Knig­ge im Aus­land

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Man­fred Lädt­ke srt

Wie fast al­le Kir­chen in die­sem Zip­fel Deutsch­lands steht auch die statt­li­che Back­stein­kir­che in Su­ur­hu­sen in der Mit­te ei­ner Dorf­warft, dem Flucht­hü­gel, wenn Un­ge­mach droh­te. Der klot­zi­ge Zeu­ge ver­gan­ge­ner Zei­ten ist ein En­sem­ble­mit­glied der vie­len Fe­s­tungs­kir­chen Ost­fries­lands, die bei Flut­ka­ta­stro­phen oder An­grif­fen von sä­bel­ras­seln­den Pi­ra­ten den Land­be­woh­nern Schutz bo­ten. Weil je­des Dorf sei­ne ei­ge­ne Kir­che be­an­spruch­te, boom­te im 13. Jahr­hun­dert der Kir­chen­bau. Zwar wa­ren die eben­so starr­köp­fi­gen, wie stol­zen Frie­sen auf ih­re Frei­heit und Un­ab­hän­gig­keit be­dacht und lehn­ten Adels­herr­schaft und welt­li­chen Schutz ab; auf himm­li­schen Bei­stand woll­ten sie aber nicht ver­zich­ten. Zu­nächst bau­ten die Su­ur­huse­ner Frie­sen ih­ren Zufluchts­ort je­doch als Ap­sis­saal oh­ne Turm. Als dann um 1450 der Turm als Aus­guck mit Schieß­schar­ten an­ge­baut wur­de, muss­te das Kir­chen­schiff um ein Vier­tel „ge­kürzt“wer­den. „Tscha“, er­zählt Tjab­bo van Les­sen, „up de lütt­je Wu­urt weer ke­en mehr Platz ge­wees“(auf der klei­nen Warft war kein Platz mehr). Vor 90 Jah­ren hat­ten Sta­ti­ker zum ers­ten Mal die Mess­lat­te an­ge­legt und fest­ge­stellt, dass die schie­fen Ab­sich­ten des Ko­los­ses in Ma­ßen aus­ge­drückt 1,13 Me­ter be­tra­gen. Ur­sa­che für den „Hän­ger“ist der Mo­or­bo­den der In­sel­warft. Das stän­di­ge Ab­sa­cken des Grund­was­ser­spie­gels durch Land­ge­win­nun­gen so­wie zwei ver­hee­ren­de Sturm­flu­ten ha­ben das Ge­mäu­er zu­sätz­lich auf die schie­fe Bahn ge­bracht. Ein grau­er St­ein in der Au­ßen­wand des Turms mar­kiert heu­te noch den Höchst­stand der Al­ler­hei­li­gen­flut von 1570. Dass der „Schiefs­te Turm der Welt“über­haupt noch steht, ist der Initia­ti­ve von 12 Rent­nern zu ver­dan­ken, be­rich­tet Tjab­bo van Les­sen wei­ter. Sie ver­hin­der­ten, dass aus dem heim­li­chen Wahr­zei­chen der Ost­frie­sen ein Trüm­mer­hau­fen wird. Man­gels ba­rer Mün­ze krem­pel­te das rüs­ti­ge Dut­zend vor 35 Jah­ren selbst die Är­mel hoch und mo­bi­li­sier­te die Öf­fent­lich­keit für den Er­halt des stur­mer­prob­ten, aber im­mer wan­kel­mü­ti­ger wer­den­den Zeit­ge­nos­sen. Wo sich zwi­schen Dei­chen der Ho­ri­zont in der gren­zen­lo­sen Wei­te ver­liert und am blau­en Him­mel wei­ße Wol­ken­fet­zen in Win­des­ei­le über die satt­grü­ne Ebe­ne tan­zen, müs­sen die Kir­chen nicht hoch sein. Meist thro­nen sie wie im be­schau­li­chen Groo­thu­sen hin­ter ho­hen Dei­chen oder ein­ge­grünt von al­ten Ei­chen und Lin­den über ur­al­ten Dörf­chen, be­herr­schen wie die Nor­der St. Lu­ge­ri­kir­che das hüb­sche Stadt­bild oder sind wie in­be­sag­tem Su­ur­hu­sen auf die Hil­fe je­ner an­ge­wie­sen, für de­ren Vor­fah­ren sie Jahr­hun­der­te lang ei­ne fes­te Burg wa­ren. „Wer so et­wa die Nor­mal­grö­ße von 1,75 Me­ter hat und ge­ra­de­aus blickt, der sieht höchs­tens ein Fünf­tel Land und vier Fünf­tel Him­mel...