Ge­gen (fast) al­les ge­wapp­net

Was Out­door-Klei­dung in­zwi­schen al­les kann: Selbst der In­sek­ten­schutz ist mitt­ler­wei­le oft ins Tex­til in­te­griert

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Mode & Stil -

Out­door-Klei­dung kann ganz schön viel: Sie schützt ge­gen Wind und lässt Re­gen­trop­fen ab­per­len. Aber die Her­stel­ler wol­len noch mehr, et­wa Schutz ge­gen Mos­ki­tos in der Klei­dung. Ex­per­ten er­klä­ren, was mög­lich ist:

Schutz ge­gen al­les: Out­door­be­klei­dung mit in­te­grier­tem In­sek­ten­schutz – das in­ter­es­siert in Zei­ten, in de­nen Ur­lau­bern nicht nur Mala­ria und Den­gue­fie­ber Sor­gen be­rei­ten, son­dern auch das Zi­ka-Vi­rus. „Das ist ein Be­reich, der stark wächst“, sagt Trend-Ex­per­te Ralf Ste­fan Bepp­ler. Ne­ben Mos­ki­tos sol­len auch Ze­cken ab­ge­hal­ten wer­den. Da­für wer­den Mit­tel wie Per­meth­rin in die Klei­dung in­te­griert. Ei­ner­seits sei das ei­ne che­mi­sche Keu­le, sagt Bepp­ler. An­de­rer­seits sei die Be­las­tung ge­rin­ger als bei ei­nem Mos­ki­to­mit­tel di­rekt auf der Haut. Auch UV-Schutz ist ein The­ma. Die Her­stel­ler fü­gen Po­ly­me­rad­di­ti­ve in die Tex­ti­li­en ein, die die UV-Strah­len ab­sor­bie­ren sol­len. Das Pro­blem im Ver­kauf: „Der Ver­brau­cher sieht es nicht“, sagt der Out­door-Ex­per­te. Und da­her sei er häu­fig nicht be­reit, Geld da­für aus­zu­ge­ben.

Um­welt- und so­zi­al­ver­träg­lich: Die Schutz­funk­tio­nen sind ge­fragt, trotz­dem le­gen vie­le Leu­te wert dar­auf, dass ih­re Be­klei­dung auch um­welt­ver­träg­lich ist. „Der Druck kommt auch vom End­ver­brau­cher, nicht nur von den Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen“, sagt Ste­fan Rei­sin­ger, Be­reichs­lei­ter Out­door der Mes­se Fried­richs­ha­fen. Dem Seg­ment wer­de nun ein­mal ei­ne star­ke Nä­he zur Na­tur zu­ge­schrie­ben. So sei ein gro­ßes The­ma, das die Bran­che um­treibt, der Ver­zicht auf per­fluo­rier­te Che­mi­ka­li­en (PFC). Die­se ma­chen Tex­ti­li­en was­ser­fest und schmutz­ab­wei­send, sie sind aber nicht bio­lo­gisch ab­bau­bar. Nun müs­se ver­stärkt ge­forscht wer­den, wie Tex­ti­li­en die glei­chen Ei­gen­schaf­ten oh­ne den Ein­satz kri­ti­scher Che­mie er­rei­chen. Bis­lang ge­be es kei­nen per­fek­ten Er­satz, sagt Bo­ris Gni­el­ka, Re­dak­teur der Zeit­schrift „Out­door“. Bei an­de­ren Um­welt­stan­dards ha­be es zu­letzt Fort­schrit­te ge­ge­ben. So wur­de in die­sem Jahr auf der Out­door der Re­s­pon­si­ble Wool Stan­dard vor­ge­stellt, er­zählt Bepp­ler. Die­se Stan­dards zer­ti­fi­zie­ren ei­nen nach­hal­ti­gen Um­gang – mit Dau­ne oder Wol­le. Im so­zia­len Be­reich trei­ben die Fair La­bor As­so­cia­ti­on und die Fair We­ar Foun­da­ti­on die Bran­che an.

Viel­fach ein­setz­bar: Die Fir­men ge­hen weg da­von, spe­zi­el­le Klei­dung für Wan­de­rer oder Moun­tain­bi­ker an­zu­bie­ten, er­klärt Gni­el­ka. Statt­des­sen sol­len die Sa­chen mul­ti­funk­tio­nell sein: Sie kom­men so­wohl auf dem Berg zum Ein­satz als auch bei der Ab­fahrt mit dem Rad oder beim Ent­span­nen im Bier­gar­ten. Weil ein Klei­dungs­stück im­mer mehr kön­nen soll, nimmt laut Gni­el­ka auch der An­teil der Rei­se­be­klei­dung in der Bran­che ins­ge­samt zu: al­so nicht spe­zi­fi­sche Wan­der­aus­rüs­tung, son­dern Klei­dung, die auf lan­gen Rei­sen ver­schie­de­nen Zwe­cken dient. Das sind dann knit­ter­freie Hem­den oder Ho­sen, de­ren Bei­ne sich ab­zip­pen las­sen und die vie­le Ta­schen ha­ben, dar­un­ter auch ver­steck­te zum Dieb­stahl­schutz.

Foto: Out­Door Fried­richs­ha­fen / An­ja Ko­eh­ler

Der Trend geht weg von der Spe­zi­al­klei­dung für be­stimm­te Sport­ar­ten und hin zu mul­ti­funk­tio­nel­len Out­fits für vie­le Ge­le­gen­hei­ten.

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