he. Die Fra­ge nach dem Sinn des Le­bens, die Angst vor dem Tod – das sind The­men, die zu­letzt auch den All­tag des Schrift­stel­lers be­stimm­ten. Am 5. Ok­to­ber 2015 starb Man­kell.

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