“stell­te der Jour­na­list Hen­ri Nan­nen fest. Oft stel­len sich aber auch noch mäch­ti­ge Kirch­tür­me in das Blick­feld. Ins­ge­samt 19 Got­tes­häu­ser ste­hen in der Krumm­hörn. Zu den se­hens­wer­ten Kir­chen zäh­len die Got­tes­häu­ser in Su­ur­hu­sen, Os­teel, Freep­sum, Greet­siel, Groo­thu­sen, Lo­quard, Pil­s­um, Ut­tum und Nor­den. Al­le Kir­chen sind auf be­schil­der­ten Fahr­rad­we­gen oder schnell mit dem Au­to er­reich­bar. Am 3. Sep­tem­ber fin­det für Rad­ler ei­ne „Krumm­hör­ner Kirch­turm­tour“in 19 Dör­fer statt. Vor Kur­zem sah sich die kam­bo­dscha­ni­sche Kul­tur­be­hör­de zum Han­deln ge­zwun­gen. Seit Au­gust gilt ei­ne strik­te Klei­der­ord­nung für die Tem­pel von Ang­kor Wat. Ver­bo­ten ist nun al­les, was zu se­xy ist. Wer sich an­ge­sichts die­ses Dress Co­des in sei­ner in­di­vi­du­el­len Frei­heit be­schnit­ten fühlt, der hat ver­ges­sen, wo er sich be­fin­det. „Je­der, der mit zu ent­blö­ßen­den Klei­dern un­se­re Tem­pel be­sucht, ent­weiht ih­re Hei­lig­keit“, er­klärt ein Spre­cher der Be­hör­de. Wenn sich Ur­lau­ber aus Mit­tel­eu­ro­pa in hei­ße Län­der be­ge­ben, dann reist auch im­mer die ei­ge­ne Vor­stel­lung von an­ge­mes­se­ner Klei­dung mit. In li­be­ra­len und se­xu­ell to­le­ran­ten Ge­sell­schaf­ten, sorgt schon lan­ge kein blan­ker Bu­sen mehr für Auf­re­gung, und Shorts für Män­ner sind in­zwi­schen auch stadt­fein ge­wor­den. Hin­zu kommt, dass in eher küh­len Brei­ten­gra­den, ei­ne Fehl­an­nah­me in den Köp­fen fest ver­an­kert ist: Bei Hit­ze mög­lichst we­nig an­zie­hen. Nicht so in vie­len Län­dern, wo sich die Ein­hei­mi­schen mit lo­cker sit­zen­der, aber den gan­zen Kör­per be­de­cken­der Klei­dung, oft in meh­re­ren La­gen, vor der sen­gen­den Hit­ze schüt­zen. Be­reits für den Pe­ters­dom in Rom gilt ei­ne strik­te Vor­schrift: Schul­tern und Knie müs­sen be­deckt sein. Das heißt, ein Tuch reicht, um das weit aus­ge­schnit­te­ne Top zu ver­hül­len. Ei­ne Drei­vier­tel­ho­se be­zie­hungs­wei­se lan­ge Ber­mu­das (min­des­tens bis zum Knie) mö­gen nicht im­mer ein mo­di­scher Hit sein, aber sie ge­nü­gen der Kir­che, da­mit der Be­su­cher – Mann oder Frau – das Got­tes­haus be­tre­ten darf. Mit die­ser ein­fa­chen Re­gel des Va­ti­kans kom­men Ur­lau­ber ziem­lich weit. Grund­sätz­lich gilt, je süd­li­cher wir rei­sen, des­to mehr spielt re­gel­kon­for­me Klei­dung ei­ne Rol­le. Stren­ge­re Be­stim­mun­gen gel­ten in mos­le­mi­schen Län­dern. Da­bei ist es ziem­lich egal, ob in Afri­ka, Asi­en oder an­ders­wo. Aus­schlag­ge­bend für die Klei­der­vor­schrif­ten ist, wie or­tho­dox der Glau­be aus­ge­legt wird und wo die Scha­ria, al­so das is­la­mi­sche Ge­setz, Gül­tig­keit hat. In Län­dern wie Ägyp­ten, Ma­rok­ko oder Tu­ne­si­en kom­men Aus­län­de­rin­nen vor al­lem in den Tou­ris­ten­or­ten mit vie­lem durch. Doch wer nicht stän­dig an­ge­gafft oder an­ge­macht wer­den will, ver­zich­tet auf Mi­cro-Mi­ni­rö­cke und bauch­freie oder schul­ter­freie Ober­tei­le nicht nur beim Be­such von Mo­sche­en. Bei Rei­sen durchs Land hilft es zu wis­sen, dass dort die Be­völ­ke­rung noch et­was kon­ser­va­ti­ver ist als in den Me­tro­po­len. Hals und Bei­ne soll­ten dann zu­sätz­lich im­mer ver­hüllt sein.

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